VinFast hat es bislang zweifellos schwer gehabt. Die vietnamesische Marke ist das Projekt von Pham Nhat Vuong, Vietnams reichstem Mann und Eigentümer der VinGroup, des größten Privatkonzerns des Landes. Von Einzelhandelsgeschäften über Einkaufszentren bis hin zu Immobilien - und sogar einer Reihe privater Schulen sowie einer Universität - dominiert VinGroup weite Teile der vietnamesischen Wirtschaft.
Diese Dominanz sollte sich eigentlich auch auf den heimischen Automarkt und in der Folge auf den Weltmarkt übertragen. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Die Autosparte der Marke steckt immer wieder in der Kritik, während sie sich zugleich außerhalb Vietnams schwer damit tut, ihre Elektro-Modelle in nennenswerten Stückzahlen zu verkaufen. In Deutschland etwa wurden 2025 insgesamt nur 284 Neuzulassungen registriert.
Gestern kündigte das Unternehmen an, sich neu auszurichten und die Ziele zu schärfen. Die Aktivitäten werden offiziell in drei Bereiche aufgeteilt. Erstens die massenmarktorientierte, auf Privatkunden ausgerichtete VinFast-VF-Baureihe, die wir von Modellen wie VF6 und VF8 kennen. Zweitens die "Green"-Modelle wie Herio Green und Minio Green, die sich an Flottenkunden richten. Die größte Nachricht im wahrsten Wortsinne ist jedoch eine neue Luxuslinie: Lac Hong.
VinFast sagt, Lac Hong solle von Vietnams kulturellem Erbe inspiriert sein und zugleich "Mut, Intellekt und Größe der Nation" verkörpern. Der Start erfolgt mit zwei Modellen, dem 800 S und dem 900 S, die beide die bereits Mitte 2025 still und leise vorgestellte, auf dem VF9 basierende Variante 900 LX ergänzen.
Ich persönlich finde, dass 900 S und 800 S großartig aussehen. Die flache, langgestreckte Silhouette des 900 S erinnert von den Proportionen her fast an Mercedes-Maybach; dazu wirken die pseudo-monoblockartigen Räder und das insgesamt eher zurückhaltende Chromelemente sehr edel. Der 800 S ist für meinen Geschmack etwas weniger spannend, weil Form und Proportionen an den BMW iX erinnern - und der gilt nun nicht gerade als Design-Ikone.
Beide Fahrzeuge tragen große Kühlergrills mit vertikalen Streben, die Bambus symbolisieren sollen. Am Heck laufen die Rückleuchten jeweils bis etwa zur Mitte der Heckklappe zusammen - das soll Assoziationen zum mythologischen Lac-Vogel Vietnams wecken. VinFast spricht zudem von zahlreichen Designzitaten, die auf zentrale Elemente der vietnamesischen Kultur anspielen, etwa die Dong-Son-Bronzetrommel oder Reisfelder.
Im Innenraum setzen beide Modelle auf Nappaleder, Echtholz-Zierelemente und vergoldete Akzente. Die Limousine 900 S kann optional mit einer Trennwand inklusive großem TV bestellt werden.
Technisch hält sich VinFast zu den beiden Elektroautos bislang bedeckt - abgesehen von einem Dreimotoren-Antrieb mit 617 PS (rund 454 kW). Welche Batteriekapazität zum Einsatz kommt, ist ebenso unklar wie mögliche Ladezeiten oder Reichweitenangaben.
Auf dem Papier wirkt es so, als wolle VinFast damit gezielt importierten, nicht-vietnamesischen Luxusmarken Paroli bieten - insbesondere solchen aus China. Aufgrund geopolitischer Spannungen und hoher Zölle sind chinesische Marken in Vietnam bislang weitgehend nicht präsent, in weiten Teilen Südostasiens sind sie jedoch deutlich spürbar. Fahrzeuge wie der Maextro S800 oder der Denza Z9 sollen zeigen, dass China technologisch fortschrittliche und hochwertig verarbeitete Luxusautos bauen kann.
Ich würde darauf wetten, dass Lac Hong genau das ebenfalls leisten soll. Vorerst gehe ich davon aus, dass sich diese Limousinen vor allem an wohlhabende vietnamesische Käufer richten, die ein heimisches Luxusauto suchen.
Sowohl 800 S als auch 900 S sollen in Vietnam bis 2027 in den Verkauf gehen. Ob sie auch anderswo auftauchen, bleibt abzuwarten.








