Peugeot 208 E-GTi (2026) im Test: Der König der Löwen

Der Bruder des Opel Corsa GSE punktet mit spaßigen Fahrleistungen, schockt aber kurz mit hohem Anschaffungspreis und seinem Verbrauch

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Im Titelsong zum 1994er Disney-Film "Der König der Löwen" schmettert Elton John seine Lebensweisheiten zum "Circle of Life" raus. Denn das Leben, so John, sei ein ewiger Kreis. Doch nicht nur wir sind Teil dessen, sondern auch die Autoindustrie. Und genau deshalb muss ein neuer König den scheidenden, altersschwachen irgendwann zwangsläufig ersetzen.

Im Zeichentrickklassiker passiert das zugegebenermaßen sehr früh. Wahrscheinlich muss jede Generation ihr eigenes Bambi-Trauma durchmachen. Der Peugeot E-208 GTi hingegen setzt sich am Ende des Modellzyklus noch einmal an die Spitze seiner Spezies ... und das als Alphatier des gesamten historischen GTi-Rudels. Denn noch nie konnte einer der wildgewordenen Hot-Hatch-Löwen auf derartige Fahrleistungen vertrauen.

Peugeot E-208 GTi (2026) im Test

Denn der E-208 GTi quetscht sportliche 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h aus seinem kompakten Paket. Dabei vertraut er auf denselben Stellantis-Antrieb, der schon Opel Corsa GSE, Mokka GSE, Abarth 600e und Alfa Romeo Junior Elettrica Veloce zu wieselflinken Kurvenkünstlern macht. Ein permanenterregter Synchronmotor treibt die Vorderachse mit 207 kW (281 PS) und 345 Nm an.

Gespeist wird die Energie aus einer 54-kWh-Lithium-Ionen-Batterie (51 kWh netto). Das soll im Bestfall für 374 Kilometer puren Spaß ausreichen. Spoiler: reicht es nicht! Auf unserer kurvigen Zweieinhalbstunden-Runde durchs hügelige Schottland verbrauchten wir 20,04 kWh auf 100 Kilometer. Dabei wurde ein Teil der ländlichen Tour recht fix und der andere gemächlich gefahren.

Für ausreichend Spaß im Alltag reicht das vermutlich immer noch dicke für die meisten Fahrprofile aus. Mit 100 kW maximaler Ladeleistung und 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent wird der Peugeot E-208 GTi aber definitiv nicht zum König der Schnelllader. Für längere Strecken sollte also etwas Zeit eingeplant werden.

Schnelle Daten Peugeot 208 E-GTi (2026)
Antrieb

- Permanenterregter Synchronmotor

- Frontantrieb

Systemleistung / Max Drehmoment 207 kW (281 PS) / 345 Nm
0 - 100 km/h 5,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) 16 - 17,2 kWh / 374 km
Akku 51-kWh-Lithium-Ion (netto)
DC-Ladegeschwindigkeit / 20 - 80 Prozent 100 kW / 27 Minuten
Preis 44.900 Euro

Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Preis/Konkurrenz | Fazit


Karosserie/Design

Gegenüber der Serienversion kommt der kleine Sportfranzose mit tieferer Karosserie und breiterer Spur: 25 Millimeter liegt der E-208 GTi tiefer, die Spur wächst vorne um 56 Millimeter und hinten um 28 Millimeter. Das verschafft ihm mit den breiteren Backen nicht nur einen optisch bulligeren Stand, er liegt damit natürlich auch wesentlich satter auf der Straße. 

Dazu tragen auch die 18-Zoll-Räder in der Dimension 215/40 R18 mit serienmäßigen Michelin Pilot Sport 4S bei. Darunter blitzen vorne 4-Kolben-Festsattel-Bremsen in 355 x 32 Millimeter in rot hindurch. Überhaupt ist Rot hier das verbindende Element. Überall deuten Applikationen im Signalton auf den etwas aggressiveren Löwenzwerg hin: Radläufe, Details im Heckdiffusor und Peugeot-Embleme heben sich so vom Untergrund ab. Auf der breiten C-Säule thront mit dem 208-GTi-Logo eine kleine Hommage an den Urkönig 205 GTi.

Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Bilder von: Peugeot

Insgesamt vermittelt der E-208 GTi auf 4,10 Metern Länge einen richtig klassisch sportlichen Hot-Hatch-Eindruck. Außerdem kommt er dabei mit gerade mal 1,41 Meter für ein Elektroauto herrlich flach daher - gefällt!

Innenraum

Im Innern zieht sich das rote Thema weiter durch. Nahezu kaum zu übersehen sind die charismatischen roten Teppiche, die ebenfalls an das Original erinnern. Hier sollte jedoch ein deutlicher Hang zum Putzfimmel vorhanden sein, sonst wird der Sportler schnell zur Drecksbude.

Rot zeigt sich zudem in Instrumentierung, Armaturenbrett, Einstiegsleisten, am Lenkrad, an den komplett einfarbigen Gurten und den Sitzen. Für letztere ist es hilfreich, nicht weit von den perfekten Bergziegenmaßen entfernt zu sein. Die seitlichen Wangen der Sportsitze an Sitzfläche und Lehne schieben einen beim etwas kletterähnlichen Einsteigen nämlich in die benötigte Position.

Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Bilder von: Peugeot

Ein Kompromiss muss fast schon Peugeot-typisch derweil mit dem kleinen Lenkrad gefunden werden. Ist es passend eingestellt, verdeckt es zum Teil das Kombiinstrument. Zieht man es tiefer, fehlen Ergonomie und Beinfreiheit. Exklusiv und für sportliche Fahrten durchaus brauchbar ist die GTi-Anzeige auf dem Infotainment, die beispielsweise Batterietemperatur, Power und Spannung anzeigt. Auch Drehmomente und Rundenzeiten lassen sich so festhalten. 

Für spontane Überholmanöver etwas ungünstig platziert wurde der Schalter für die Fahrmodi. Wer beim Cruisen kurz auf Sport schalten will, hat im besten Fall noch ein weiteres Gelenk im Arm oder den Sitz extrem weit hinten. Bei meinen 1,76 Meter lag der quasi unmittelbar neben der Flanke der Lehne - unpraktisch!

Ansonsten fühlt man sich im E-208 GTi aber schnell wohl und vor allem zurecht. Eine Handvoll physischer Tasten sorgt für direkte Zugänge, das Infotainment zeigt sich gewohnt übersichtlich und wenig aufgeblasen. Ein wenig schneller dürfte es trotzdem arbeiten, aber wir wollen mal nicht so unverschämt fordernd auftreten wie unser Bundeskanzler. Das geht schon in Ordnung. Die Klavierlackoptik benötigt ebenfalls des Öfteren eine Oberflächenbearbeitung mit dem Mikrofasertuch.

Kofferraum und Rücksitzbank sind bei diesem Paket natürlich zweitrangig. 309 bis 1.118 Liter belegen daher auch keinen Spitzenrang im Hot-Hatch-Rudel, für die meisten Erledigungen sollte das sicher ausreichen. Ebenso wie die Rücksitzbank für kurze Strecken. 

Abmessungen Peugeot 208 E-GTi (2026)
Länge x Breite x Höhe 4.100 x 1.771 x 1.405 mm
Radstand 2.556 mm
Gewicht 1.535 kg
Zuladung 452 kg
Kofferraumvolumen 309 - 1.118 Liter

Antrieb/Fahreindrücke

Rot sieht dann auch der kleine Löwenkönig, wenn ich im Sportmodus das Gaspedal tief durchdrücke. Der E-208 GTi reagiert unmittelbar und stürmt freudig ruppig gen Horizont als wolle er als Erster am Felsvorsprung sein, um sein Volk zu begrüßen. Das macht Spaß, geht aber auch etwas harmonischer als beispielsweise ein Cupra Raval VZ zeigt. Wer da eher auf der robusten Seite steht, wird sicher Freude mit dem Ding haben.

Der Grip des Franzosen ist auch auf feuchter Fahrbahn erstaunlich. Tieferlegung, Spurverbreiterung und Rad-Reifen-Kombination zirkeln den GTi zudem präzise in jeden Scheitelpunkt. Da geht viel, sehr viel, sodass sich ein Ausflug auf die Rennstrecke sicher mehr lohnen würde, als sich im Touristenverkehr zu ärgern.

Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Peugeot E 208 GTi 2026 im Test Bilder von: Peugeot

Zumal die Lenkung massig Feedback mitteilt und stete Kontrolle über den potenten E-208 vermittelt. Der quittiert das mit absoluter Spurtreue in jeder Fahrsituation. Ein dermaßen präzises Gerät braucht es, um sicheren Fahrspaß zu genießen. Dabei fühlt sich der Peugeot tatsächlich noch etwas komfortabler an als beispielsweise ein Mokka GSE. Der Franzose gibt Meldung über Bodenbeläge, bewahrt sich aber noch ein kleines bisschen Restkomfort. Hier sammelt der GTi massiv Punkte für den Alltagsgebrauch.

Preis/Konkurrenz

Der Preis des Peugeot E-208 GTi liest sich erst einmal happig: 44.900 Euro rufen die Franzosen für den kleinen Hot Hatch auf. Dafür ist die Optionsliste klein. Lediglich Farbe, Panoramadach und Zubehör können noch obendrauf gepackt werden. Schauen wir auf die offizielle Leasingrate, sieht die Welt schon anders aus: 275 Euro stehen da bei 36 Monaten und 10.000 Kilometern pro Jahr bei einer Sonderzahlung von 5.000 Euro. Das entspricht der maximalen Förderung ohne Kinder - zielgruppengerecht also.

Die direkte Konzern-Konkurrenz startet bei 39.900 Euro in Form des Opel Corsa GSE. Die Leistungsdaten sind klar auf Seiten der Stellantis-Vertreter. Schneller laden und Energie effektiver verarbeiten kann der VW-Konzern. Zum selben Preis startet dort inzwischen der Cupra Raval VZ (39.900 Euro). Der VW ID. Polo GTI soll knapp unter 39.000 Euro zu haben sein. Auf selbem Level befindet sich die etwas leistungsschwächere Alpine A290 für ebenfalls mindestens 39.000 Euro. 

Damit ist der Löwe auch beim Einstiegspreis der König. Ausstattungsbereinigt sieht die Sache gerade gegenüber dem VW-Konzern aber schon anders aus. Wer es lieber sportlich und hochbeinig kompakt mag, kann sich Opel Mokka GSE, Abarth 600e, Alfa Romeo Junior Elettrica Veloce oder auch Volvo EX30 P8 Ultra (ehemals Twin Performance) genauer ansehen, muss dann aber mit wesentlich höheren Preisen nahe der 50.000er-Grenze rechnen. Wir resümieren: Der Elektro-Hot-Hatch-Markt wächst erfreulicherweise.

Fazit

Auf dem schmalen Grat zwischen kompromissloser Westentaschenrakete und Restalltagstauglichkeit findet Peugeot mit dem E-208 GTi eine gute Balance. Er vermittelt Fahrfreude ohne auf einen gewissen Alltagskomfort verzichten zu müssen. Zudem verbreiten etliche Hommagen an den Ur-205 GTi echte nostalgische Gefühle. Die Sportsitze hingegen stellen ein körperliches Ausschlusskriterium dar. Zudem haderten wir mit der Ergonomie hinterm Lenkrad.

Wer einen alltagstauglichen Flitzer sucht, wird mit dem französischen Hot Hatch definitiv seine Freude haben. Für lange Strecken brauchts jedoch Zeit an der Ladesäule. Den Kaufpreis sollte man direkt ignorieren und zum Leasing greifen. Einen König der Löwen fährt man dann definitiv. Zum König der E-Hot-Hatches reicht es aber nicht.

   

Pro

  • Spaßige Fahrleistungen
  • Fahrwerk mit Restalltagstauglichkeit
  • Nostalgie-Hammer
   

Kontra

  • Ergonomie
  • Verbrauch und Lade-Performance
  • Kaufpreis
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Autor: Benja Hiller