Die Spritpreise sind hoch, mit Elektroautos kann man deshalb teilweise Geld sparen. Allerdings kosten viele Modelle 35.000 oder 40.000 Euro und mehr. Der neue Leapmotor B03X ist deutlich günstiger. Wir fuhren die gehobene Variante ProMax Design mit 145-kW-Antrieb und 382 km WLTP-Reichweite, die es schon für unter 30.000 Euro gibt.
Zu den Stärken des 4,27 Meter langen Leapmotor B03X gehören die gute Ausstattung und das Platzangebot. Aber wie fährt sich das Elektro-SUV und wie klappt die Bedienung? Wir haben es für Sie herausgefunden.
| Leapmotor B03X ProMax Design | |
| Antrieb | FWD 145 kW, 200 Nm |
| 0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | 8,6 Sek. / 160 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 15,7 kWh/100 km |
| Autobahnverbrauch | 21,2 kWh/100 km |
| Akku netto / brutto | ca. 52 kWh / 53,0 kWh LFP |
| WLTP-Reichweite | 382 km |
| DC-Ladedauer 10-80 % | 21 min |
| Basispreis | 29.700 Euro |
Exterieur | Interieur | Antriebe/Batterien | Preise
Exterieur
Aufgrund der Länge würden wir den Leapmotor B03X schon fast als Kompakt-SUV eingruppieren, Modelle wie der Kia EV2 oder der VW ID. Cross sind deutlich kürzer. Der Hersteller stuft ihn als Kleinwagen-SUV ein - vermutlich, weil der im Herbst startende B03 ebenfalls als Kleinwagen gilt, während man in der Kompaktklasse mit dem B05 und B10 schon Modelle hat.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | |
| Leapmotor B03X | 4.270 mm | 1.810 mm | 1.635 mm | 2.605 mm |
In den 1,64 Meter hohen Wagen können wohl auch ältere Menschen mit Rückenproblemen noch leicht einsteigen. Dafür muss man eine entsprechend große Stirnfläche und dadurch schlechtere Aerodynamik in Kauf nehmen. Die Optik würde ich als ziemlich bieder beschreiben; dazu passen die arg gedeckten Farben wie das Dunkelgrün, Mittelbraun und Dunkelblau. Das Silber und das helle Beige haben mir jedoch ganz gut gefallen.
Bilder von: InsideEVs
Einen Gegenpol zur konservativen Optik bilden die beim B03X ProMax Design serienmäßigen Alu-Felgen in 18 Zoll mit filigranen Felgen. Zudem hat der Hersteller mit den lustigen Rückleuchtern im Look eines grinsenden Clowns einen jugendlichen Akzent gesetzt.
Während frühere Leapmotor-Modelle elektrisch ausfahrende Türgriffe besaßen, hat der B03X versenkte Klappgriffe - möglicherweise um den in China beschlossenen schärferen Sicherheitsvorschriften zu entsprechen. Entriegelt wird per NFC-Karte, die man an den Außenspiegel hält. Von der Ferne aus kann man das per App machen.
Interieur und Bedienung
Angenehm ist, dass man im Leapmotor B03X keinen Startknopf zu drücken braucht - es gibt noch nicht mal einen. Man betätigt einfach die Bremse, drückt den Hebel rechts am Lenkrad herunter und gibt Gas. Ähnlich wird das Auto auch abgestellt: Einfach den P-Modus aktivieren, aussteigen und verriegeln. So einfach kann das sein.
Wenn man vergessen hat, vor dem Start die Außenspiegel einzustellen, lässt sich das auch während der Fahrt noch nachholen, was bei Xpeng-Modellen zum Beispiel nicht möglich ist. Zwar hat der B03X wie die Xpeng-Modelle keine Einstellknöpfchen für die Spiegel. Aber unser Testwagen war so eingerichtet, dass ein Doppelklick auf einen der Lenkradbuttons das entsprechende Menü aufruft. Dann kann man mit den Rädchen links und rechts die Spiegel einstellen - sehr praktisch.
Ansonsten besitzt der Wagen serienmäßig ein 8,8-Zoll-Instrumentendisplay, das deutlich breiter als hoch ist, aber das Wesentliche anzeigt. Auch die Abbildung einer kleinen Karte ist möglich, sodass man bei der Navigation unabhängig vom Touchscreen ist. Dazu kommt ein 14,7-Zoll-Touchscreen. So schick wie die Satellitendarstellung des kürzlich gefahrenen VW ID. Polo sind die angezeigten Navi-Karten nicht. Aber das Kartenbild ist übersichtlich und okay; rote Straßenmarkierungen warnen vor Staustrecken, gelbe vor zähfließendem Verkehr. Wobei mir allerdings auch eine Tempo-30-Strecke ohne viel Verkehr in Gelb angezeigt wurde.
Ärgerlich sind jedoch die vielen arg kleinen Schriften und Icons. Das gilt zum Beispiel für die Tempolimit-Anzeige im Instrumentendisplay oder einige der kleinen Logos am unteren Bildschirmrand.
Auch die Sprachbedienung funktioniert noch sehr schlecht. Sie konnte mein Fenster öffnen, aber schon an dem englischen Kommando "Close all Windows" scheiterte sie. Und plapperte munter weiter, indem sie auf verschiedene Arten sagte, dass sie mir nicht helfen könne, nicht verstünde, was ich meinte und dass ich es auf andere Art sagen sollte. Dabei unterbrach sie sich sogar selbst. Sie konnte mir auch nicht sagen, wie hoch das Tempolimit auf französischen Landstraßen ist. Dazu sagte mir Techniksprecher Tianyue Zhong von Leapmotor, dafür wäre eine KI nötig, und die sei noch nicht integriert.
Ordentlich funktionierte jedoch die Laderoutenplanung. Ich gab Paris als Ziel ein und im Nu hatte das System eine Route in die 1.870 km entfernte Hauptstadt herausgesucht und plante nach einem Klick auf das Ladesäulen-Icon auch die nötigen Ladestopps ein. Ich musste dem System allerdings eigens mitteilen, dass ich nur Säulen ab 100 kW anlaufen wollte und keine AC-Lader. Zudem sagte es mir bei den einzelnen Stopps nicht, von welchem auf welchen SoC ich dort laden sollte.
Die Materialien im Leapmotor B03X sind durchaus nicht auf Billigheimer-Niveau, ganz im Gegenteil. Das Testauto hatte eine hochwertig wirkende, schwarze Kunstlederausstattung mit silbernen Akzenten und einer netten Zierleiste vor dem Beifahrer. Alle oben liegenden Oberflächen, auch die an den Armauflagen an den Türinnenseiten, sind hinterschäumt.
Die Platzverhältnisse im Fond sind zudem großzügig - man sitzt dort deutlich besser als in den kürzlich gefahrenen Modellen VW ID. Polo oder Skoda Epiq. Über dem Kopf des 1,76 Meter großen Autors bleibt mehr als eine Faust Raum und vor den Knien rund 20 cm.
Bilder von: InsideEVs
Das Platzangebot gehört zu den Stärken des B03X. Der Kofferraum fasst laut Hersteller 407 bis 1.358 Liter, was schon ein ordentliches Volumen ist. Dazu kommt noch eine 105 Liter große "Gigabox" unter dem Ladeboden - nach Angabe der deutschen Presseabteilung ist dieses Volumen in den offiziellen Zahlen noch nicht eingeschlossen. Möglich wird das tiefe Unterbodenfach dadurch, dass der B03X ein Fronttriebler mit einer Verbundlenkerachse ist - beides spart Platz im Hinterwagen. Zu den Nachteilen des Konzepts gehört, dass es keinen Frunk gibt.
Außerdem gibt es derzeit keine Anhängerkupplung für den Wagen. Zumindest eine Kupplung zum Transportieren von Stützlasten wie Fahrrädern soll aber noch folgen, denn dazu ist keine eigene Homologation nötig, wie mir der Technikexperte erklärte. Kritik verdient auch die wenig verwindungssteife Gepäckraumabdeckung: Sie hängt nicht an der Heckklappe und lässt sich vor allem sehr schwer wieder einsetzen.
Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal auf der Plus-Seite sind jedoch die Magic Seats, die Ältere von den Verbrennermodellen Honda Jazz und Civic kennen: Die Sitzflächen der Fondmöbel lassen sich einfach hochklappen. Dann kann man große Topfpflanzen, ein Golf-Bag oder vielleicht sogar ein Kinderfahrrad aufrecht transportieren.
Fahreindrücke
Wie erwähnt, hat der B03X Frontantrieb; zum Einsatz kommt bei beiden Leistungsstufen der gleiche ölgekühlte Permanentmagnet-Synchronmotor mit 200 Nm Drehmoment. Wie mir der Leapmotor-Experte Tianyue Zhong erklärte, kommt die Leistung von 130 bzw. 145 kW durch die maximale Leistungsabgabe des jeweiligen Akkus zustande.
Der 145 kW starke Elektromotor an der Vorderachse lässt den B03X locker in die Berge südlich von Malaga hinaufstürmen. Dass es sich um einen Fronttriebler handelt, merkt man mitunter, wenn die Vorderräder beim Anfahren durchdrehen. Nach WLTP-Norm werden 15,7 kWh/100 km angegeben, mit meinem abwechselnd fahrenden Kollegen verbrauchten wir auf der Bergauf-Etappe 18,6 kWh/100 km, bergab aber nur noch 10,5 kWh/100 km. Allerdings lag das Durchschnittstempo auf den spanischen Landstraßen nur bei etwa 50 km/h.
Die Rekuperation ist standardmäßig auf One-Pedal-Driving eingestellt, was für meinen daran gewöhnten Gasfuß angenehm ist. Dies hat auch den Vorteil, dass sich das Auto am Hang automatisch festbremst. Wählt man über den Touchscreen das One-Pedal-Driving ab, sollte man stattdessen Auto-Hold aktivieren, um nicht unbeabsichtigt zu rollen.
Das Fahrwerk zusammen mit der Lenkung lässt den Wagen etwas schwammig und wenig exakt wirken: Beim angedeuteten Pylonenwedeln bei etwa 80 km/h rollt das Auto spürbar. Auf den Serpentinen im Gebirge fällt auch der geringe Seitenhalt der Sitze auf. Und während man den Fahrersitz gut einstellen kann, sitzt man auf dem Beifahrersitz etwas zu hoch.
Den Abstandsregeltempomat und den Spurhalteassistenten erprobte ich nicht, weil ich beim Fahren keine Möglichkeit zum Einschalten fand. Erst nach dem Abstellen entdeckte ich ein kleines Lenkrad-Logo an dem Hebel rechts am Lenkrad. Zur Aktivierung muss man diesen Hebel von der D-Stellung ausgehend nochmals nach unten drücken.
In einer Situation verblüffte mich eine unnötige Notbremsung: Ich wartete vor einem recht großen Kreisverkehr auf ein anderes Auto, das auf einer Spur weiter innen fuhr. Als ich mich etwas weiter vortastete, griff plötzlich der Notbremsassistent ein - obwohl das andere Auto noch weit entfernt war und sich keiner der beiden Wagen schnell bewegte.
Preis, Ausstattung und Alternativen
Der B03X ProMax Design kostet 29.400 Euro. Dafür erhält man den 145-kW-Fronttriebler mit einer 53-kWh-Batterie, die netto schätzungsweise 52 kWh bietet - bei LFP-Akkus ist der Puffer zwischen den beiden Werten meist klein. Damit ergeben sich 382 km Reichweite. Auch in dieser Klasse ist das kein hoher WLTP-Wert. Dafür soll sich die Batterie in nur 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen lassen - das sind drei Minuten weniger, als der ungefähr gleich große NMC-Akku des VW ID. Polo oder Skoda Epiq braucht.
Die Ausstattung ist umfangreich. Dazu gehören LED-Licht, Regensensor, 18-Zoll-Alufelgen, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, Sitz- und Lenkradheizung, eine Wärmepumpenfunktion, ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz, ein Rundumsichtsystem, Parksensoren vorn und hinten und Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent und Totwinkelwarner. Die Klimaautomatik hat nur eine Zone, was bei einem kleinen Auto vielleicht zu verschmerzen ist.
Zu den Alternativen gehören günstige Elektro-SUVs ähnlicher Größe wie der Fiat 600 Elektro (mit Rabatt ab 28.990 Euro), der Toyota Urban Cruiser (Basisversion derzeit zum Aktionspreis für 29.471 Euro), der Smart #1 Pure (mit Rabatt 30.990 Euro), der Ford Puma Gen-E (mit Rabatt ab 31.900 Euro), der Skoda Epiq 55 (ab 32.100 Euro) und der Kia EV3 (ab 35.990 Euro). Hier eine kleine Übersichtstabelle, geordnet nach Preis:
| Antrieb | Reichweite | Durchschnittliche Ladeleistung | Basispreis | |
| Fiat 600 Elektro | FWD 115 kW | bis 409 km | 68 kW | 28.990 Euro |
| Leapmotor B03X ProMax | FWD 145 kW | 382 km | ca. 104 kW | 29.400 Euro |
| Toyota Urban Cruiser Standard Range | FWD 106 kW | 344 km | ca. 45 kW | 29.471 Euro |
| Smart #1 Pure | RWD 200 kW | 310 km | 66 kW | 30.990 Euro |
| Ford Puma Gen-E | FWD 124 kW | bis 419 km | 78 kW | 31.900 Euro |
| Skoda Epiq 55 Essence | RWD 155 kW | 440 km | 90 kW | 32.100 Euro |
| Kia EV3 58,3 kWh | FWD 150 kW | 436 km | 78 kW | 35.990 Euro |
Fazit
Der Leapmotor B03X bietet auch für diese Klasse etwas wenig Reichweite. Ebenfalls zu wünschen übrig lässt die Bedienung. Das Design empfinde ich als etwas arg bieder. Der Antrieb geht jedoch durchaus in Ordnung, die Ladeeigenschaften sind gut. Die besten Argumente für das kleine Elektro-SUV sind jedoch, dass es viel Platz für Insassen und Gepäck, schöne Materialien und einen günstigen Preis bietet.
Positive
- Viel Platz im Fond und Kofferraum
- Gute Materialien
- Für das Segment sehr schnelles Laden
Negativ
- Geringe Reichweite
- Biederes Design
- Verbesserungswürdige Bedienung








