So funktioniert Ferraris neues Wunder-Handschaltgetriebe

Das Manuale-by-wire-System wandelt die Bewegungen von Schalthebel und Kupplung in elektronische Signale um

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Sagen wir es gleich vorweg: Der am 3. Juli 2026 vorgestellte Ferrari 12Cilindri Manuale hat kein Handschaltgetriebe, wie wir es bisher von der Marke kennen. Er hat etwas Komplexeres - und wahrscheinlich noch Interessanteres.

Das System heißt Manuale by-wire und wurde vollständig in Maranello entwickelt: Schalthebel und Kupplungspedal sind vorhanden und werden wie bei jedem Handschalter bedient, doch die Bewegungen des Fahrers betätigen keine unmittelbaren mechanischen Komponenten. Stattdessen werden sie in elektronische Signale umgewandelt, die wiederum das bereits im normalen 12Cilindri verbaute 8-Gang-DCT steuern.

Das Kupplungspedal, und was passiert, wenn man falsch schaltet

Auch die Pedalerie ist komplett neu und von Grund auf für das dritte Pedal ausgelegt. Die Kupplung arbeitet ebenfalls by-wire: Ein Winkelpositionssensor erfasst kontinuierlich den Pedalweg und übersetzt die Fahrerabsicht in einen Hydraulikbefehl, der auf das Kupplungspaket des DCT wirkt. Das zentrale Problem war damit klar: Wie sorgt man dafür, dass sich unter dem Fuß etwas realistisch anfühlt - und nicht die Leere eines rein elektronischen Pedals?

Die Lösung ist ein passiver Mechanismus aus Vorspannfeder, Nocke und Rolle, der die typische Widerstandskurve einer klassischen mechanischen Kupplung nachbildet: dieses progressive Lastgefühl, das ansteigt und beim Anheben des Fußes wieder nachgibt.

Das System reagiert ohne Verzögerungen, weil die passive Mechanik die Last physisch erzeugt, während die Sensorik die Synchronisation mit Motor und Getriebe übernimmt. Praktisch bedeutet das: wie beim klassischen Handschalter. Sauberer Wechsel, flüssiges Einlegen; falsches Timing, Rucken oder Abwürgen des Motors.

Der manuelle Modus umfasst die ersten sechs Gänge sowie den Rückwärtsgang und wird ausschließlich über das Kupplungspedal aktiviert. Es gibt keinen anderen Weg, in den manuellen Modus zu wechseln und es gibt auch keine Schaltwippen am Lenkrad mehr, zum ersten Mal seit vielen Jahren bei einem Ferrari. Im Automatikmodus übernimmt das DCT alles selbst, dennoch lässt sich der Gang per Hebel vorwählen: Eine Anzeige im Kombiinstrument gibt eine visuelle Vorschau und zeigt, wie sich die Wahl auf den Drehzahlmesser auswirkt, bevor der Gangwechsel tatsächlich erfolgt.

Auch Zwischengas im Heel-and-Toe (Spitze-Hacke) ist möglich - also die Technik, bei der beim Herunterschalten Gas und Bremse gleichzeitig dosiert werden, um die Motordrehzahl an den niedrigeren Gang anzugleichen.

Und ebenso ist es möglich, beim Anfahren abzuwürgen, wenn man die Kupplung schlecht dosiert. Dinge, die bei einem Ferrari lange Zeit nicht mehr vorkamen. Kurz: In Maranello ist wieder etwas Besonderes gelungen. Oder eher: ein halbes. Die andere Hälfte kommt, wenn wir sie endlich fahren können.

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Autor: Lorenzo Curatti