Tatsächlicher Verbrauch: Ford Tourneo Courier Benziner (2026) im Test

Wie viel Sprit braucht der Kölner mit dem 125 PS starken 1,0 Liter EcoBoost und 7-Gang-DSG im realen Verkehr?

Motor1.com Deutschland: Auto-Tests, Auto-News und Analysen

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Wer nahezu unbegrenzten Stauraum sucht ist nicht zwangsläufig im SUV-Segment am besten aufgehoben. Für besonders anspruchsvolle Transportaufgaben lohnt eher der Blick zu den Hochdachkombis bzw. MPV, also Fahrzeugen zwischen Pkw und Transporter.

Einer davon ist der Ford Tourneo Courier. Der nutzt die gleiche Plattform wie der Puma, allerdings mit deutlich kantigerem, höherem Aufbau. Das Design zielt genau darauf ab, große sperrige Ladung oder wahlweise die gesamte Familie mit allem Klüngel einzupacken.

Um die Effizienzqualitäten eines solchen Fahrzeugs zu prüfen - das konstruktiv nicht primär auf Effizienz getrimmt ist - bin ich den Ford Tourneo Courier mit dem 1,0-Liter-Benziner (125 PS), Frontantrieb und Automatik gefahren. Herausgekommen ist ein Durchschnittsverbrauch von  6,30 Liter/100 km auf der 360-Kilometer-Verbrauchsrunde von Rom nach Forlì. Die Kraftstoffkosten auf der Fahrt betrugen 38,08 Euro.

Viele SUVs sind sparsamer

Wer diese Rubrik mit den tatsächlichen Verbräuchen und der entsprechenden Rangliste kennt, wird sofort sehen, dass das Ergebnis des Ford Tourneo Courier nicht herausragt - weder insgesamt noch innerhalb der Benziner.

Ford Tourneo Courier (2024)

So hat dieser Ford exakt so viel verbraucht wie der ältere Jeep Renegade 1.0 T3 120 PS MT 4x2. Sogar mehr als der "bissige" Honda Civic Type R und nur ein bisschen weniger als der größere und stärkere  Alfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo Benziner AT8 Q4 (6,40 Liter/100 km). Auch ein Offroad-Spezialist liegt im Fenster des Ford, der Suzuki Jimny 1.5 AWD AllGrip (6,50 Liter/100 km).

Auch viele größere Kompakt-SUV lagen unter dem Verbrauch des Tourneo Courier - etwa der Nissan X-Trail Mild Hybrid 2WD (5,30 Liter/100 km), der Dacia Bigster Mild-Hybrid 130 4x4 (4,75 Liter/100 km) oder der Opel Grandland Hybrid 145 PS EDCT (4,60 Liter/100 km). Selbst ein Lademeister wie der  Skoda Octavia Combi 1.0 e-TEC DSG war mit  4,05 Liter/100 km deutlich sparsamer. Wir sehen also, welche Auswirkungen die kastenförmige Aerodynamik auf den Verbrauch hat.

Nahezu unendlicher Platz für viel Flexibilität

Das von mir gefahrene Auto ist ein Ford Tourneo Courier 1.0 EcoBoost mit 125 PS. Also die Version mit Dreizylinder-Turbobenziner und 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik. Die Ausstattungslinie Active bringt serienmäßig bereits mehrere spezifische Styling-Details mit, 17-Zoll-Leichtmetallräder, silberne Dachreling, abgedunkelte hintere Scheiben, Rückfahrkamera, vordere Parksensoren, Klimaautomatik, einen 8-Zoll-Touchscreen im Armaturenbrett sowie adaptiven Tempomaten.

Einige kostenpflichtige Optionen wie der Metallic-Lack "Bursting Green", das kontrastierende weiße Dach, LED-Tagfahrlicht und das Winter Pack heben den Listenpreis auf 30.850 Euro (in Italien). Das erscheint mir angemessen für das, was dieser Hochdachkombi bietet: etwa praktische Schiebetüren hinten, die große nach oben öffnende Heckklappe (die allerdings etwas Abstand hinter dem Fahrzeug zum Öffnen braucht), überdurchschnittlich viel Licht im Innenraum und den riesigen Laderaum, der von 570 Litern Grundvolumen auf bis zu 2.162 Liter wächst, wenn man die Rücksitze nach vorn umklappt.

Unterm Strich passt in den Tourneo Courier wirklich fast alles. Der Kasten sorgt natürlich für einige Windgeräusche. Hinzu kommen ein eher straffes Fahrwerk und ein Fahrgefühl, das mir trotz des sehr angenehmen Schaltkomforts der Automatik noch ausbaufähig erschien. Der Motor zieht ordentlich durch und passt für die meisten Situationen, zeigt aber einen deutlichen Durst, wodurch der Tourneo Courier eher an ein Nutzfahrzeug erinnert als an einen klassischen Pkw oder SUV.

Verbrauch über dem Durchschnitt

Die "kastenförmige" Silhouette und die große Frontscheibe, die bis zum erhöhten Dach reicht, helfen weder der Aerodynamik noch dem Verbrauch. In typischen Nutzungsszenarien steigt der Verbrauch spürbar - vor allem auf der Autobahn.

Im gemischten Stadt-/Umlandstraßenbetrieb liegt der Verbrauch dagegen nicht über dem vieler größerer Kompakt-SUV. Der 45-Liter-Tank trägt dennoch dazu bei, dass die Reichweite im Alltag meist bei über 500 Kilometern liegt - mit Spitzen jenseits der 900 Kilometer auf für den Verbrauch idealen Strecken, etwa flachen Überlandpassagen.

Verbrauch in verschiedenen Fahrsituationen

  • Stadt-Umland-Mix: 7,2 Liter/100 km
    621 km theoretische Reichweite
  • (italienische) Autobahn: 9,8 Liter/100 km
    459 km theoretische Reichweite
  • Spritspartest: 4,6 Liter/100 km
    976 km theoretische Reichweite

Aus dem offiziellen Datenblatt

  Ford Tourneo Courier 1.0 EcoBoost 125 PS Powershift Active
Antrieb Hybrid (Benzin, 999 cm³)
Leistung 91,90 kW
CO₂-Emissionen (WLTP) 157 g/km
Typgenehmigung Euro 6E-BIS

Daten des Testfahrzeugs

Fahrzeug:  Ford Tourneo Courier  1.0 EcoBoost 125 PS Powershift Active
Grundpreis in Italien: 28.900 Euro
Testdatum: 20. Februar 2026
Wetter (Start/Ziel): Regen, 15Grad / Bewölkt, 9 Grad
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 71 km/h
Reifen: Goodyear UltraGrip Performance 3 - 215/55 R17 94H M+S (EU-Label: C, B, 70 dB)

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer:  6,3 Liter/100 km
An der Zapfsäule:  6,3 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,679 Euro/Liter (Benzin)
Reale Kosten:  38,08 Euro

Zur Rom-Forlì-Fahrt gibt es außerdem eine aktualisierte Verbrauchs-Rangliste. Ein Blick lohnt sich - dort finden sich einige Überraschungen.

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie eine Freundin oder einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, wird Ihnen wahrscheinlich ein Wert genannt, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht wurde der Wert vom Bordcomputer abgelesen oder die Tankrechnungen wurden aufbewahrt und daraus ein Verbrauch errechnet.

Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).

Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke von Rom nach Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.

Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert.

© Motor1.com
Autor: Fabio Gemelli