Nach einer stark gehypten, aber eher ernüchternden Präsentation am Vorabend bieten Teslas goldfarbene, fahrerlose Cybercabs nun erstmals kostenpflichtige Robotaxi-Fahrten in Austin, Texas, an.
Die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, zu der klassische Medien und selbst einige besonders engagierte Tesla-Fans nicht eingeladen waren, ist für Unternehmenschef Elon Musk ein wichtiger Schritt. Musk verspricht seit Jahren selbstfahrende Autos und stellte in Aussicht, dass private Tesla-Besitzer ihre Elektroautos eines Tages in die Robotaxi-Flotte des Unternehmens einbinden und damit ein passives Einkommen erzielen könnten.
Musk selbst nahm nach Angaben von Anwesenden nicht an der Cybercab-Präsentation teil und Tesla-Besitzer können ihre Elektroautos weiterhin nicht in Robotaxis verwandeln. Das Cybercab, das weder Lenkrad noch Pedale besitzt, ist jedoch real - auch wenn eine Fahrt damit für manche wohl abenteuerlicher sein dürfte, als ihnen lieb ist.
Nur wenige Fahrzeuge und vorerst ein begrenztes Einsatzgebiet
Tesla sagte nicht, wie viele Cybercabs für öffentliche Fahrten verfügbar sind. Kürzlich veröffentlichte Daten des Texas Department of Motor Vehicles zeigen jedoch, dass das Unternehmen im Bundesstaat lediglich 45 Cybercabs zugelassen hat. Hinzu kommt: Die goldfarbenen Zweisitzer-Elektroautos sind vorerst nur in Austin verfügbar. Insgesamt betreibt Tesla rund 250 fahrerlose Taxis in sechs Städten. Zum Vergleich: Waymo, der größte Robotaxi-Betreiber in den USA, bietet mit etwa 4.000 Fahrzeugen in 14 Städten Fahrten an.
Wer diese Einschränkungen in Kauf nimmt, kann von Teslas neuestem Elektroauto Folgendes erwarten - wobei ausdrücklich gilt: Das Fahrzeug ist bislang nicht käuflich erhältlich.
Cybercab: Altersgrenzen und Kindersitze
Zunächst ist wichtig: Tesla schließt Kinder unter 13 Jahren von Fahrten in einem Cybercab-Robotaxi aus. Laut einer neu veröffentlichten Seite auf der Tesla-Website darf das zweitürige, fahrerlose Taxi nur Erwachsene sowie Minderjährige im Alter von 13 bis 17 Jahren befördern, sofern sie von einem Erwachsenen begleitet werden. Außerdem dürfen Fahrgäste ein Robotaxi nur für sich selbst anfordern. Jugendliche, die unterwegs sind, können ihre Eltern also nicht bitten, ein Cybercab für sie zu bestellen.
Das Cybercab verfügt zudem nicht über ISOFIX- beziehungsweise LATCH-Verankerungen für Kindersitze. Die offizielle Dokumentation zeigt jedoch, dass ein Kindersitz mit dem Sicherheitsgurt des Fahrzeugs befestigt werden kann. Für Robotaxi-Fahrten ist das derzeit aus den eben genannten Gründen unerheblich. Die Vorbereitung könnte jedoch im Hinblick auf einen späteren Verkauf des lenkradlosen Elektroautos an Privatkunden integriert worden sein.
Zur Erinnerung: Kinder ab acht Jahren dürfen in einem Model-Y Robotaxi mitfahren, wenn sie von einem Erwachsenen begleitet werden.
Platzangebot, Kofferraum und Bedienung
Das neue Cybercab ist auf zwei Personen ausgelegt. Der Kofferraum im Heck fasst 572 Liter, laut Tesla genug für zwei aufgegebene Gepäckstücke und zwei Handgepäckstücke. Der Kofferraum, dessen maximale Zuladung 100 Kilogramm beträgt, soll außerdem einen großen zusammengeklappten Kinderwagen und einen zusammengeklappten Rollstuhl aufnehmen können. 80 Prozent der Robotaxi-Fahrten finden mit zwei Passagieren statt; deshalb hat das Cybercab nur zwei Sitze, sagte ein Unternehmensvertreter während der Präsentation am Vorabend.
Der Kofferraum lässt sich über die Smartphone-App öffnen, die Türen öffnen automatisch, sobald sich der Fahrgast nähert. Alternativ können die Türen ebenfalls per App entriegelt werden. Im Innenraum lassen sie sich über den zentralen Touchscreen oder über separate Tasten in den Türverkleidungen öffnen.
Die beiden Rückenlehnen lassen sich unabhängig voneinander verstellen, die Sitzfläche bewegt sich jedoch als Einheit vor und zurück. Tesla erklärte, dass persönliche Einstellungen automatisch auf das Fahrzeug übertragen werden, sobald es eintrifft - basierend auf den Präferenzen früherer Fahrten. Dazu gehören die Innenraumtemperatur sowie sämtliche Konten für Streamingdienste. Nach Fahrtende werden diese Einstellungen aus dem Fahrzeug gelöscht. Außerdem ist Grok integriert, sodass Fahrgäste dem KI-Assistenten Fragen stellen und natürlich klingende Antworten erhalten können.
Im Innenraum verfügt das Cybercab über eine auf die Kabine gerichtete Kamera und ein Kabinenradar. Die Kamera prüft das Fahrzeug zwischen den Fahrten auf Sauberkeit und vergessene Gegenstände, während das Radar Insassen erkennt, um die Auslösung der Airbags zu steuern. An Bord sind Frontairbags, Knieairbags, sitzintegrierte Seitenairbags, innere sitzintegrierte Airbags sowie Kopfairbags. Auch USB-C-Ladeanschlüsse sind vorhanden.
Für die fahrerlose Navigation setzt das zweitürige Elektroauto ausschließlich auf Kameras. Insgesamt übernehmen acht Außenkameras die Arbeit: eine vorn, eine hinten, je eine in den Türsäulen, zwei oben an der Windschutzscheibe sowie je eine in den vorderen Kotflügeln.
Technische Daten: leichter und effizienter als bisherige Tesla-Modelle
Was die technischen Daten betrifft, ist das Cybercab laut Eric Earley, leitender Ingenieur des Fahrzeugs, das leichteste und effizienteste Auto, das Tesla je gebaut hat. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt demnach bei unter 0,2. Bei der US-Umweltbehörde EPA eingereichte Unterlagen zeigen, dass das Einstiegsmodell von einem vorn montierten Elektromotor mit 163 kW angetrieben wird. Die Energie liefert ein 48-kWh-Akkupaket. Das Leergewicht des Fahrzeugs beträgt lediglich 1.412 Kilogramm und liegt damit rund 318 Kilogramm unter dem derzeit leichtesten verfügbaren Model 3.
Das Cybercab besitzt keine konventionellen hydraulischen Bremsen. Stattdessen betätigen elektrische Aktuatoren die Bremssättel. Die Außenhaut des Cybercab ist unlackiert. Die Farbe wird bereits beim Formen im Werk in das Material eingebracht. Das senkt Kosten und Komplexität, weil keine separate Lackierkabine erforderlich ist.








