Rover 75 (1998-2005): Klassiker der Zukunft?

Vor 25 Jahren kam der schicke Retro-Brite auf den Markt ...

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Das nennt man wohl unglückliches Timing. Am 20. Oktober 1998 wurde mit großem Pomp der neue Rover 75 vorgestellt. Der Hoffnungsträger der britischen Marke sollte Mitte 1999 in den Verkauf gehen.

Doch was macht Bernd Pischetsrieder, Chef des damaligen Rover-Eigentümers BMW? Kritisiert die Haltung der britischen Regierung in Bezug auf die finanzielle Unterstützung bei der Sanierung des Rover-Werks in Longbridge (wo der neue Mini und der R30 hätten produziert werden sollen) und deutet an, dass sich Rover in einer Krise befand.

In der Presse wurde dies so interpretiert, dass BMW mit den anhaltenden finanziellen Verlusten unzufrieden sei und beabsichtige, Rover zu schließen. Dies schreckte zweifellos viele potenzielle Käufer abgeschreckt, trotz der sehr positiven Reaktionen auf das Auto selbst.

Der 75 verfügte über eine Reihe von Benzin- und Dieselmotoren mit einem Hubraum von 1,8 bis 2,5 Litern. Bei den Benzinmotoren handelte es sich um die Rover-Vierzylinder der K-Serie mit 1,8 Litern Hubraum und den KV6 mit vier Nockenwellen, der entweder mit 2,0 oder 2,5 Litern Hubraum angeboten wurde.

Der 2,0-Liter-Motor wurde später mit der Einführung des 1,8-Liter-Turbomotors aus Emissionsgründen eingestellt. Ein Dieselmotor wurde über die BMW Group angeboten. Der von den Ingenieuren der Rover Group und Steyr für den Quereinbau entwickelte 4-Zylinder-M47R (M47 Rail) unterschied sich von den M47D20-Motoren der 3er- und 5er-Reihe durch einen anderen Turbolader und ausgefeiltere Systeme für das Temperaturmanagement.

Im Juli 2001, schon nach der Trennung von Rover und BMW, brachte Rover die Kombivariante des 75 mit der Bezeichnung Tourer auf den Markt. Die Heckklappe war optional mit einer zu öffnenden Heckscheibe ausgestattet. BMW-Fans kennen das System. Nur eine Studie blieb das hübsche 75 Coupé Concept.

Rover 75 Coupé Concept

Kommen wir zu den superseltenen Varianten des Seventy-Five. Eine gestreckte Version des Rover 75 - zunächst unter dem Namen Vanden Plas (später einfach Limousine) - wurde im Jahr 2002 eingeführt. Das in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeugbauer S. MacNeillie & Son Limited in Walsall, England, entwickelte Modell wurde um 200 mm in der hinteren Bodenwanne gestreckt und die hinteren Türen wurden verändert.

Er war nur in der Connoisseur-Ausführung erhältlich und wurde nach einer anfänglichen Kleinserie von MacNeillie in Longbridge produziert. Der 75 war ein Ministerfahrzeug in der britischen Regierung, und Tony Blair hatte während seiner Zeit als Premierminister Zugang zu einem solchen Fahrzeug.

Im Frühjahr 2004 führte Rover ein Facelift des 75 ein, das einen völlig neuen Kühlergrill und Stoßfänger sowie einteilige Scheinwerfer mit Halogenprojektoren umfasste. Auch das Heck erhielt einen neuen Stoßfänger mit einem überarbeiteten verchromten Kofferraumgriff.

Das neue Design wurde von der Fachpresse unterschiedlich aufgenommen, und Rover kündigte nur wenige Monate später das neue V8-Modell mit einem völlig anders gestalteten Kühlergrill an. Es heißt, dieser Kühlergrill sei von früheren V8-Modellen inspiriert gewesen, aber er verursachte einige Irritationen, da er dem des neuen (später vorgestellten) großen Audi ähnlich sah.

Auf dem Genfer Automobilsalon 2004 kündigte Rover ein V8-Modell an. Nach dem 2003 vorgestellten MG ZT 260 war dies der erste Rover mit V8-Motor seit dem Aus des Rover SD1 im Jahr 1986. Die Plattform wurde für den 4,6-Liter-V8-Motor von Ford und den Hinterradantrieb umfassend überarbeitet, einschließlich eines steiferen Getriebetunnels und einer maßgeschneiderten Hinterradaufhängung.

Wie der ZT 260 wurde auch der 75 V8 auf dem normalen Fließband gebaut, für die notwendigen strukturellen Änderungen und den Einbau des V8-Antriebsstrangs ausgebaut und dann für die Endbearbeitung wieder auf das Fließband gestellt. Anstelle des Tremec TR-3650-Schaltgetriebes des MG ZT 260 wurde der Rover 75 V8 mit dem 4R75W-Viergang-Automatikgetriebe von Ford ausgestattet.

Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehörten vierfache Auspuffrohre, spezielle Embleme und eine "Premium"-Stoßstange mit einem tieferen Kühlergrill. 166 Exemplare wurden in den Karosserievarianten Limousine und Tourer produziert, gegenüber 717 MG ZT 260, insgesamt also 883 V8-Fahrzeuge.

Maximale Exklusivität mit Blick auf die Gesamtmenge an 75: Exakt 211.175 Exemplare des Rover 75 entstanden bis 2005, dem Ende der MG Rover Group. Doch damit war für den 75 noch nicht Schluss. Nach der Insolvenz wurden die Baupläne für den Rover 75 an die Shanghai Automotive Industry Corporation und die Produktionsstraßen und -maschinen an die Nanjing Automotive Company verkauft. Als technisch wie optisch überarbeiteter Roewe 750 lief der Seventy-Five in China noch bis 2016 vom Band.

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Autor: Roland Hildebrandt