MGS6 EV: Neues Mittelklasse-SUV mit bis zu 529 km Reichweite

Konkurrent von Skoda Enyaq und Tesla Model Y soll demnächst auch in Deutschland starten.

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Mit fast 2.000 Stück verkaufte sich der kompakte MGS5 EV letztes Jahr gut in Deutschland. Nun folgt der große Bruder MGS6 EV. Im Vereinigten Königreich ist das neue Elektro-SUV schon seit November bestellbar, nun wird es in Spanien und in Deutschland eingeführt. Deshalb haben wir uns über den Wagen informiert.

Zunächst zu den Maßen. Mit 4,71 Meter ist das neue Modell 23 cm länger als der MGS5 und hat etwa die Größe des Skoda Enyaq. MG ordnet es in die Kompaktklasse ein, wir würden es in der Mittelklasse verorten. Als technische Basis dient die Modular Scalable Platform (MSP), die auch den MGS5 EV, MG4 Electric und den Cyberster trägt. Die Plattform scheint aber von den Maßen her flexibel zu sein:  

  Länge Breite Höhe Radstand
MGS6 EV 4.708 mm 1.912 mm 1.672 mm 2.836 mm
MGS5 EV 4.476 mm 1.849 mm 1.621 mm 2.730 mm
MG4 Electric 4.287 mm 1.836 mm 1.504 mm 2.705 mm
MG Cyberster 4.535 mm 1.913 mm 1.329 mm 2.690 mm

Die Optik ist ähnlich wie beim MGS5 EV: Das Auto wirkt mit seinem schlichten Design und Bügelgriffen eher konventionell als avantgardistisch; uns erinnert die Optik ein wenig an einen leicht aufgeblasenen Kombi, was keine Wertung sein soll. Die großen Lufteinlässe vorne und der Diffusor am Heck geben dem Ganzen aber eine sportliche Note. Die Front erinnert an den MG4 Electric, bei der Rückleuchten-Leiste müssen wir an Mercedes und Smart denken. Der MGS6 rollt wahlweise auf 19 oder 20 Zoll großen Alurädern.

MGS6 EV (2026) als Rechtslenker

Als Energiespeicher dient stets ein Akku mit 74 kWh netto, der nur 11 cm hoch sein soll. Wählen kann man zwischen einem 180 kW starken Hecktriebler und einem Allradler, bei dem noch ein 119 kW starkes Aggregat vorne hinzukommt. Die Systemleistung wird jedoch auf 266 kW begrenzt (statt 180 + 119 = 299 kW). Der Allradantrieb schaltet sich laut MG bei unzureichender Traktion automatisch zu. Da es sich bei beiden Motoren um Synchronmotoren handelt, gibt es vermutlich eine mechanische Kupplung, welche die Vorderachse ab- und zuschaltet.

Der Akku ist etwas kleiner als beim Skoda Enyaq, die Antriebe von der Leistung sind in etwa vergleichbar mit dem Enyaq 85 bzw. RS, die Verbräuche jedoch etwas höher. So ergibt sich eine Reichweite von maximal 529 km - der Skoda schafft etwa 50 km mehr.

  MGS6 Long Range MGS6 Dual Motor
Antrieb RWD 180 kW, 350 Nm AWD 266 kW, 540 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigk. 7,3 Sek. / 200 km/h 5,1 Sek. / 200 km/h
WLTP-Verbrauch 16,6 kWh 18,1 kWh
Akku brutto/netto 77,0 / 74,3 kWh NMC 77,0 / 74,3 kWh NMC
WLTP-Reichweite 529 km 484 km

Beim Aufladen ist der MGS6 deutlich langsamer als der Skoda. Während beim Enyaq 26 bzw. 28 min für die Ladedauer angegeben werden, sind es bei MG gleich 38 min. Wie immer haben wir daraus die Ladegeschwindigkeit errechnet. Beim Hecktriebler ergeben sich 74,3 kWh x 0,7 / 38 min = 1,4 kWh/min, womit er deutlich schlechter liegt als der Enyaq 85 (1,9 kWh/min). Auch beim Reichweite-Nachladen hinkt der MG hinterher, hier ergeben sich 529 km x 0,7 / 38 min = 9,7 km/min, beim Skoda 85 sind es rund 14 km/min.   

  MGS6 Long Range MGS6 Dual Motor
DC-Ladedauer 10-80% 38 min 38 min
Ladegeschwindigkeit 1,4 kWh/min 1,4 kWh/min
Reichweite-Nachladen 9,7 km/min 8,9 km/min

Der MGS6 bietet fünf Fahrmodi mit fünf Rekuperationsmodi, darunter einer für das One-Pedal-Driving. Über Lenkradpaddles oder eine Taste zum Umschalten verfügt das Auto aber den Bildern nach nicht - vermutlich muss man zum Wechseln den Touchscreen bemühen.

Im Cockpit gibt es serienmäßig ein 10,3-Zoll-Instrumentendisplay und einen 12,8-Zoll-Touchscreen - das entspricht der Ausstattung des MGS5. Auch das Design ist ähnlich, allerdings ist die hohe Mittelkonsole hier bis zum Armaturenbrett hinaufgezogen, und der frei stehende Touchscreen scheint etwas tiefer eingebaut zu sein. An physischen Einstellknöpfen scheint bei beiden Modellen kein Mangel zu sein, auch die Außenspiegel werden über eine Vier-Wege-Wippe eingestellt:

Der Kofferraum bietet ein Volumen von 674 bis 1.910 Litern. Das ist spürbar mehr, als der Enyaq bietet (585-1.710 Liter). Das Ladeabteil scheint den Bildern nach auch gut nutzbar zu sein. Außerdem gibt es einen Frunk, der beim Hecktriebler 124 Liter, beim Allradmodell 102 Liter fasst.

Bilder von: MG

Im Vereinigten Königreich wird der Hecktriebler in den Ausstattungen SE und Trophy angeboten, der Allradler hat stets die Trophy-Ausrüstung. Letztere bietet zusätzlich ein Head-up-Display, Sitzheizung und Sitzbelüftung, ein Panorama-Schiebedach sowie ein Audiosystem mit elf Lautsprechern. Alle Modelle verfügen über MacPherson-Federbeine vorn und eine Mehrlenker-Hinterachse.

Die Preise in Großbritannien beginnen bei 37.995 Pfund, was etwa 44.000 Euro entspricht, die gehobene Trophy-Version kostet 40.995 Pfund und der Dual Motor Trophy 43.995 Pfund. In Spanien wird nur eine gehobene Ausstattung offeriert, die das Schiebedach und elektrisch einstellbare Vordersitze und noch einiges mehr umfasst. Für den Hecktriebler werden dort nach Angaben von Motor.es 45.348 Euro verlangt, für den Allradler 48.348 Euro. Zu den deutschen Preisen und Ausstattungen gibt es noch keine Angaben, aber man wird wohl mit einem Einstiegspreis von rund 44.000 bis 45.000 Euro rechnen müssen. Den Skoda Enyaq 85 gibt es erst ab 48.900 Euro. 

Unter dem Strich

Der neue MGS6 EV scheint ein recht vernünftiges Elektroauto zu sein. Die Optik ist für uns okay, wenn auch ein wenig langweilig. Was die Technik angeht, so lädt das Auto offenbar recht langsam. Der Einstiegspreis von voraussichtlich etwa 44.000 bis 45.000 Euro geht in Ordnung, ein Schnäppchen ist das Modell damit aber noch nicht - schließlich gibt es ein Tesla Model Y RWD mit ähnlicher Reichweite, aber mehr Antriebsleistung schon für 40.000 Euro.

Autocar lobte in seinem Test jedoch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, die ordentliche Reichweite und die physischen Bedienelemente im Cockpit. Auf Kritik stießen die träge reagierende Rückfahrkamera, die teilweise nicht zusammenpassenden Schriftarten am Touchscreen sowie die zu komplexen Assistenzsysteme. Der Kollege empfiehlt den Hecktriebler, weil er angeblich ruhiger fährt und deutlich sparsamer ist. Bei unserem Test im März werden wir uns ein eigenes Urteil bilden. 

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Autor: Stefan Leichsenring