Inzwischen dürften Sie die beinahe absurden Leistungsversprechen, die spektakulären Stunts und den schwindelerregenden Preis des neuen Tesla Roadster gesehen haben. Gesprächsstoff gibt es reichlich, doch uns interessiert vor allem, wie stark sich das Design des elektrischen Supersportwagens seit seinem Debüt 2017 verändert hat.
Neun Jahre sind vergangen, gewisse Anpassungen waren also unvermeidlich. Mit einem kompletten Neudesign, das die geschwungenen Linien des ursprünglichen Konzepts gegen eine kantige, an den Cybertruck erinnernde Formensprache eintauscht, war jedoch nicht unbedingt zu rechnen. Aus nahezu jedem Blickwinkel wirkt der Wagen radikal anders. Ein deutlicher Bruch mit dem Auto, das einst einen Ausblick auf das lange verzögerte Serienmodell geben sollte.
Als Tesla den Roadster der zweiten Generation im November 2017 vorstellte, wirkte das Konzept wie ein echter Supersportwagen: fließende Formen, eine flache Silhouette und ein klares Design, das auch heute noch erstaunlich modern erscheint. Es war eine futuristische Interpretation des klassischen Sportwagens, ohne es mit scharfen Kanten oder überflüssiger optischer Dramatik zu übertreiben. Gewisse Anleihen am Model 3 oder Model S waren nicht zu übersehen.
Der Tesla Roadster erhält ein komplett neues Design
Spulen wir vor in den Oktober 2026: Der seriennahe Prototyp wirkt, als stamme er aus einem völlig anderen Designstudio. Der neue Roadster setzt auf eine deutlich aggressivere, keilförmige Silhouette mit scharfen Kanten und einem klar von der Luft- und Raumfahrt inspirierten Auftritt. Auch die Front- und Heckleuchten haben sich zu den inzwischen fast unvermeidlichen Lichtleisten weiterentwickelt, während aufwendigere Aerodynamikelemente dem Auto einen spürbar technischeren Look verleihen.
Natürlich sind neun Jahre in der Automobilindustrie eine lange Zeit. Designtrends ändern sich, technische Anforderungen entwickeln sich weiter, und Hersteller überarbeiten Konzepte regelmäßig, bevor sie in Serie gehen. Zu erwarten, dass Tesla jedes Detail von 2017 unverändert übernimmt, wäre unrealistisch gewesen. Ein bestehendes Design weiterzuentwickeln ist allerdings etwas anderes, als praktisch von vorn zu beginnen.
Das ursprüngliche Konzept des Roadster der zweiten Generation setzte auf gerundete Flächen und klassische Supersportwagen-Proportionen. Die neueste Ausführung dagegen übernimmt die kantige Formensprache, die inzwischen für Teslas jüngere Modelle typisch geworden ist. Der Einfluss des Cybertruck ist in der scharf gezeichneten Ästhetik des neuen Autos besonders deutlich zu erkennen.
Der neue Look des Roadster erinnert an Top Gun
Tesla gibt an, der Roadster sei von Flugzeugen wie der SR-71 Blackbird und dem Kampfjet F-35 inspiriert. Dieser Luftfahrt-Einfluss passt zu den ambitionierten Leistungszielen des Unternehmens und zur Zusammenarbeit mit SpaceX. Gleichzeitig erklärt er, warum der neue Wagen so anders aussieht als sein Vorgänger.
Die Ironie dabei: Schon das Konzept von 2017 wirkte futuristisch genug, um aufzufallen. Tesla hätte das Erscheinungsbild des Roadster nicht zwangsläufig neu erfinden müssen, damit er 2026 besonders wirkt. Einige gezielte Updates hätten das ursprüngliche Design frisch halten können, ohne jene Qualitäten zu opfern, die es damals so reizvoll machten.
Der neue Tesla Roadster ist ein reiner Zweisitzer
Die Design-Überarbeitung ist nur ein Teil der Geschichte. Tesla hat auch das ursprüngliche Konzept des Roadster verändert: Statt eines 2+2-Layouts handelt es sich nun um eine stärker fokussierte Zweisitzer-Maschine mit Steer-by-Wire-Lenkung, aktiver Aerodynamik und einer Reihe experimenteller Technologien.
Der Produktionsstart ist derzeit für 2028 geplant, auch wenn das Projekt bereits jahrelange Verzögerungen hinter sich hat. Das bedeutet: Kunden, die 2017 Anzahlungen geleistet haben, warten seit fast einem Jahrzehnt auf ein Auto, das deutlich anders aussieht als das Modell, für das sie sich ursprünglich entschieden hatten. Tesla bietet ihnen zweifellos etwas Radikaleres. Ob das finale Serienmodell all diese Design- und Technikdetails beibehält, bleibt allerdings abzuwarten.
War das alte Design besser?
Fest steht vorerst: Der neue Roadster ist nicht einfach eine modernisierte Version des Konzepts von 2017. Er ist ein kompletter Bruch mit der ursprünglichen Vision und ersetzt das glatte, zurückhaltende Supersportwagen-Design durch eine kantige Gestaltung, die gut in Teslas zunehmend unkonventionelle Modellpalette neben dem Cybertruck passt.
Persönlich bevorzuge ich weiterhin das ursprüngliche Konzept von 2017. Seine weichen Linien und klassischen Supersportwagen-Proportionen sind gut gealtert, und ich hätte mir gewünscht, dass Tesla mehr davon bewahrt. Gleichzeitig ist nachvollziehbar, warum das Unternehmen nach neun Jahren Änderungen für nötig hielt.
Die Autowelt hat sich weiterentwickelt, Teslas Designsprache hat sich verändert, und ein Serienauto muss andere Anforderungen erfüllen als ein spektakuläres Showcar. Dennoch ist es ein Unterschied, ein Design zu aktualisieren oder bei null anzufangen. Und der neue Roadster fällt eindeutig in die zweite Kategorie.








