Audi RS 3 Competition Limited (2026) im Test: Gut angelegte 100.680 Euro?

Sündteure Upgrades wie das Gewindefahrwerk verändern das Auto komplett - aber ist das wirklich so gut?

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Ist das hier das letzte große Hurra für den Audi RS 3, wie wir ihn kennen? Es gibt gute Gründe, das zu vermuten. Wir reden hier von einem limitierten Sondermodell mit ellenlangem Namen, sehr viel exklusivem Ausstattungsgedöns und einem ziemlich unchristlichen Preisschild. Und wir wissen, dass die Tage des wundervollen 2,5-Liter-Fünfzylinders gezählt sind. Oder etwa doch nicht?

Nun, wie auch immer es beim kompakten Hooligan aus Ingolstadt weitergeht, der neue RS 3 Competition Limited ist zweifelsfrei die Speerspitze der aktuellen Generation. Etwas Markanteres und Teureres mit einem RS 3-Wapperl auf dem Kofferraumdeckel hat es bisher noch nicht gegeben. 

Audi RS 3 competition limited (2026) im Test

Dass der Basispreis sechsstellig ist, dürfte die Hardcore-Fans und Sammler kaum stören. Das ist irgendwie irritierend, auf der anderen Seite: So wird es einen RS 3 sicher nicht mehr geben. Aus unserer Warte spielt all das natürlich keine Rolle. Unser Job ist es, Ihnen zu erzählen, ob es blanker Wahnsinn ist, gut 34.000 Euro mehr zu bezahlen als für einen Standard-RS 3. Oder erwirbt man hier am Ende doch ein ganz besonderes Auto, das die horrende Kohle tatsächlich wert ist?


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Abmessungen/Design | Innenraum/Kofferraum/Infotainment | Antrieb/Fahrverhalten | Fazit


Was ist das?

750 Einheiten des Audi RS 3 Competition Limited wird es weltweit geben - aufgeteilt in 585 RS 3 Sportback und 165 RS 3 Limousinen. Deutschland bekommt 187 Autos, 158 davon sind Sportbacks. Um die 100.680 Euro (beziehungsweise 102.680 Euro für die Limo) halbwegs plausibel verargumentieren zu können, wäre es wünschenswert, dass SEHR VIEL passiert ist.

Glücklicherweise können wir Entwarnung geben. Der Competition Limited schmückt sich schon mit einer ordentlichen Menge neuer, bunter und aufregender Federn, die man in der Preisliste eines normalen RS 3 nicht finden wird. 

Audi RS 3 competition limited Limousine (2026) im Test

Wenn Sie ganz genau wissen wollen, was denn nun alles anders ist, dann darf ich Sie freundlich auf diesen Artikel aufmerksam machen. Damit können wir uns hier aufs Wesentliche konzentrieren: Wie fährt der Teuer-Hot Hatch und ist er das erkleckliche Sümmchen wert?

Also hier in aller Kürze die wesentlichen Änderungen: Den größten Fahrdynamik-Unterschied macht sicher das mit KW Automotive entwickelte Gewindefahrwerk, das von außen vielfach verstellbar ist. An der Hinterachse kommt ein dickerer, steiferer Rohrstabilisator zum Einsatz, außerdem erhöht man die Federrate hinten. An der Vorderachse ist die Keramikbremse mit roten Bremssätteln Serie.

Bilder von: Audi

Und weil die Vier Ringe mit dem neuen Super-RS 3 auch 50 Jahre Audi-Fünfzylinder feiern, macht es Sinn, dass man den Jubilar akustisch in Partylaune bringt. Er intoniert ja ohnehin schon sehr betörend, mit der Entfernung von vier Kilo Stirnwand-Dämmung (also zwischen Motor und Fußraum) darf er nun noch etwas befreiter aufträllern - auch weil die Auspuffklappen in den sportlichsten Modi hier früher öffnen. 

Technische Daten  Audi RS 3 Sportback Competition Limited
Motor Fünfzylinder-Turbo; 2.480 ccm
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung
Antrieb Allradantrieb
Leistung (294 kW) 400 PS bei 5.600 - 7.000 U/min
Drehmoment 500 Nm bei 2.250 - 5.600 U/min
0-100 km/h 3,8 s
Höchstgeschwindigkeit 290 km/h (abgeregelt)
Gewicht inkl. Fahrer 1.640 kg
Verbrauch 9,3 - 9,6 Liter
Basispreis 100.680 Euro

Abmessungen/Design

An der Karosserie sehen Sie ein paar neue Spoiler, Frontflicks und Spiegel aus Mattcarbon, außerdem wird Ihnen aufgefallen sein, dass der Sportback sehr grün ist. Das neue Malachitgrün als Reminiszenz an den Sport Quattro von 1984 gibt es nur hier. Genauso wie das äußerst güldene Räderwerk in 19 Zoll. Weitere Farben sind Daytonagrau und Gletscherweiß matt.

Innenraum/Kofferraum/Infotainment

Innen lockt das Sondermodell mit den hervorragenden Carbon-Schalensitzen in einem exklusiven Farbton, den ich nicht reinigen wollen würde. Wie das wohl nach ein paar Jahren aussieht - hmmm ... schwierig. Des Weiteren gibt es farbige Sitzgurte, ein Alcantara-Lenkrad und eine Plakette auf der Mittelkonsole, die Sie nicht vergessen lässt, warum Sie so verflucht viel Geld ausgegeben haben.

Funktional hat sich im Vergleich zum normalen RS 3 nichts Gravierendes geändert. Das ansonsten aufpreispflichtige Carbon-Gestühl ist schwer zu schlagen. Besser kann man einen sportlichen Sitz kaum bauen. Sitzposition und Halt sind hervorragend. Zudem wird ein Langstreckenkomfort geboten, den man sonst bei dieser Kategorie Sitz eher nicht findet. 

Bilder von: Audi

Die jüngste Umstellung auf neue Knöpfe und Walzen am Lenkrad kann man nur begrüßen. An der Bedienung des Infotainments gab es auch bisher schon bei sämtlichen A3s wenig zu meckern. Die weißen "Tachoskalen" im Instrumentendisplay sind eine Reminiszenz an den Avant RS2 von 1994 und eine nette Spielerei. Die Qualitätsanmutung ist hervorragend. Der RS 3 hat inzwischen fünf Jahre auf dem Buckel, da ging Audi mit dem Rotstift noch deutlich subtiler um als aktuell.  

Antrieb/Fahrverhalten

Die wichtigste Erkenntnis erfühlt das eigene Popometer relativ zügig. Der RS 3 Competition Limited fühlt sich doch deutlich anders an als ein RS 3 "von der Stange". Aber Moment mal - will ich das denn überhaupt? Schließlich ist besagter Standard-RS 3 ja ein ganz und gar vortreffliches Gefährt.

Das ist er zweifelsfrei, doch wenn du sechsstellige Preise für eine Sonderedition aufrufst, dann musst du der Kundschaft mehr bieten als ein paar schicke Farbtöne, Polster und Carbon-Anbauteile. Die Audi Sport-Ingenieure haben das verinnerlicht und sich ganz offensichtlich dazu entschieden, ein Auto zu bauen, dass fahrdynamisch wesentlich stärker polarisiert.

Dem Gewindefahrwerk kommt bei der Verwandlung die tragende Rolle zu. Wir bekommen mehr Negativ-Sturz an der Vorderachse, der sich durch die Tieferlegung von mindestens 10 Millimeter nochmal ein wenig verstärkt. Selbst im ab Werk voreingestellten Straßen-Setup und mit der beim Testwagen verbauten Standard-Bereifung (gegen Aufpreis sind auch extreme Pirelli Trofeo R-Pneus zu haben) zeigt sich dieser RS 3 spürbar radikaler und charakterstärker. 

Bilder von: Audi

Die Lenkung erweist sich als wesentlich schwergängiger und gefühlsechter, vermittelt alle Geschehnisse ungefilterter. Hier wurde sehr gute Arbeit geleistet. Zudem werden Sie schnell erkennen, dass das Auto einen ziemlichen Spurrillen-Hunger entwickelt hat. Es läuft Unebenheiten in der Fahrbahn deutlich nach. Die Lenkung zappelt also recht umtriebig in den Handballen, man muss sie schon immer ein bisschen bändigen. Das hat einen gewissen Alte-Schule-Fronttriebler-mit-zu-viel-Dampf-Vibe und verleiht dem Wagen einen dicken Schuss Charisma und Attitüde. 

Obendrein - so ehrlich muss man schon sein - ist der Schraubfahrwerk-RS 3 ein ziemlich harter Hund. Auf der Autobahn oder einer sauber planierten Landstraße geht das alles noch in Ordnung. Doch wenn man auf einer kurvenreichen Bergstraße unterwegs ist, die nicht ganz so gut in Schuss ist (und ich hoffe mal, die späteren Eigentümer des Competition Limited werden viel auf eben solchen fahren), dann zeigt einem der Wagen schon sehr genau, welche Plomben nicht mehr ganz so fest sitzen. Da sind durchaus Nehmerqualitäten gefragt. 

Dieses kompromisslosere und unbequemere Fahrverhalten wird ganz sicher nicht jeder mögen. Für diejenigen, die ein extremeres, etwas wilderes Fahrzeug wollen, bei dem man mehr spürt, mehr am unmittelbaren Geschehen teilhat, ist der neueste RS 3 aber eine Offenbarung. 

Zumal der Wagen meinem Empfinden nach noch unnachgiebiger am Boden klebt, als dies ohnehin schon immer der Fall war. Wie die Vorderachse sich festbeißt, ist - entschuldigen Sie bitte - einfach nur pervers. Und ich fuhr wohlgemerkt die Standardbereifung, nicht die Semi-Slicks. Mit den Trofeo Rs dürfte das ziemlich lustig werden. 

Das Sondermodell ist also wirklich kaum aus der Ruhe zu bringen und man muss sich schon arg anstrengen mit relativ hanebüchenen Manövern, um den Reifen mal ein Quietschen zu entlocken. Vorne wird also monumental zugebissen und so kommt in der eifrig gefahrenen Kurve eher das Heck angetanzt. Dazu muss man nicht zwangsläufig in den Torque-Rear-Modus schalten, wo das Hinterachsgetriebe so viel Kraft wie möglich ans kurvenäußere Hinterrad leitet. In diesem Fall geht halt mehr Rutscherei und das auch einfacher. Insgesamt lässt sich attestieren: Die Balance des RS 3 ist auch in seiner deftigsten Ausprägung ziemlich grandios. 

Ja und was ist mit dem eigentlichen Aufhänger für diesen Spezial-RS 3? Nun, am 2,5-Liter-TFSI ändert sich genau gar nix. Er hat auch hier 400 PS und 500 Nm und er drückt auch hier im Großteil des Drehzahlbandes wie eine aufs Blut gereizte Wildsau. So knapp unter 3.000 Touren geht es los (die kleine Gedenksekunde sei ihm im Sinne der Charakterbildung gegönnt), dann gibt es sehr dringlich bis zur Drehzahlgrenze bei knapp 7.000 U/min auf die Nuss. 

Die Ertüchtigung des Klangbilds durch das Entfernen von Dämmmaterial werden wohl eher die Fans so richtig wahrnehmen. Ich denke, ein wenig lebendiger singt und schreit und grölt er schon vor sich hin. Das hat aufgrund der nimmermüden EU-Spaßvereitelungsakrobaten natürlich nicht mehr so viel zu tun mit einem - sagen wir mal - TT RS von 2016, aber keine Frage: diese Platte kann man sich durchaus anhören. Er klingt also noch immer besonders und leidenschaftlich der RS 3.

Fazit: 9/10

Auch wenn ich denke, dass Audi die 750 Käufer für den RS 3 Competition Limited ziemlich zügig finden wird, stellt sich die Frage, ob selbige Ihr Hartverdientes damit auch gut investieren. Eine sechsstellige Zahl an einen Kompaktsportler zu kleben, erscheint dreist. Gut 34.000 Euro über dem Einstiegspreis zu sein, ebenfalls. Bedenken sollte man allerdings, dass man einen normalen RS 3 leider auch sehr schnell in Richtung 90.000 Euro oder mehr konfigurieren kann. Und der Limited hat wirklich alles an Bord, inklusive Keramikbremse. 

Zudem ist es gelungen, ihn fahrerisch deutlich vom Grundprodukt abzugrenzen. Nicht für alle wird seine schroffe, kernige, ausdrucksstarke Art das Richtige sein. Aber diejenigen, die sich den RS 3 noch charismatischer, mitteilsamer, schärfer, Rennwagen-ähnlicher gewünscht haben, werden diese neue Ausbaustufe lieben. Für mich nicht der alltagstauglichste, aber der unterhaltsamste RS 3. 

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Autor: Stefan Wagner