Opel präsentiert den neuen Corsa GSE im Oktober auf dem Pariser Autosalon. Es gibt viele Möglichkeiten, ein neues Auto zu einer Messe zu bringen. Opel hat sich für eine interessante entschieden und uns eingeladen, den neuen Corsa GSE dort abzuholen, wo er gebaut wird. 1.555 Kilometer liegen zwischen dem Werk bei Saragossa und dem Pariser Autosalon. Mehr als genug, um Opels neustem Elektrosportler auf den Zahn zu fühlen.
Der Corsa GSE ist mit 207 kW, also 281 PS, nicht nur der stärkste Serien-Corsa bisher, sondern beschleunigt mit 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h auch schneller als jeder andere aktuelle Serien-Opel. 345 Nm treffen ausschließlich auf die Vorderachse. Dazu gibt es einen 54-kWh-Akku, ein tiefergelegtes Fahrwerk und ein mechanisches Torsen-Sperrdifferenzial.
Das klingt nach reichlich Technik für einen Kleinwagen, der uns in den kommenden vier Tagen durch zwei Länder bringen soll. Von Saragossa geht es über Jaca und Pamplona durch die Pyrenäen, anschließend über Saint-Jean-de-Luz, Biarritz, Biscarrosse und Bordeaux nach Norden. Über Nantes, Angers und Tours erreichen wir schließlich Paris.
Saragossa ist das spanische Rüsselsheim
Bevor wir starten, geht es ins Werk nach Figueruelas vor den Toren Saragossas. Der Corsa und dieser Ort gehören seit 1982 zusammen. Das Werk wurde damals für den ersten Corsa eröffnet, alle sechs Generationen liefen hier vom Band. Schon Ende 2021 hatte Saragossa elf Millionen Corsa produziert. Also "Corsahausen" gewissermaßen oder grob landessprachlich: Casa de Corsa.
Das merkt man vor Ort schnell. Opel ist hier nicht irgendein Logo an einem Fabriktor, sondern gehört zur Region. Unser Begleiter im Werk ist Spanier und Opelaner mit einer Begeisterung, die man sonst eher in Rüsselsheim erwarten würde. Im Foyer stehen Corsa aus mehreren Generationen. Man ist stolz auf das Auto und darauf, dass es von hier aus seit mehr als vier Jahrzehnten in alle Welt geht.
Wir übernehmen unseren GSE mit vollem Akku. Von außen macht er aus seiner Sonderstellung kein Geheimnis, schreit sie aber auch nicht heraus. Andere Schürzen, schwarze Anbauteile, Heckspoiler und 18-Zoll-Räder reichen völlig. In unserem hellen Grau wirkt er sportlich, aber nicht so, als müsste er unbedingt jedem Passanten erklären, wie viel Leistung er hat.
Von der trockenen Ebene in die Pyrenäen
Hinter Saragossa wird die Landschaft schnell leer. Trockene Flächen reichen bis zum Horizont, weit vor uns stehen die Pyrenäen. Nach dem Verkehr der Stadt hat diese Weite etwas angenehm Beruhigendes. Der Corsa passt zunächst ebenfalls in diese Stimmung. Im normalen Fahrmodus ist er leise und unkompliziert, fast erstaunlich unauffällig für ein Auto mit 281 PS.
Das ändert sich, sobald die Straße interessanter wird. Richtung Jaca rücken die Berge näher, die Kurven nehmen zu und der Sportmodus wird plötzlich wesentlich überzeugender als auf einer geraden Ausfallstraße. Das Ansprechverhalten wird sehr direkt. Ein kurzer Druck aufs Fahrpedal reicht und der kleine Opel schiebt vehement an.
Noch interessanter ist, was an der Vorderachse passiert. Das Torsen-Sperrdifferenzial reduziert das typische Leistungsuntersteuern eines kräftigen Fronttrieblers deutlich. Unter Zug schiebt der Corsa nicht stumpf über die Vorderräder nach außen, sondern zieht sich regelrecht in die Kurve hinein. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an und sorgt auf den Bergstraßen für reichlich Unterhaltung.
Das Lenkrad besser festhalten
Geschenkt bekommt man diesen Effekt nicht. Wer kräftig beschleunigt und gleichzeitig viel Lenkwinkel anlegt, sollte beide Hände dort haben, wo sie hingehören. Das Sperrdifferenzial arbeitet deutlich spürbar, und die Lenkung kann unter Last energisch in Richtung Kurveninneres ziehen. Ähnliche Reaktionen kennen wir bereits von Alfa Romeo Junior Veloce und Abarth 600e.
Grip gibt es reichlich. Opel stellt den GSE auf Michelin Pilot Sport 4S im Format 215/40 R18, dazu kommen spezifische Achsen, Stabilisatoren und Hydro-Stoßdämpfer. Das Ergebnis ist ein Auto, das sich auf gutem Asphalt mit erstaunlicher Konsequenz festbeißt. Den Komfort haben die Entwickler dabei allerdings nicht zur obersten Priorität erklärt.
| Technische Daten | Opel Corsa GSE |
| Antrieb | Elektro, Frontantrieb |
| Leistung | 207 kW (281 PS) |
| Drehmoment | 345 Nm |
| 0-100 km/h | 5,5 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| Batterie | 54 kWh brutto, 51 kWh nutzbar |
| DC-Ladeleistung | bis 100 kW |
| Differenzial | Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial |
| Reifen | Michelin Pilot Sport 4S, 215/40 R18 |
Der GSE ist straff. Sehr straff. Querfugen, schlechte Straßen und kurze Unebenheiten meldet er zuverlässig weiter, auf welligem Asphalt hoppelt die Karosserie auch mal. Das erinnert tatsächlich an alte Hot Hatches, bei denen niemand versuchte, Sportlichkeit unter einer dicken Komfortschicht zu verstecken. Dafür liegt der Corsa in schnellen Kurven ausgesprochen satt.
Pamplona, eine Tiefgarage und die erste Ladesäule
Über Jaca geht es weiter nach Pamplona. Die spanische Seite der Pyrenäen bleibt lange karg, mit Stauseen, kleinen Orten und Straßen, die sich durch die Berge ziehen. Hinter den höheren Lagen verändert sich die Landschaft. Es wird grüner, dichter bewachsen, und irgendwann verschwindet die trockene Weite Aragoniens vollständig.
In Pamplona folgt der weniger romantische Teil eines Elektro-Roadtrips. Laden in einer Tiefgarage. Die Technik sieht modern aus, das Ergebnis ist weniger beeindruckend. Auch das gehört zu 1.555 Kilometern mit einem Elektroauto. Nicht jeder Ladestopp findet vor hübscher Kulisse statt, und nicht jede Säule liefert das, was man sich beim Einstecken erhofft.
Später passieren wir die Grenze Richtung Frankreich. Saint-Jean-de-Luz liegt bereits nahe am Atlantik, und plötzlich fühlt sich die Reise komplett anders an. Surfer, grüne Hänge und Meer ersetzen die trockenen Berge. Der Kontrast innerhalb eines einzigen Reisetages könnte kaum größer sein.
Biarritz und die Suche nach gutem Kaffee
Biarritz verstärkt dieses Gefühl noch. Der elegante Badeort mit seinen Hotels, Restaurants und Cafés wirkt an diesem Tag angenehm entspannt. Vor der Küste liegen mehr Surfer im Wasser, als wir zählen möchten. Die Wellen liefern wenigstens zuverlässig ab. Beim Kaffee sieht die Sache schwieriger aus.
Unser Fotograf ist fanatischer Kaffeetrinker und entwickelt im Laufe der Reise einen erstaunlichen Ehrgeiz bei der Suche nach einem wirklich guten Exemplar. Frankreich macht es ihm nicht leicht. Das sorgt regelmäßig für enttäuschte Gesichter, aber auch für Stopps, die wir ohne diese Mission vermutlich nie gemacht hätten.
Nördlich von Biarritz wird die Küste ruhiger. Pinienwälder begleiten die Straße, dazwischen liegen Seen, die teilweise so groß wirken, dass man sie zunächst für Meeresbuchten hält. Der Corsa passt gut auf diese kleinen Straßen. Er ist kurz, übersichtlich und schnell genug, dass Überholen selten lange vorbereitet werden muss.
Sand statt Asphalt
Bei Biscarrosse folgt einer der ungewöhnlichsten Stopps der Tour. Die Dune du Pilat erhebt sich zwischen Pinienwald und Atlantik. Sie ist Europas höchste Sanddüne und misst je nach Vermessung mehr als 100 Meter Höhe. Wer oben steht, schaut auf der einen Seite über Wald, auf der anderen über die Bucht von Arcachon und den Atlantik.
Nach so viel Landschaft fällt auf, dass der Corsa auch abseits der schnellen Passagen gut funktioniert. Die Performance-Sitze sehen mit ihren hohen Seitenwangen zunächst nach einem Instrument aus, das den Einstieg erschweren und danach möglichst wenig Bewegung erlauben möchte. Ersteres stimmt. Zweiteres nur teilweise.
Hat man die Seitenwangen überwunden, sitzen die Schalen erstaunlich bequem. Sie halten den Körper in Kurven hervorragend fest, ohne auf langen Strecken zu drücken. Gerade auf einem Roadtrip ist das wichtiger als jede Zehntelsekunde auf irgendeinem Rundkurs. Mehrere Stunden am Stück funktionieren problemlos.
Zu dritt im kleinen Corsa
Auch beim Gepäck überrascht der Opel. Wir sind zu dritt unterwegs und haben entsprechend viel Zeug dabei. Eine Hälfte der im Verhältnis 40 zu 60 teilbaren Rückbank wird umgelegt, Gepäck nach vorne durchgeladen, daneben bleibt Platz für Person Nummer drei. Mit etwas Rücksicht vom Vordersitz funktioniert das selbst über längere Distanzen erstaunlich gut.
Vorne gibt es ohnehin wenig Anlass zur Klage. Die Sitzposition passt, Platz ist ausreichend vorhanden. Im Cockpit finden sich GSE-Grafiken und Performance-Anzeigen mit Beschleunigungswerten, G-Kräften und Batteriedaten. Gelbe Details und Nähte lockern das bekannte Corsa-Interieur auf. Beim Fahrwählhebel und den Schaltern lässt sich die Stellantis-Verwandtschaft allerdings nicht übersehen.
Auch beim Material macht der Corsa keine Anstalten, seine Kleinwagenherkunft zu verleugnen. Hartplastik gibt es reichlich. Die Verarbeitung passt aber, und wichtiger noch, nichts versucht krampfhaft, einen Luxusanspruch vorzutäuschen, den so ein Auto gar nicht braucht.
Bordeaux und dann Kilometer machen
Nach der Atlantikküste erreichen wir Bordeaux. Alte Fassaden, breite Plätze und kleine Gassen liefern noch einmal reichlich Gründe, den Corsa irgendwo abzustellen und zu Fuß weiterzugehen. Danach wird die Reise pragmatischer. Über Nantes geht es Richtung Angers und Tours. Wir müssen Strecke machen, also verbringen wir deutlich mehr Zeit auf der Autobahn.
Hier zeigt der GSE eine andere Seite. Die Assistenzsysteme funktionieren ordentlich, das Auto läuft stabil und der elektrische Antrieb hält sich akustisch weitgehend zurück. Nur bei bestimmten Geschwindigkeiten mischt sich ein hochfrequentes Pfeifen in den Innenraum, das für unsere Ohren aus dem Bereich des Antriebs kommt. Gerade weil es sonst so ruhig ist, fällt es umso mehr auf.
Beim Tempo zeigt sich außerdem die klassische Elektroauto-Rechnung. 130 km/h sind kein Problem, aber der Verbrauch steigt sichtbar und der 51 kWh netto große Akku leert sich entsprechend schneller. Irgendwann pendeln wir uns eher bei 110 km/h ein. Das reicht, um deutlich mehr als 200 Kilometer zwischen den Stopps zu schaffen und bringt mehr Ruhe in die Reise.
Neun Ladestopps und eine Blockiergebühr
Am Ende stehen neun Ladestopps in unserer Abrechnung. Insgesamt fließen 264,72 kWh durch die Säulen, bezahlt haben wir 182,86 Euro. Darin stecken allerdings auch zwölf Euro Blockiergebühr. Eine dieser kleinen Erinnerungen daran, dass beim Laden nicht nur der Strompreis zählt.
| Roadtrip-Daten | Saragossa - Paris |
| Route | Saragossa - Jaca - Pamplona - Saint-Jean-de-Luz - Biarritz - Biscarrosse - Dune du Pilat - Bordeaux - Nantes - Angers - Tours - Paris |
| Gesamtstrecke | 1.555 km |
| Reisedauer | 4 Tage |
| Ladestopps | 9 |
| Geladene Energie | 264,72 kWh |
| Ladekosten gesamt | 182,86 Euro |
| Davon Blockiergebühr | 12 Euro |
| Verbrauch laut Bordcomputer | 18,2 kWh/100 km |
Wie lästig eine Pause ist, hängt ohnehin weniger von ihrer exakten Dauer ab als vom Ort. Steht das Auto in einer hübschen französischen Stadt an der Säule und nebenan wartet ein Café, interessiert eine halbe Stunde niemanden. Auf einem leeren Supermarktparkplatz nach Ladenschluss können dieselben 30 Minuten erstaunlich lang werden.
Der Bordcomputer zeigt nach der gesamten Reise 18,2 kWh/100 km. Für 281 PS, Autobahn, Bergstraßen, Stadtverkehr und einige Passagen, bei denen der Sportmodus nicht nur theoretisch vorhanden war, geht das in Ordnung. Der offizielle WLTP-Wert liegt bei 16,0 bis 17,0 kWh/100 km.
Angers statt Autobahnraststätte
Angers ist einer dieser Stopps, bei denen man sich fragt, warum man nicht einfach länger bleibt. Alte Kirchen, massive historische Mauern und die Lage am Wasser liefern ziemlich genau das Frankreich, das man sich bei der Planung eines Roadtrips erhofft. Draußen sitzen, etwas essen und für eine Weile vergessen, dass noch Kilometer vor einem liegen.
Tours wird unser letzter Übernachtungsort vor Paris. Am nächsten Morgen fahren wir früh an die Loire. Über dem Wasser liegt noch Nebel, das Licht ist weich, die Stadt kaum wach. Nach Autobahn, Ladestationen und einigen ziemlich langen Tagen ist das einer dieser Momente, bei denen plötzlich niemand mehr auf Reichweite oder Ankunftszeit schaut.
Danach bleibt allerdings keine Ausrede mehr. Paris wartet, und damit ausgerechnet jener Ort, für den dieser Roadtrip überhaupt geplant wurde.
Der Corsa mag Paris
Die letzte Etappe besteht wieder größtenteils aus Autobahn. Genau dort zeigt sich vielleicht am deutlichsten, dass Opel aus dem Corsa GSE keine reine Krawallmaschine gemacht hat. Er kann hart sein, er kann an der Vorderachse zerren und im Sportmodus sehr vehement werden. Er kann aber ebenso einfach mit 110 km/h Kilometer sammeln.
Paris verändert seinen Charakter sofort wieder. Enge Straßen, dichter Verkehr, spontane Spurwechsel und Parklücken, bei denen man mit einem großen SUV gar nicht erst anfangen möchte. Der Corsa wuselt durch dieses Durcheinander, als hätte jemand die Stadt bei seiner Entwicklung als Referenz verwendet.
Am Arc de Triomphe wird es wie üblich lebhaft, am Louvre nicht wesentlich ruhiger. Rund um den Eiffelturm und über die Seine-Brücken zahlt sich jeder Zentimeter weniger Karosserie aus. Schnell wenden, irgendwo hineinschlüpfen, eine enge Lücke nutzen: Hier ist ein knapp über vier Meter langer Kleinwagen schlicht angenehmer als ein großes Auto.
281 PS braucht Paris nicht, Spaß machen sie trotzdem
Natürlich braucht niemand 281 PS, um in Paris zur nächsten Ampel zu kommen. Aber genau diese Kombination macht den GSE interessant. In der Stadt ist er immer noch ein Corsa. Kompakt, praktisch, leise und einfach zu rangieren. Sobald die Straßen frei werden, steckt darunter ein Antrieb, der das Auto mit erstaunlicher Härte nach vorne zieht.
Dabei ist er kein elektrischer Nachfolger der besonders wilden Kleinwagen vergangener Jahrzehnte. Der Peugeot 205 GTI war seinerzeit extrovertierter, und innerhalb des heutigen Stellantis-Konzerns dürfte der neue Peugeot 208 GTI diese Rolle ebenfalls offensiver interpretieren. Der Opel bleibt vergleichsweise nüchtern.
Das macht ihn allerdings nicht weichgespült. Fahrwerk, Sperre und Reifen sind ernst gemeint. Wer einen komfortbetonten elektrischen Corsa sucht, wird anderswo in der Baureihe glücklicher. Wer sich noch an Corsa GSi, Clio 16V oder frühe Golf GTI erinnert, erkennt dagegen durchaus die alte Idee wieder: kleines Auto, straffes Fahrwerk, wenig Distanz zwischen Fahrer und Straße.
Endlich guter Kaffee
Und dann ist da noch diese Sache mit dem Kaffee. Nach vier Tagen, zahlreichen Versuchen und einigen bemerkenswert enttäuschenden Tassen findet unser Fotograf tatsächlich ein kleines Café in Paris, das seine Erwartungen erfüllt. Der Corsa steht draußen, wir sitzen endlich mit vernünftigem Kaffee da und haben das Ziel praktisch vor Augen.
Von dort geht es weiter zur Porte de Versailles. Genau hier wird Opel den Corsa GSE im Oktober auf dem Pariser Autosalon öffentlich zeigen. Die Messe läuft vom 12. bis 18. Oktober 2026, die Opel-Pressekonferenz ist für den 12. Oktober angesetzt.
Hinter uns liegen 1.555 Kilometer vom Werk in Saragossa bis Paris, neun Ladestopps, trockene Ebenen, Pyrenäen, Atlantikküste, Sanddüne, Autobahnen und eine erstaunlich hartnäckige Kaffeesuche. Hat sich der Trip gelohnt? Auf jeden Fall, denn neben tollen Eindrücken haben wir auch die Erkenntnis mitgenommen, dass der kleine Corsa erstaunlich viel drauf hat.








