Miko Marczyk hat es wieder getan. Nachdem der polnische Rallyefahrer im vergangenen Jahr mit einem Skoda Superb Diesel beeindruckende 2.831 Kilometer mit einer einzigen Tankfüllung zurückgelegt hatte, hat er nun einen weiteren Guinness-Weltrekord für Serienfahrzeuge aufgestellt.
Diesmal tauschte er Diesel gegen Strom und holte 1.338 Kilometer Reichweite aus einem Auto mit deutlich komplizierterem Namen: dem Audi A6 Sportback e-tron.
Ja, derselbe Miko Marczyk aus unserer früheren Geschichte steckt hinter diesem jüngsten Effizienz-Stunt. 2025 fuhr der amtierende Rallye-Europameister mit einem Superb der vierten Generation (genau genommen der fünften, wenn man das Modell aus den 1930er- und 1940er-Jahren mitzählt) quer durch Europa und zurück. Und zwar mit einem Durchschnittsverbrauch von nur 2,61 Liter je 100 Kilometer. Nun ist er mit einer völlig anderen Reichweiten-Herausforderung zurück, bleibt aber innerhalb des Volkswagen-Konzerns.
Diesmal setzte sich Marczyk ans Steuer des großen Audi-Schrägheckmodells, das nach WLTP bis zu 777 km Reichweite bietet. Der Rallyefahrer kam jedoch rund 72 Prozent weiter als die offizielle Angabe. Der Rekordversuch begann am 11. September um 1:55 Uhr in Polen. Marczyk fuhr entlang der Weichsel, passierte Krakau, Sandomierz, Warschau, Toruń und Grudziądz, bevor er Hel an der Ostsee erreichte. Anschließend drehte er um und folgte weitgehend derselben Route zurück. Mehr als 45 Stunden nach dem Start ging dem A6 schließlich irgendwo zwischen Toruń und Ciechocinek der Strom aus.
Kein Schummeln
Und nein, diese Zahl kam nicht zustande, weil der Audi für die halbe Strecke auf einen Anhänger geladen wurde. Das Auto blieb auf öffentlichen Straßen und musste mit normalem Verkehr zurechtkommen, einschließlich Berufsverkehr. Die Durchschnittstemperatur lag bei etwa 15 Grad Celsius, während der Fahrt sank sie zeitweise auf bis zu 7 Grad Celsius.
Die eigentlich absurde Zahl ist der Energieverbrauch. Marczyk kam im Schnitt auf nur 7,09 kWh je 100 km, weniger als die Hälfte des offiziellen kombinierten Verbrauchswerts des A6 Sportback e-tron. Das ist ein Wert, den man erreicht, wenn ein professioneller Rallyefahrer plötzlich beschließt, dass ein zu beherzter Tritt aufs Fahrpedal eine persönliche Beleidigung ist.
Es liegt nicht nur am Fahrer, sondern auch am Auto
Natürlich verdient auch der Audi selbst Anerkennung. Der A6 Sportback e-tron hat einen cW-Wert von 0,21 und ist damit das aerodynamischste Serienauto der Marke. Hinzu kommt ein großer Akku mit 94,9 kWh Nettokapazität, während die Rekuperation bis zu 220 kW leisten kann. Die Vier Ringe geben an, dass rund 95 Prozent aller alltäglichen Bremsvorgänge über Rekuperation abgedeckt werden können.
Marczyk teilte außerdem die üblichen Gebote des Hypermiling: das Auto kennen, die Rekuperation intelligent nutzen, auf den richtigen Reifendruck achten, den Verkehr vorausschauend lesen und unnötiges Beschleunigen und Bremsen vermeiden. Anders gesagt: Ein Elektroauto sollte man nicht fahren, als hätte man es gerade gestohlen.
Der absolute Rekord ist es nicht
Ein wichtiger Sternchen-Hinweis bleibt allerdings: Das ist nicht der absolute Guinness-Weltrekord für die größte Distanz, die ein Elektrofahrzeug mit einer einzigen Ladung zurückgelegt hat. Dieser Titel gehört derzeit dem TUfast Eco Team, das im September 2023 in Deutschland mit seinem winzigen Prototyp "muc022" 2.573,79 km schaffte.
Marczyks Fahrt stellt daher einen Rekord für Serienfahrzeuge auf, nicht den absoluten Distanzrekord. Trotzdem: Mit einem elektrischen Audi auf öffentlichen Straßen 1.338 Kilometer zu fahren, ist für sich genommen schon ziemlich außergewöhnlich.
Indes: Bei Rekorden wie diesem gibt es viele Einschränkungen. Niemand sollte erwarten, einen A6 e-tron zu kaufen, mit 777 km Reichweite vom Händler zu fahren und dann entspannt 1.338 km ohne Laden zurückzulegen. Marczyk verbrachte mehr als 45 Stunden am Steuer und optimierte bewusst jeden Aspekt der Fahrt, was vermutlich ziemlich anstrengend war. Das ist vom normalen Autofahren ungefähr so weit entfernt wie eine Rallyeprüfung von einer Sonntagsausfahrt.
Trotzdem sind solche extremen Effizienzfahrten interessant, weil sie zeigen, was möglich ist, wenn man den größten Feind der Reichweite eliminiert: ineffizientes Fahren. Der A6 Sportback e-tron hat bereits eine außergewöhnlich strömungsgünstige Karosserie und eine große Batterie. Marczyks Ergebnis zeigt jedoch, wie drastisch sich der Verbrauch verändern kann, wenn der Fahrer jede Kilowattstunde als kostbar behandelt.








