Boschert B300 Biturbo Gullwing (1989): Vom W124 zum Flügeltürer

Das Unikat basiert auf einem Mercedes 300 CE und wird demnächst versteigert. Billig ist es nicht

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Zu den spannendsten Exponaten beim Concorso dEleganza Villa dEste 2026 zählt ein echtes Unikat: der Boschert B300 Biturbo Gullwing von 1989. Das Einzelstück, von Broad Arrow Auctions auf 475.000 bis 525.000 Euro geschätzt, gilt als eine der gewagtesten Neuinterpretationen des legendären Mercedes-Benz 300 SL "Gullwing - einer Ikone des Automobilbaus der 1950er-Jahre.

Basis des Flügeltürers ist ein Mercedes 300 CE der Baureihe C124. Der B300 Gullwing geht auf die Vision des deutschen Ingenieurs Hartmut Boschert zurück, der einen modernen Sportwagen schaffen wollte, der sich an Linien und technischen Lösungen der Vergangenheit orientiert - konsequent im Stil der 1980er-Jahre neu gedacht.

Boschert B300 Biturbo Gullwing (1989)

Die Firma Boschert hatte ihren Sitz in Emmendingen. Der "Autokatalog" des Modelljahres 1991 vermerkt dazu wörtlich: "Angefangen hat der Designer H. Boschert mit gerippten Seitenteilen und einem dezenten Frontspoiler für die Modellreihe W 124. [...] Zwei Modelle befinden sich im Boschert-Programm - der B 300 Flügeltürer und der B 300-24 C Biturbo. [...] Der B 300-24C Biturbo unterscheidet sich von seinem Schwestermodell nur durch die konventionellen Türen." 

Auf der IAA in Frankfurt im Jahr 1989 vorgestellt, ist der B 300 Gullwing ein echtes Schaustück für Stil und Technik. Die Karosserie wurde komplett neu gezeichnet: Die Front zitiert den kurz zuvor in Genf präsentierten SL der Baureihe 129, während Dach und Heck gekürzt wurden, um eine niedrigere, gestrecktere Silhouette zu erzielen. Auf den Mercedes-Stern musste Boschert aber verzichten.

Das prägendste Merkmal sind jedoch die Flügeltüren mit elektrohydraulischer Betätigung - eine Lösung, die dieses Einzelstück selbst innerhalb der Boschert-B300-Familie heraushebt, da fast alle anderen B300 mit konventionellen Türen ausgeliefert wurden.

Das Ergebnis ist ein Coupé mit eigenwilliger Eleganz. Lackiert ist es zweifarbig in Bornit-Metallic und Violett-Grau, dazu passende Interieurs, die den souveränen Mercedes-Stil jener Zeit aufgreifen.

Bilder von: Broad Arrow Auctions

Unter der Haube arbeitet ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder aus der M103-Familie von Mercedes-Benz, ergänzt um ein sequenzielles Biturbo-System. Die Leistung liegt bei 283 PS (208 kW) - ausgelegt auf spontanes Ansprechen sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Drehzahlen. Im erwähnten Autokatalog von 1991 ist indes von 320 PS die Rede. 

Geschaltet wird über ein 5-Gang-Schaltgetriebe, das die Kraft an die Hinterräder weiterleitet und damit ein konsequent analoges Fahrerlebnis bewahrt. Eine Auslegung, die heute für Sammler und Enthusiasten als Pluspunkt gilt - gerade in Zeiten, in denen viele gezielt nach Fahrzeugen ohne übermäßige elektronische Eingriffe suchen.

Zum Zeitpunkt der Präsentation lag der Preis dieses Unikats mit 186.000 Mark deutlich über dem der teuersten Mercedes-Modelle im damaligen Programm (rund 130.000 DM kostete ein 500 SL) - ein klares Zeichen für Anspruch und Exklusivität des Projekts.

Nach dem Debüt in Deutschland blieb das Auto jahrelang im Herkunftsland, bevor es von einem Enthusiasten gekauft wurde, der es als Kind in einer Zeitschrift entdeckt hatte. Diese persönliche Verbindung trug dazu bei, den Wagen zu bewahren - über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg sorgfältig gepflegt.

Nach einem Besitzerwechsel im Jahr 2023 präsentiert sich der Wagen heute mit gut 39.000 km, die als original gelten. Dieser Wert steigert zusammen mit der absoluten Einzigartigkeit die Attraktivität auf dem Markt zusätzlich.

Die Auktion von Broad Arrow Auctions ist für Samstag, den 16. Mai 2026 in Cernobbio (CO) im Rahmen des Concorso dEleganza Villa dEste angesetzt. Die Schätzung liegt - wie erwähnt - bei 475.000 bis 525.000 Euro.

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Autor: Fabio Gemelli