Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Das trifft bei dem Auto, welches Sie oben sehen, äußerst treffend zu. Der Audi Q9 ist das neue Full-Size-SUV der Marke, komplett ohne Tarnung werden wir es aber erst Ende Juli 2026 zeigen dürfen. Einen Vorgeschmack gibt es schon jetzt. Nämlich den Innenraum in voller Pracht. Wir durften dort bereits Platz nehmen.
Was ob der erstmals bei Audi verwendeten Ziffer und trotz aller Tarnung natürlich sofort auffällt: Ein Kleinwagen ist der neue Q9 nicht. Das Fahrzeug ist für die Nutzung durch Familien, für geschäftliche Zwecke und für Langstrecken konzipiert. Hinter den erstmals elektrisch angetriebenen Türen bietet das Modell bis zu sieben Sitzplätze, einen Zugang zur dritten Reihe sowie ein Panorama-Schiebedach mit schaltbarer Transparenz und integrierter Beleuchtung. Ein neues 4D-Soundsystem ergänzt die Ausstattung.
Wir durften uns im Siebensitzer umschauen. Was sofort positiv auffällt: Es gibt solide Bügeltürgriffe. Gut so! Überhaupt ist "solide" ein gutes Stichwort. Wurde beim A5 noch die Innenraumqualität bekrittelt, merkt man im Q9, dass sich Audi spürbar Mühe gegeben hat. Der Anteil an Klavierlack ist starl reduziert worden.
Bei der Materialauswahl stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter Stoff- und Holzapplikationen, Wolle wie Alpaka, Mikrofaser sowie verschiedene Lederarten wie Feinnappa. Dekore aus Esche, Linde oder Carbon sowie matte Oberflächen sollen Fingerabdrücke reduzieren und die Wertigkeit erhöhen.
Bilder von: Audi
Das fasst sich gut an und ist noch besser verarbeitet. Einzig die Rahmen der Cockpitdisplays (wie man sehen kann, sind es drei an der Zahl) dürften nach meinem Geschmack etwas hochwertiger sein. Im A6 hatte man es nachträglich eingeführt, der Q9 hat von Beginn an Drehregler im Lenkrad. Schade, dass sie nicht aus Metall sind. Auch die flankierenden Touchflächen bieten noch Modellpflege-Potenzial. Vom neuen Q3 bekannt sind die Lenkstockhebel. Sie sehen auf den ersten Blick eigenwillig aus, lassen sich aber gut bedienen.
Einen kleinen Wink auf einen der Q9-Zielmärkte gibt die Aussage, in die Cupholder passten auch die sogenannten "Stanley Cups". Wer es nicht kennt: Das sind ziemlich große Plastikbecher mit Henkel und integriertem Strohhalm (siehe Foto). Die Innenraumbeleuchtung umfasst Konturlicht in der Schalttafel und den Türen sowie ein indirektes Licht unter dem Panoramadisplay und in der Mittelkonsole. Das dynamische Interaktionslicht (IAL) erstreckt sich als LED-Band über die gesamte Breite des Interieurs und reagiert auf Fahrzeugfunktionen.
Bilder von: Audi
Der Innenraum verfügt zudem über eine variable Mittelkonsole mit zwei kabellosen Ladeplätzen nach Qi2.2-Standard und USB-C-Anschlüssen mit bis zu 100 Watt. Watt auf die Ohren gibt es im Q9 nicht zu knapp. In Kombination mit dem "Bang & Olufsen Premium Soundsystem mit 4D-Klang" passt das Interaktionslicht seine Farbgebung an die jeweilige Musik an. Das System nutzt Kopfstützenlautsprecher für personalisierte Ansagen und Telefonie sowie Aktuatoren in den Vordersitzen, die Vibrationen passend zur Musik erzeugen. Ob man das braucht sei dahingestellt, der Klang hat im Test jedenfalls Konzertsaalniveau.
Sechs Personen passen in den von mir getesteten Audi-Saal. Wie schon erwähnt, schiebt, klappt und faltet hier fast alles elektrisch. Fangen wir hinten an: Konkrete Werte zum Kofferraumvolumen verrät Audi noch nicht, aber selbst bei aufgestellter dritter Sitzreihe ist noch genug Platz übrig. Obwohl der jeweilige Sitz in Reihe Zwei vorklappt, flutscht das Entern für große Personen wie mich nicht wirklich. Einmal auf den hintersten Plätzen angekommen, sitze ich dort mit 1,88 Meter überraschend gut. München - Hamburg müsste es vielleicht nicht sein, aber bis Ingolstadt würde ich hier locker durchhalten.
Bilder von: Audi
Vermutlich tummelt sich in der dritten Reihe aber primär die F-Jugend oder das Pubertier. Oder gar das Haustier, dann sollte man die Lederpolsterung besser gut abdecken. Ohne Fehl und Tadel sind die Einzelsitze in der zweiten Reihe (Captain's Chairs) und ganz vorne.
Das serienmäßige Panorama-Schiebedach hat eine Fläche von rund 1,5 Quadratmetern. Durch neun einzeln ansteuerbare Segmente im Verbundsicherheitsglas lässt sich die Transparenz per Knopfdruck regulieren. Das beschichtete Glas reflektiert Infrarot-Strahlung und blockt über 99,5 Prozent der UV-Strahlung, wodurch ein klassisches Rollo entfällt. Beim Abstellen des Fahrzeugs wechselt das Dach automatisch in den intransparenten Zustand. In der höchsten Ausstattungsstufe ist das Dach mit 84 LEDs beleuchtet, deren Farbe auf das Ambientelicht abgestimmt werden kann.
Im Kofferraum dient ein Aluminiumschienensystem mit verschiebbaren Haken der Ladungssicherung. Ein Dachträger für die Dachreling gehört zum serienmäßigen Lieferumfang. Weitere Details zum Fahrzeug werden bei der Weltpremiere am 29. Juli 2026 veröffentlicht.








