Im Stammwerk München startete heute die Serienproduktion des BMW i3 der Neuen Klasse. Bestellen kann man die neue 800-Volt-Limousine bereits seit Mitte Juni, allerdings nur als ziemlich teure First Edition. Dennoch soll die Nachfrage so hoch sein, dass die Anlaufkurve möglichst ausfallen soll, so BMW.
Das im Münchner Norden gelegene Werk wurde vier Jahre lang intensiv umgebaut. Nun erfolgte der Startschuss für die Produktion des i3. Damit wird die elektrische Mittelklasselimousine dort gefertigt, wo traditionell der 3er gefertigt wird, also gewissermaßen der i3-Vorgänger mit Verbrennungsmotor. Mit dem i3 startet das zweite Modell der Neuen Klasse nach dem BMW iX3, der im ungarischen Debrecen gebaut wird.
Mit dem i3-Start wurden die Fertigungskosten in München um zehn Prozent gesenkt, so BMW. Das werde durch eine vorausschauende Planung, eine enge Zusammenarbeit mit der Fahrzeugentwicklung und den Zulieferern sowie moderne Produktionstechnik ermöglicht.
Nach dem Produktionsstart für den i3 sollen in München weitere Modelle der Neuen Klasse folgen. Welche das sein werden, lässt BMW offen, aber eine naheliegende Möglichkeit wäre die Fertigung des i4 Cabrio, während der BMW iX4 vermutlich eher in Debrecen angesiedelt wird. Schon ab 2027 sollen in München ausschließlich Elektroautos produziert werden.
Seit 1975 ist München eng mit dem BMW 3er verbunden. Mehr als neun Millionen Fahrzeuge der Baureihe liefen seither hier vom Band. Für die Neue Klasse wurde der Standort grundlegend umgebaut - bei laufender Produktion von bis zu 1.000 Fahrzeugen pro Tag. Auf einer Fläche von rund einem Drittel des Werksgeländes entstanden ein neuer Karosseriebau sowie eine neue Fahrzeugmontage einschließlich Logistikflächen. Zuletzt wurde die Auslieferungshalle errichtet, die sich aktuell noch in der Inbetriebnahme befindet. Dort werden die Fahrzeuge final geprüft und dem Vertrieb übergeben.
Die Energiespeicher für den BMW i3 kommen aus dem neuen Batteriewerk in Irlbach-Straßkirchen (Niederbayern), das rund 130 Kilometer nordöstlich von München liegt. Die Batteriezellen der Neuen Klasse kommen von CATL, Eve, AESC und Samsung SDI. Ob die in Niederbayern verwendeten Zellen nach dem Prinzip "local for local" aus dem CATL-Werk in Thüringen, aus dem CATL-Werk in Ungarn oder sogar noch aus China kommen, wissen wir nicht.
In Irlbach-Straßkirchen werden die Zellen jedenfalls zum Batteriepaket zusammengebaut, das dann nach München und an weitere deutsche Standorte geliefert wird. Dort wird es dann von unten in die Karosserie eingesetzt. Das Konstruktionsprinzip bezeichnet BMW als Cell-to-Pack und Pack-to-open-Body.
Der stromerregte Synchronmotor (SSM) an der Hinterachse aus dem Gen6-Baukasten wird im BMW-Werk Steyr in Österreich produziert. Alle Kernkomponenten der Antriebseinheit, also Rotor, Stator, Inverter und Getriebe, werden vor Ort produziert. Die Aluminiumgießerei im BMW-Werk Landshut liefert das Motorgehäuse an das Werk Steyr und steuert auch den "Energy Master" bei, also die Schaltzentrale, die auf dem Akku sitzt. Während der Primärmotor also von BMW stammt, wird der beim Allradler hinzukommende, 123 kW starke Asynchronmotor (ASM) an der Vorderachse von ZF zugeliefert - was BMW aber ungern erwähnt.
Bilder von: BMW
Bisher ist der BMW i3 wie erwähnt nur als i3 50 xDrive First Edition für 75.340 Euro bestellbar, und zwar ausschließlich über den BMW-Händler. Ab September gibt es dann auch die Serienversion mit gleicher Technik für 65.900 Euro. Der Aufpreis für die First Edition beträgt also fast 10.000 Euro. Zur Ausstattung gehören unter anderem das M-Sportpaket, das "BMW Iconic Glow Exterieurpaket" und das Head-up-Display. Die Reichweite beträgt bis zu 906 Kilometer nach WLTP-Norm. Die Serienversion soll mit 916 Kilometern noch etwas weiter kommen.
Unter dem Strich
Die Serienproduktion des BMW i3 in München hat begonnen. Wie viele Autos dort gefertigt werden können, bleibt offen. Noch ist man im Stammwerk ohnehin mit dem Ramp-up beschäftigt. Das Hochfahren der Fertigung dürfte nicht trivial sein, auch wenn man auf Erfahrungen des Werks in Debrecen zurückgreifen kann, das den iX3 schon seit Oktober baut. Denn es gibt immer lokale Besonderheiten zu berücksichtigen, schon allein die Logistik ist anders. Man darf gespannt auf den Verkaufserfolg sein. Angesichts der enormen Reichweite, des 800-Volt-Systems und der unserer Ansicht nach gelungenen Optik braucht sich BMW da wohl keine Sorgen zu machen.








