Als Lancia im Februar 2024 den Ypsilon vorstellte, war er das erste neue Modell der Marke seit 13 Jahren. Man könnte erwarten, dass eine so lange überfällige Produkterneuerung die Verkäufe spürbar belebt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Zahlen gingen auch nach dem Start des Kleinwagens weiter zurück. Auch der Versuch, die Traditionsmarke wieder in Exportmärkten zu etablieren, brachte bislang keine Trendwende.
Laut den Jahresverkaufszahlen der European Automobile Manufacturers' Association brach Lancia um 64 Prozent auf nur noch 11.754 Fahrzeuge ein. Dazu sollte man auch wissen: Die ACEA führt Lancia weiterhin zusammen mit Chrysler, obwohl sich die US-Marke offiziell schon vor rund einem Jahrzehnt aus Europa zurückgezogen hat. Allerdings gibt es nach wie vor eine Handvoll Händler, die neue Chrysler anbieten.
Eine separate Auswertung von Dataforce, zitiert von Automotive News Europe, kommt für 2025 auf 11.719 Lancia-Neuzulassungen. Gleichzeitig entschieden sich nur 75 Käufer für einen neuen Chrysler: 72 Pacifica-Vans und drei 300C-Limousinen. Damit liegen die Lancia-Werte von Dataforce nahezu auf dem Niveau der ACEA-Zahlen - ein weiterer Beleg für den anhaltenden Abwärtstrend.
Wie dramatisch ist die Lage?
Der Rückgang um 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist nur ein Teil der Geschichte. Wir haben ältere Verkaufsdaten bis 2015 betrachtet. Zwischen 2015 und 2025 war laut ACEA 2016 das beste Jahr: Damals setzte Lancia (inklusive Chrysler) 67.225 Fahrzeuge in der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz ab - allesamt Mitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA).
Besonders kritisch ist die Situation auch deshalb, weil Lancia seit Mitte der 2010er-Jahre faktisch eine reine Italien-Marke war. Vor dem Relaunch 2024 wurden deutlich mehr Fahrzeuge verkauft als heute - obwohl Lancia inzwischen wieder außerhalb des Heimatmarkts erhältlich ist. Die Rückkehr zu einem größeren europäischen Marktauftritt umfasst 70 Showrooms in wichtigen Städten, wobei Frankreich, Spanien, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Deutschland im Fokus stehen. Bislang hat sich der Neustart jedoch nicht ausgezahlt.
Ein zweites Modell kommt noch dieses Jahr
Der Grund ist schnell gefunden. Der Vorgänger-Ypsilon (von 2011 bis 2025 gebaut) war klein und günstig, was ihm in Italien bis zuletzt zu enormer Popularität verhalft. Der neue Ypsilon ist - als Hybrid und vor allem rein elektrisch - deutlich teurer als sein Vorgänger und bekommt es intern mit harter Konkurrenz zu tun - etwa durch Peugeot 208 und Opel Corsa. Die Renaissance der Marke soll sich in diesem Jahr mit einem neuen Mittelklasse-Modell fortsetzen, das den Namen Gamma wiederbelebt. Auch ein Comeback des Delta wird noch vor Ende des Jahrzehnts erwartet.
Reuters berichtete zuletzt, Stellantis-CEO Antonio Filosa prüfe die langfristige Tragfähigkeit aller 14 Marken des Konzerns. Sein Vorgänger Carlos Tavares hatte an dem Versprechen festgehalten, alle Marken zu erhalten. Der Nachrichtenagentur zufolge sind einige europäische Marken gefährdet, Namen wurden jedoch nicht genannt. Erwähnenswert ist zudem, dass auch DS Automobiles ein schwieriges Jahr 2025 hatte: Laut ACEA sank die Nachfrage in der Region EU+EFTA+UK um 22,5 Prozent auf 29.042 Fahrzeuge.
Lancia-Verkäufe in Europa von 2015 bis 2025
| Jahr |
Lancia (und Chrysler)-Verkäufe in Europa |
| 2025 | 11.754 |
| 2024 | 32.651 |
| 2023 | 44.877 |
| 2022 | 41.096 |
| 2021 | 43.783 |
| 2020 | 43.109 |
| 2019 | 58.940 |
| 2018 | 48.854 |
| 2017 | 60.885 |
| 2016 | 67.225 |
| 2015 | 61.671 |
Motor1 meint: Lancia ist nur noch ein Schatten seiner selbst - dennoch hat die Marke es verdient, zu überleben. Der kommende Gamma könnte den Abwärtstrend hoffentlich bremsen, auch wenn wir befürchten, dass die Strahlkraft des Markennamens nicht mehr an frühere Zeiten heranreicht. Der harte Wettbewerb erschwert es Lancia, Marktanteile zurückzugewinnen - zumal koreanische und chinesische Hersteller in Europa weiter Boden gutmachen.
Zudem dürfte ein Teil der Markentreuen den Eindruck haben, dass der Ypsilon nicht Lancia genug ist, um sich klar von anderen Stellantis-Schwestermodellen abzugrenzen. Auch der Gamma wird konstruktiv aus dem gleichen Baukasten stammen wie andere größere Stellantis-Produkte.








