Mazdas Wankelmotor könnte endlich wieder das tun, wofür er jahrzehntelang bekannt war: die Räder antreiben. Laut Moritz Oswald, Product Planning Manager bei Mazda Motor Europe, werde der nächste Rotationskolbenmotor nicht einfach nur unter der Motorhaube sitzen und eine Batterie laden.
Das wäre ein deutlicher Unterschied zum Konzept des MX-30 R-EV, dem derzeit einzigen Modell von Mazda mit Wankelmotor. Oswald nennt zwar weder ein konkretes Auto noch einen Zeitpunkt. Seine Aussagen sind aber detailliert genug, um echte Planungen von bloßem Wunschdenken zu unterscheiden.
Mazdas Wankelmotor könnte das Auto direkt antreiben
Oswald erklärte gegenüber Car Magazine, Mazda beschäftige sich immer wieder mit einer Wankel-Konfiguration, bei der der Motor tatsächlich zum Vortrieb beiträgt und nicht nur als Stromgenerator dient. Eine Serienplanung oder das Modell, das diese Technik erhalten könnte, bestätigte er jedoch nicht.
Oswald zufolge lag die Faszination des Wankelmotors nie in erster Linie in maximaler Effizienz. "Der Grund, warum Menschen den Wankel lieben, ist die Drehfreude, der Klang, die Vibration", sagte er - und beschreibt den Motor damit eher als Erlebnis denn als nüchternen Datenblattwert.
Ein Hybridantrieb scheint derzeit der naheliegendste Weg zu sein, dieses Erlebnis emissionskonform umzusetzen. Oswald skizzierte ein System, das elektrisch startet und den Wankelmotor später zuschaltet. "Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten. Wenn man eine Batterie hat und sie steuern kann, startet das Auto immer im EV-Modus, und dann kommt der Wankelmotor dazu."
Eine Alternative schloss er klar aus: Eine Kombination mit einem stufenlosen CVT-Getriebe soll es nicht geben. "CVTs bringen einige Nachteile in Bezug auf Schaltvorgänge und Fahrereinbindung mit sich. Die echte Verbindung geht verloren", sagte Oswald. Das deutet auf ein Konzept hin, das den Traum vom Wankel-Sportwagen bewahren soll.
Im Mazda MX-30 R-EV arbeitet der Wankelmotor nur als Range Extender
Der Unterschied ist wichtig, denn der Wankelmotor des MX-30 R-EV ist nicht direkt mit den Rädern verbunden. Er treibt einen Generator an, der die Batterie speist. Für den Vortrieb ist allein der Elektromotor zuständig - ein Aufbau, der eher an ein kleines Bordkraftwerk erinnert als an einen klassischen Verbrenner.
Mazda hält seit dem Cosmo von 1965 bis zum letzten RX-8 im Jahr 2012 am Wankelprinzip fest. Der Hersteller ist aktuell der einzige, der sich weiterhin ernsthaft zu dieser Bauart bekennt. Genau deshalb spricht Oswald von echter interner Begeisterung und nicht von nostalgischem Marketing.
"Die Sache ist: Bei Mazda - und genau deshalb arbeite ich wirklich gern dort - haben wir sehr viele Enthusiasten", sagte Oswald. Das deckt sich mit Berichten, wonach auch Mazda-Mitarbeiter intern auf ein solches Projekt drängen.
Auch die Entwicklungsarbeit stützt diese Aussagen. Eine Patentanmeldung aus dem Jahr 2023 beschreibt ein speziell auf den Wankelmotor ausgelegtes Abgasrückführungssystem. Es adressiert eine langjährige Schwäche älterer Wankel-Konstruktionen, bei denen zusätzlicher Kraftstoff verbrannt wurde, um das Gehäuse zu kühlen und die Verbrennungstemperaturen zu kontrollieren - was die Emissionen erhöhte.
Genau solche Verbesserungen bräuchte ein direkt antreibender Wankelmotor, um aktuelle Abgasvorschriften zu erfüllen. Das passt zu dem Effizienzpatent, das Mazda angemeldet hat, um den Motor sauberer zu machen, ohne den Charakter zu verlieren, der ihn überhaupt erhaltenswert macht.
Vorerst spricht Mazda über Hybride und Patente - nicht über ein neues Coupé mit RX-Kürzel. Doch ein Wankelmotor, der wieder die Räder antreiben kann, gestützt durch aktuelle Entwicklungsarbeit und interne Begeisterung, hält die Tür für einen echten Performancer offen.








