555 PS im Renault 5 Turbo 3E, sogar 816 PS im Peugeot E-T16. Auf dem Pariser Autosalon 2026 zeigen die beiden französischen Hersteller, wie weit sich die Idee eines sportlichen Kleinwagens treiben lässt.
Beide setzen auf Elektroantrieb, extreme Karosserien und aufwendige Technik. Beide erinnern an legendäre Rallyeautos der 1980er-Jahre. Doch während Renault tatsächlich eine Kleinserie plant, bleibt der Peugeot vorerst ein spektakuläres Einzelstück.
Bilder von: Motor1.com Deutschland | C. Otto
Dabei fällt auf, wie ähnlich die Grundidee und wie unterschiedlich ihre Umsetzung ausfällt. Renault setzt auf Hinterradantrieb, zwei Radnabenmotoren und eine konsequente Leichtbaukonstruktion. Peugeot kontert mit drei Elektromotoren, Allradantrieb und einer Leistung, die den Renault um satte 261 PS übertrifft. Das sind nicht einfach zwei besonders sportliche Ableger gewöhnlicher Elektro-Kleinwagen. Beide Hersteller haben weitgehend eigenständige Fahrzeuge entwickelt.
Schon die Proportionen machen deutlich, welchen Aufwand sie dafür betreiben. Der Renault ist mit 4,08 Metern zwar noch relativ kurz, mit 2,03 Metern aber ausgesprochen breit. Beim Peugeot dominieren ebenfalls gewaltige Kotflügel, große Lufteinlässe und ein mächtiger Heckflügel. Die Gestaltung folgt jeweils einem historischen Vorbild, das bereits vor vier Jahrzehnten mit den Konventionen des Kleinwagenbaus brach.
555 gegen 816 PS: Zwei Wege zu extremer Leistung
Technisch ist der Renault 5 Turbo 3E besonders interessant. Seine beiden Elektromotoren sitzen unmittelbar in den Hinterrädern und leisten zusammen 408 kW beziehungsweise 555 PS. Eine klassische Kraftübertragung mit Differential und Antriebswellen ist damit überflüssig. Stattdessen lässt sich jedes Hinterrad individuell ansteuern, was eine sehr präzise elektronische Momentenverteilung ermöglicht.
Peugeot wählt für den E-T16 eine andere Konstruktion. Hier arbeitet ein Elektromotor an der Vorderachse, während zwei weitere die Hinterräder antreiben. Die Gesamtleistung beträgt 600 kW oder 816 PS. Auch Peugeot kann das Antriebsmoment zwischen den beiden Hinterrädern individuell verteilen, zusätzlich lässt sich die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse variieren.
Während Renault den Turbo 3E bewusst auf Agilität und kontrollierbares Übersteuern auslegt, setzt Peugeot mit seinem Allradkonzept auf maximale Traktion und möglichst hohe Fahrleistungen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Peugeot fahrdynamisch überlegen wäre. Es zeigt vielmehr, wie unterschiedlich sich elektrische Antriebe für zwei ausgesprochen sportliche Fahrzeuge nutzen lassen.
Die Beschleunigungswerte sprechen zunächst eindeutig für den Peugeot. Er soll in 2,5 Sekunden Tempo 100 erreichen und nach gerade einmal 16 Sekunden bereits 300 km/h fahren. Renault nennt für den Sprint auf 100 weniger als 3,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Allerdings haben diese Angaben eine unterschiedliche Aussagekraft. Während Renault bereits fahrfähige Entwicklungsfahrzeuge präsentiert hat, stammen die Leistungsversprechen des Peugeot bislang aus der technischen Beschreibung einer Konzeptstudie.
| Daten | Renault 5 Turbo 3E | Peugeot E-T16 Concept |
| Motor | 2 Elektromotoren in den Hinterrädern | 3 Elektromotoren (1 vorne, 2 hinten) |
| Leistung | 555 PS (400 kW) | 816 PS (600 kW) |
| Drehmoment | 4.800 Nm an den Rädern | Keine Angabe |
| Antrieb | Hinterradantrieb | Allradantrieb |
| 0-100 km/h | Unter 3,5 Sekunden | 2,5 Sekunden |
| 0-300 km/h | Keine Angabe | 16 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 270 km/h | Keine Angabe |
| Batteriekapazität | 70 kWh | 85 kWh |
| Bordnetzspannung | 800 Volt | 800 Volt |
| Max. DC-Ladeleistung | 350 kW | Keine Angabe |
| DC-Ladezeit | 15-80 % in ca. 15 Minuten | 10-80 % in unter 15 Minuten |
| Reichweite (WLTP) | Über 400 km (vorläufig) | Bis zu 400 km (Konzeptangabe) |
| Leergewicht | Ca. 1.450 kg (Zielwert) | Keine Angabe |
| Leistungsgewicht | Ca. 2,6 kg/PS | Unter 2,0 kg/PS (Herstellerangabe) |
| Serienstatus | 1.980 Exemplare geplant | Konzeptstudie, keine Serie angekündigt |
| Marktstart | 2027 geplant | Nicht angekündigt |
| Preis | Ab 160.000 Euro (vorläufig) | Keine Angabe |
Leichtbau gegen maximale Leistungsfähigkeit
Auch bei der Fahrzeugkonstruktion zeigen sich Unterschiede. Renault hat unter Federführung von Alpine eine eigene Aluminiumplattform mit Carbon-Komponenten entwickelt. Die Karosserie besteht aus einem besonders leichten Verbundwerkstoff. Das Zielgewicht liegt bei rund 1.450 Kilogramm, was angesichts der Leistung und des elektrischen Antriebs bemerkenswert wäre.
Peugeot nennt für den E-T16 bislang kein konkretes Leergewicht, verspricht allerdings ein Leistungsgewicht von weniger als zwei Kilogramm pro PS. Bei 816 PS ergibt das rechnerisch eine Masse von unter 1.632 Kilogramm. Damit könnte der stärkere Peugeot trotz seiner zusätzlichen Antriebstechnik in einer ähnlichen Gewichtsklasse wie der Renault landen. Ob dieser Wert bei einem tatsächlich fahrfähigen Fahrzeug erreicht wird, bleibt allerdings offen.
Beide Konzepte dürften fahrdynamisch anspruchsvoll sein. Beim Renault interessiert vor allem, wie sich die direkt in den Rädern untergebrachten Elektromotoren auswirken. Diese Konstruktion erhöht grundsätzlich die ungefederten Massen, was besondere Anforderungen an die Fahrwerksabstimmung stellt. Peugeot muss dagegen die beträchtliche Leistung seiner drei Motoren und die damit verbundenen thermischen Belastungen beherrschen.
Entsprechend aufwendig fällt die Fahrwerkstechnik aus. Renault verwendet Doppelquerlenker und eine speziell abgestimmte Fahrdynamikregelung. Peugeot kombiniert seine breite Spur mit 275 Millimeter breiten Vorderreifen und 315er-Pneus an der Hinterachse. Dazu kommen Bremsscheiben mit 380 Millimetern Durchmesser rundum.
70 gegen 85 kWh: Auch die Batterien müssen einiges leisten
Bei der elektrischen Architektur herrscht dagegen weitgehend Einigkeit. Beide Fahrzeuge verwenden ein 800-Volt-System, das hohe Ladeleistungen ermöglicht. Renault verbaut eine Batterie mit 70 kWh nutzbarer Kapazität, Peugeot setzt auf 85 kWh. Trotz des deutlichen Unterschieds bei Leistung und Batteriegröße versprechen beide Hersteller Reichweiten um 400 Kilometer.
Renault gibt für den Turbo 3E inzwischen eine maximale DC-Ladeleistung von 350 kW an. Damit soll die Batterie innerhalb von 15 Minuten von 15 auf 80 Prozent geladen werden können. Peugeot nennt keine maximale Ladeleistung, verspricht aber einen Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in weniger als 15 Minuten.
Beim Peugeot kommt eine spezielle Batteriekühlung hinzu. Die sogenannte Side-Cooling-Technologie führt die Wärme über die Seitenflächen der Zellen ab. Das soll bei anhaltend hoher Belastung verhindern, dass die Elektronik die Leistung reduziert. Laut Peugeot kann der E-T16 deshalb drei Runden auf der Nürburgring-Nordschleife absolvieren, ohne dass die Motorleistung zurückgenommen werden muss.
Ein bemerkenswerter Anspruch, den der Hersteller bislang allerdings nicht durch unabhängig nachvollziehbare Testdaten belegt. Beim Renault ist der Entwicklungsstand greifbarer. Der Turbo 3E hat bereits öffentliche Demonstrationsfahrten auf Korsika und beim Goodwood Festival of Speed absolviert. Wie ausdauernd er sich bei sportlicher Fahrweise tatsächlich zeigt, muss sich dennoch erst erweisen.
Breite Schultern und jede Menge Rallye-Anleihen
Auch gestalterisch verfolgen die beiden Franzosen unterschiedliche Ansätze. Renault bleibt vergleichsweise eng an den charakteristischen Proportionen des ursprünglichen R5 Turbo. Die kantige Grundform, die enorm verbreiterten hinteren Kotflügel und die markanten Lufteinlässe lassen keinen Zweifel an der Herkunft. Gleichzeitig verleihen moderne Leuchten und aerodynamische Details dem Turbo 3E einen eigenständigen Auftritt.
Peugeot interpretiert seine historische Vorlage deutlich freier. Der E-T16 kombiniert die extreme Breite und die charakteristischen Proportionen des 205 Turbo 16 mit der zukünftigen Designsprache der Marke. Besonders auffällig sind die neue Drei-Krallen-Lichtsignatur, die rot beleuchtete Karosserielinie und das gewaltige Heck. Letzteres lässt sich wie beim historischen Rallyeauto komplett aufklappen und gibt den Blick auf die Antriebstechnik frei.
Auch innen unterscheiden sich die Konzepte. Renault setzt auf ein fahrerorientiertes Cockpit mit digitaler Instrumentierung und zahlreichen motorsporttypischen Bedienelementen. Peugeot zeigt dagegen eine deutlich futuristischere Lösung mit seinem Hypersquare-Lenkrad, elektronischer Lenkung und einem großen Panoramadisplay. Eine ähnliche Lenktechnik soll später auch im kommenden E-208 eingesetzt werden.
Ein entscheidender Unterschied: Renault meint es ernst
So spektakulär der Peugeot E-T16 auch ausfällt, bislang ist er lediglich eine Konzeptstudie. Eine Serienfertigung hat Peugeot nicht angekündigt. Fest steht nur, dass sich viele der optischen Elemente am kommenden 208 und 208 e-GTI wiederfinden werden.
Unklar bleibt zudem, wie weit die Entwicklung der beschriebenen Antriebstechnik tatsächlich fortgeschritten ist. Konkrete Leistungswerte und ambitionierte Nürburgring-Versprechen ersetzen schließlich keine nachgewiesenen Fahrleistungen eines seriennahen Prototyps.
Renault ist dagegen bereits erheblich weiter. Die Entwicklung des Turbo 3E läuft seit mehreren Jahren, fahrfähige Prototypen existieren und die Homologation wird vorbereitet. Insgesamt sollen 1.980 Fahrzeuge entstehen, eine Anspielung auf das Erscheinungsjahr des historischen Renault 5 Turbo. Erste Auslieferungen sind für 2027 vorgesehen.
Der vorläufige Preis beginnt bei rund 160.000 Euro. Dazu kommen umfangreiche Möglichkeiten zur Individualisierung, einschließlich historischer Rallye-Lackierungen. Reservierungen sind bereits möglich, auch wenn Renault ausdrücklich darauf hinweist, dass der Turbo 3E noch nicht für den deutschen Markt homologiert ist und offiziell noch nicht zum Verkauf angeboten wird.
Damit verschieben sich die Verhältnisse gegenüber dem reinen Datenblatt erheblich. Peugeot präsentiert zwar das leistungsstärkere Fahrzeug, Renault geht jedoch das größere wirtschaftliche Risiko ein. Ein eigenständig entwickelter elektrischer Sportwagen mit spezieller Plattform und aufwendiger Antriebstechnik, der in nicht einmal 2.000 Exemplaren gebaut werden soll, ist auch bei einem sechsstelligen Verkaufspreis ein bemerkenswertes Vorhaben.
Zwei kleine Autos, die Rallyegeschichte schrieben
Dass ausgerechnet Renault und Peugeot heute wieder mit solchen Konstruktionen experimentieren, hat historische Gründe. In den 1980er-Jahren sorgten beide Hersteller mit extremen Kleinwagen für Aufsehen, deren technische Verwandtschaft zu den gewöhnlichen Serienmodellen ziemlich überschaubar war.
Renault machte 1980 den Anfang. Der ursprüngliche Renault 5 Turbo besaß einen aufgeladenen 1,4-Liter-Vierzylinder hinter den Vordersitzen, der zunächst 160 PS leistete. Statt der Vorderräder trieb er ausschließlich die Hinterachse an. Damit unterschied sich das Fahrzeug grundlegend vom normalen Renault 5. Spätere Rallyeversionen wurden erheblich leistungsstärker und feierten unter anderem mit Jean Ragnotti bedeutende Erfolge.
Peugeot entwickelte seinen 205 Turbo 16 einige Jahre später gezielt für die Gruppe B. Auch hier wanderte der Motor hinter die Vordersitze, allerdings kombinierte Peugeot ihn mit einem Allradantrieb. Für die Homologation entstanden 200 Straßenfahrzeuge. Die Rallyeversionen dominierten anschließend die Weltmeisterschaft und gewannen 1985 und 1986 jeweils die Fahrer- und Herstellerwertung.
Die beiden historischen Modelle waren keine unmittelbaren Rivalen auf Augenhöhe über einen längeren Zeitraum. Der Renault entstammte einer früheren Generation, während Peugeot mit seinem Allradkonzept die Entwicklung der Gruppe-B-Fahrzeuge entscheidend vorantrieb.
Umso interessanter ist, dass beide Hersteller ihre damalige technische Philosophie heute wieder aufgreifen. Der Renault 5 Turbo 3E bleibt ein kompromissloser Hecktriebler, während der Peugeot E-T16 mit Allradantrieb und deutlich höherer Leistung antritt. Die verwendete Technik ist vollkommen anders, die grundsätzlichen Konzepte sind jedoch erstaunlich vertraut.
Frankreich entdeckt seine Vergangenheit wieder
Die beiden Elektroboliden passen außerdem in einen größeren Trend. Renault hat mit dem neuen R5 bereits gezeigt, wie erfolgreich die zeitgemäße Neuinterpretation eines historischen Modells sein kann. Der R4 folgt einem ähnlichen Ansatz, auch der neue Twingo orientiert sich gestalterisch stark an seinem Vorgänger.
Bei Stellantis zeichnet sich eine vergleichbare Entwicklung ab. Citroën präsentiert in Paris eine moderne Interpretation des 2CV, aus der bis 2028 ein erschwingliches Elektroauto für rund 15.000 Euro hervorgehen soll. Peugeot nutzt mit dem E-T16 ebenfalls einen berühmten Namen der eigenen Geschichte, verbindet ihn allerdings zunächst ausschließlich mit einer spektakulären Studie.
Dabei wäre gerade eine moderne Interpretation des 205 Turbo 16 ein interessantes Aushängeschild für Peugeot. Die Marke besitzt schließlich eine reiche Sportwagentradition, die in der aktuellen Modellpalette nur noch begrenzt sichtbar wird. Ob der E-T16 mehr als ein Design- und Technologieträger bleibt, muss sich zeigen.
Renault ist diesen Schritt bereits gegangen. Der Turbo 3E soll 2027 tatsächlich zu seinen ersten Kunden kommen. Und ausgerechnet das dürfte bei allen spektakulären Leistungsangaben der wichtigste Unterschied zwischen diesen beiden französischen Sportwagen sein.








