Andalusien im Frühling. Während in Deutschland die letzten Winterreste tauen, zeigt sich Südspanien von seiner sonnigen und trockenen Seite. Ideale Bedingungen, um die sechste Generation des Toyota RAV4 auf kurvigen Bergstraßen, Autobahnen und staubigen Schotterpisten auf Herz und Nieren zu prüfen. Und eines vorweg: Der Bestseller hat neue Manieren gelernt.
Seit seiner Premiere 1994 hat sich der Toyota RAV4 weltweit mehr als 15 Millionen Mal verkauft. Damit gehört das SUV zu den absoluten Bestsellern der Marke und bildet seit Jahrzehnten das Rückgrat des Toyota-Erfolgs in Europa. Im vergangenen Jahr war er sogar das meistverkaufte Auto der Welt.
Kein Wunder also, dass der Druck auf der sechsten Generation immens ist. Toyota setzt auf eine Evolution, die es in sich hat. Dazu gehören ein extrovertiertes Design, eine völlig neue Software-Architektur und umfassend überarbeitete Hybrid- und Plug-in-Hybridantriebe. Wir waren mit dem neuen Topmodell, dem RAV4 Plug-in Hybrid AWD-i in der sportlichen GR-Sport-Ausstattung, unterwegs.
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Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment/Bedienung | Kosten | Fazit
| Schnelle Daten | Toyota RAV4 Plug-in Hybrid AWD-i GR SPORT |
| Segment | D-SUV |
| Leistung | 227 kW / 309 PS |
| Motor | 2,5-Liter-Benziner + Plug-in-Hybrid |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 5,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h (abgeregelt) |
| Länge / Radstand | 4.646 mm / 2.690 mm |
| Kofferraum | 446 - 1.561 Liter |
| Grundpreis (PHEV) | 49.990 Euro |
| Preis des Testfahrzeugs | 63.190 Euro |
Karosserie / Innenraum
Toyota beweist Mut zur Kante. Der neue RAV4 ist optisch nochmal eine Stufe schärfer als sein Vorgänger und orientiert sich am bulligen Auftritt des großen Bruders Land Cruiser. Die Front wird von einem hoch angesetzten, dominanten Grill und schmalen, flügelartigen LED-Scheinwerfern geprägt. Schwarze, eckig abgesetzte Radkästen und massive Schweller betonen den robusten Charakter. Besonders die Seitenlinie mit ihrer markanten, bis über die hinteren Kotflügel gezogenen Flügel-Sicke verleiht dem SUV eine enorme Präsenz und lässt es größer wirken, als es ist.
Das Heck wirkt im Vergleich fast schon zurückhaltend und gefällt mit einer schicken LED-Leuchtgrafik und einem angedeuteten Unterfahrschutz. In der von uns gefahrenen GR-Sport-Version mit Zweifarblackierung, schwarzen 20-Zoll-Felgen und spezifischen Designelementen steht hier ein selbstbewusstes, fast schon martialisches Auto, das seine Offroad-Gene nicht länger verstecken will.
Dieser robuste Eindruck setzt sich im Innenraum fort, allerdings mit gemischten Gefühlen. Das Platzangebot ist vorn wie hinten großzügig. Dank der hohen Dachlinie und großer Türen gelingt der Einstieg bequem. Fahrer und Beifahrer blicken auf ein wuchtiges, sehr kantig gezeichnetes Armaturenbrett. Toyota hat es im Vergleich zum Vorgänger deutlich abgesenkt, was zusammen mit der konturierten Motorhaube einen exzellenten Blick nach vorn ermöglicht. Das ist ein klarer Vorteil im Gelände.
Die Materialauswahl folgt jedoch strikt dem Gebot der Robustheit. Weich unterschäumte Flächen wechseln sich mit sehr viel glattem, kratzempfindlich wirkendem Hartplastik ab, vor allem an den Türverkleidungen und der Mittelkonsole. Einige Kanten wirken nicht sauber entgratet. Das mag zum rustikalen Charme passen, fühlt sich aber nur bedingt hochwertig an und dürfte nicht jeden Geschmack treffen. Das rechte Knie des Fahrers stößt zudem bei vielen Sitzpositionen unangenehm an eine scharfe Kante der wuchtigen Mittelkonsole.
Bilder von: Toyota
Dafür überzeugt der RAV4 mit cleveren Details. Die breite Mittelarmlehne lässt sich von beiden Seiten öffnen. Das ist ein ebenso simples wie geniales Feature, das man sich öfter wünschen würde. Dazu kommen unzählige Ablagen. Eine große Ladeschale fürs Smartphone, diverse offene und geschlossene Fächer und große Türablagen. Hier findet alles seinen Platz.
Der Kofferraum ist mit 446 bis 1561 Litern beim Plug-in-Hybrid (514 bis 1624 Liter beim Vollhybrid) klassentypisch groß und vorbildlich glattflächig geschnitten. Unter dem Ladeboden befindet sich ein praktisches Fach für die Ladekabel. Einziger Kritikpunkt ist die Laderaumabdeckung. Sie ist eine sehr labberige Angelegenheit ohne seitliche Führungsschienen, deren Einfädeln mitunter zur Geduldsprobe wird.
| Abmessungen und Kofferraum | Toyota RAV4 (2026) |
| Länge | 4.646 mm |
| Breite (ohne Spiegel) | 1.880 mm |
| Höhe | 1.660 mm |
| Radstand | 2.690 mm |
| Kofferraum | 446 - 1.561 Liter (PHEV) |
| Leergewicht | ab 1.960 kg |
| Zul. Gesamtgewicht | 2.570 kg |
| Anhängelast | 2.000 kg (AWD-i) |
Antrieb
Toyota ist Hybrid-Pionier, und diese Kompetenz merkt man dem neuen RAV4 in jeder Sekunde an. Der Plug-in-Hybrid kombiniert einen 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit zwei Elektromotoren zu einer Systemleistung von 309 PS. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in beeindruckenden 5,8 Sekunden. Wichtiger als die reinen Zahlen ist aber die Art und Weise, wie der Antrieb seine Leistung entfaltet. Dank des sofort anliegenden Drehmoments der E-Maschinen spricht der RAV4 spontan an, die Beschleunigung ist kraftvoll und gleichmäßig.
Die größte Stärke des neuen PHEV ist seine rein elektrische Reichweite. Dank einer auf 22,7 kWh vergrößerten Batterie verspricht Toyota bis zu 133 Kilometer (WLTP) mit einer Akkuladung. Im Test auf gemischten Strecken machte das System einen sehr effizienten Eindruck. Fährt man rein hybridisch mit gehaltenem Akkustand, pendelte sich der Verbrauch je nach Streckenprofil zwischen fünf und sieben Litern ein, ein hervorragender Wert für ein über zwei Tonnen schweres Allrad-SUV.
Die Techniker haben zudem viel Feinarbeit in die Dämmung investiert. Das früher oft kritisierte, angestrengte Aufheulen des Motors unter Last ist zwar nicht komplett verschwunden, aber es wurde zu einem gut gedämmten, sonoren Brummen im Hintergrund reduziert. Die Übergänge zwischen Elektro- und Verbrennerbetrieb sind schlicht nicht spürbar. Das System arbeitet so sanft, dass man den Wechsel nur am Drehzahlmesser bemerkt.
Eine adaptive Rekuperation bremst das Fahrzeug vorausschauend ab, wenn man auf Kreisverkehre oder langsameren Verkehr zurollt. Im EV-Mode kann man die Stärke der Rekuperation über die Schaltwippen regulieren. Ein echter One-Pedal-Modus, der bei einer so großen elektrischen Reichweite absolut sinnvoll wäre, fehlt allerdings. Beim Laden hat Toyota dagegen auf die Kunden gehört. Der PHEV lädt neuerdings serienmäßig mit 11 kW an der AC-Wallbox (ca. 3 Stunden von 0 auf 100 Prozent). Optional gibt es für die höheren Linien einen 50-kW-DC-Lader, der den Akku in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllt.
| Motor und Fahrleistungen | Toyota RAV4 Plug-in Hybrid AWD-i |
| Motor | 2,5-Liter-R4-Benziner + Plug-in-Hybrid |
| Systemleistung | 227 kW / 309 PS |
| Max. Drehmoment | 227 Nm (Verbrenner) |
| Getriebe | Stufenloses Automatikgetriebe (e-CVT) |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 5,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h (abgeregelt) |
| Verbrauch WLTP (kombiniert) | 1,3 - 1,6 L/100 km |
Fahrverhalten
Das Fahrwerk ist die eigentliche Sensation des neuen RAV4. Selten haben wir in diesem Segment einen so großen Sprung erlebt. Selbst in der von uns gefahrenen GR-Sport-Variante mit ihrer sportlicheren Abstimmung und den 20-Zoll-Rädern ist der Komforteindruck überragend. Das Auto bügelt Querfugen, Schlaglöcher und sogar harte Speedbumps mit einer stoischen Ruhe glatt, die man sonst eher von Fahrzeugen aus der Oberklasse kennt. Geräusche von der Aufhängung dringen kaum in den Innenraum.
Umso erstaunlicher ist, dass diese Sänfte nicht auf Kosten der Agilität geht. Der RAV4 lenkt spontan ein, die Lenkung ist angenehm gewichtet und vermittelt im Sportmodus sogar ein spürbares Feedback. Die Wankneigung in Kurven hält sich für ein hohes SUV in engen Grenzen. Das Auto liegt satt und sicher auf der Straße.
Diese Souveränität behält der RAV4 auch bei, wenn der Asphalt endet. Auf den ausgiebigen Schotter- und leichten Offroad-Passagen unserer Testrunde überzeugte das Fahrwerk mit Nehmerqualitäten. Der Allradantrieb regelte die Kraftverteilung blitzschnell und zuverlässig. Hier zeigt sich, dass der robuste Auftritt keine leere Hülle ist. Das Auto kann tatsächlich mehr als nur den Bordstein vor der Schule erklimmen. Obwohl genau das wahrscheinlich in der Mehrzahl der Fälle das härteste "Offroad" ist, was ein RAV4 in der Regel zu sehen bekommt ...
Die Assistenzsysteme arbeiten ebenfalls auf hohem Niveau. Der adaptive Abstandstempomat und der Spurhalteassistent agieren feinfühlig und halten das Auto unaufgeregt in der Spur, ohne durch aggressive Eingriffe zu nerven. Die Handerkennung am Lenkrad funktionierte im Test tadellos und ermöglicht entspanntes Fahren auf der Autobahn.
Infotainment/Bedienung
Mit der neuen Software-Plattform "Arene" hält ein komplett neues Infotainment-System Einzug. Bedient wird es über einen riesigen, 12,9 Zoll großen Touchscreen und ein ebenfalls digitales 12,3-Zoll-Instrumentendisplay. Die Hardware ist potent. Das System reagiert schnell, die Grafiken sind scharf. Laut Toyota wurde die Bedienlogik nach europäischen Wünschen gestaltet.
Das Ergebnis ist jedoch durchwachsen. Zwar gibt es einen prominenten Shortcut, um den nervigen Geschwindigkeitswarner mit einem Klick zu deaktivieren. Für andere Assistenten muss man jedoch weiterhin in Untermenüs abtauchen, die sich hinter einem Klick auf die Uhrzeit verbergen. Das ist besser als nichts, aber nicht wirklich intuitiv. Die weitere Bedienung erschließt sich aber schon nach kurzer Eingewöhnung. da man den Startbildschirm nun auch individualisieren kann.
Bilder von: Toyota
Das Fahrerdisplay wiederum ist in unzähligen Details individualisierbar. Das ist eine Spielwiese für Technik-Fans, die den Durchschnittsfahrer aber auf den ersten Blick durch ihre Komplexität erschlägt. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Angenehm ist das deutlich größere Head-up-Display, das nun auch die Navikarte spiegeln kann.
Kosten
Toyota hat die Preisstruktur für den deutschen Markt angepasst. Die absolute Basisversion entfällt, der Einstieg erfolgt nun über die bereits sehr gut ausgestattete Linie Teamplayer. Diese ist preislich neu positioniert und im Vergleich zum ähnlich ausgestatteten Vorgänger sogar günstiger geworden.
Der Vollhybrid startet als Teamplayer bei 43.990 Euro, der neue Plug-in-Hybrid mit Frontantrieb bei 49.990 Euro. Unser Testwagen, der GR Sport mit Allradantrieb, markiert mit 63.190 Euro die Spitze der Preisliste. Dafür ist die Ausstattung dann aber auch nahezu komplett, inklusive 20-Zoll-Rädern, Head-up-Display, JBL-Soundsystem und der spezifischen Fahrwerksabstimmung.
Im Umfeld des Toyota RAV4 Plug‑in Hybrid tritt der VW Tiguan eHybrid ab 48.655 Euro als eher klassisch abgestimmter Frontantriebs‑PHEV mit betont europäischem Komfort auf. Der Mazda CX‑60 PHEV startet bei rund 47.000 Euro, bietet serienmäßigen Allrad, hochwertigeres Interieur und mehr Fokus auf Fahrdynamik.
Deutlich günstiger positioniert sich der Leapmotor C10 REEV ab 37.600 Euro mit Range‑Extender‑Konzept und großer elektrischer Reichweite. Der BYD Seal U DM‑i kostet ab 39.990 Euro, bringt einen 18,3‑kWh‑Akku mit und bietet optional Allrad. Der Hyundai Tucson Plug‑in Hybrid (ab 45.690 Euro) gibt den ausgewogenen Allrounder mit Allrad auf Wunsch, während der neue Opel Grandland PHEV ab etwa 40.150 Euro einen günstigen Einstieg in die Plug‑in‑SUV‑Klasse markiert, jedoch weniger Wert auf maximale E‑Reichweite legt.
Immer dabei ist die einzigartige Toyota Relax Garantie von bis zu 15 Jahren oder 250.000 Kilometern, die bei regelmäßiger Wartung beim Vertragspartner gewährt wird.
Fazit 8/10 Punkten
Der neue Toyota RAV4 ist eine beeindruckend konsequente Weiterentwicklung eines globalen Bestsellers. Toyota hat die Stärken wie Raumangebot, Effizienz und Zuverlässigkeit beibehalten und die Schwächen gezielt minimiert. Der Plug-in-Hybridantrieb gehört mit seiner gewaltigen E-Reichweite und der souveränen Kraftentfaltung zum Besten, was das Segment zu bieten hat. Das Fahrwerk schafft den Spagat zwischen überragendem Straßenkomfort und echter Schlechtwegetauglichkeit.
Gleichzeitig bleibt sich der RAV4 treu und will kein Blender sein. Der Innenraum setzt auf robuste Funktionalität statt auf edle Materialien, und das neue Infotainment-System hat bei der Bedienlogik noch Luft nach oben. Wer ein elegantes Lifestyle-SUV mit Premium-Anmutung sucht, wird hier vielleicht nicht fündig. Wer aber ein extrem fähiges, geräumiges und technisch ausgereiftes Alltags- und Abenteuerauto schätzt, für den ist der neue RAV4 eine der stärksten und ehrlichsten Optionen auf dem Markt. Er ist vielleicht kein absoluter Schönling, aber ein beeindruckend guter Alleskönner.








