Opel Monza GSE (1986) im Fahrbericht: Ober-Opel mit Klasse

Mit 180 PS und Digitalcockpit war man vor 40 Jahren der König der Autobahn

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Manchmal vergisst man, wie mutig Opel in den 1980er-Jahren sein konnte. Während heute Nischenmodelle im SUV-Einerlei untergehen, stellte Rüsselsheim 1983 ein Auto auf die Räder, das Selbstbewusstsein und Technikbegeisterung ausstrahlte: den Monza GSE.

Als Spitzenmodell der überarbeiteten A2-Baureihe bildete der große Dreitürer die sportliche Speerspitze im Programm. Er war die Ansage an die Konkurrenz aus München und Stuttgart, dass man in Rüsselsheim nicht nur vernünftige Kadett und Rekord bauen konnte, sondern auch einen echten Gran Turismo der Oberklasse für die linke Spur der Autobahn.

Opel Monza GSE (1986) im Fahrbericht

Basierend auf der Technik von Rekord und Senator schnitt Opel dem Monza schon 1978 eine flache, elegante Fastback-Silhouette auf den Leib. Optisch orientierte man sich am ab 1974 gebauten Konzern-Namensvetter Chevrolet Monza, was sowohl die Silhouette als auch die breite B-Säule betraf.

Der GSE hob sich dabei optisch deutlich von den zivileren Ausführungen ab. Anthrazitfarbene Ronal-Alufelgen, dezent integrierte Seitenschweller, ein unaufgeregter Heckspoiler auf der riesigen Verbundglas-Heckklappe und dunkle Zierleisten gaben dem Wagen Präsenz, ohne krawallig zu wirken.

Science Fiction für die Augen

Stark konturierte Recaro-Sportsitze fixierten den Fahrer passgenau. Modell Schraubstock, wie ich im Selbstversuch feststelle. Das coolste Detail aber flimmert vor meiner Nase und macht den GSE zum "K.I.T.T." des Spießbürgers. Ab Ende 1983 wurden im Monza GSE erstmals bei Opel digitale Anzeigeinstrumente von VDO Automotive angeboten. Diese konnten (inoffiziell) wieder abbestellt werden. Später wurden diese im Kadett GSi in gleicher Form, aber mit kleineren Gehäuseabmessungen, serienmäßig eingesetzt. Die sonst üblichen Chromleisten waren beim GSE schwarz und anthrazit.

Opel Monza GSE 1986 im Fahrbericht

Unter der langen Haube des Ober-Monza arbeitete die stärkste Ausbaustufe des bewährten Reihensechszylinders. Aus 3,0 Litern Hubraum schöpfte der Sauger mit LE-Jetronic-Einspritzung stramme 180 PS sowie 248 Newtonmeter Drehmoment. In Kombination mit dem knackigen Fünfgang-Schaltgetriebe von Getrag beschleunigte der rund 1,4 Tonnen schwere Coupé-Klassiker in rund 8,5 Sekunden auf Tempo 100 und rannte bis zu 215 km/h schnell. Gegen Ende der Bauzeit im Jahr 1986 bot Opel den GSE auch mit geregeltem Katalysator an, was die Leistung allerdings auf 156 PS einbremste.

Eine feine Straßenlage

Ein serienmäßiges Sperrdifferenzial an der Hinterachse verhalf dem Hecktriebler zudem zu einer für damalige Verhältnisse bemerkenswert verbindlichen Straßenlage. Schon zur Premiere von Senator und Monza 1978 lobte die Presse das gelungene Fahrwerk. Senator A und Monza verfügten als erste Opel-Modelle über Einzelradaufhängung und Miniblockfedern an der Hinterachse.

Das spüre ich auch heute noch: Der Monza GSE fühlt sich in Zeiten von 2-Tonnen-Elektroautos erstaunlich leichtfüßig an und wetzt trotz seiner 4,72 Meter Länge behände durch Kurven. Dazu passt der elastische Reihensechser mit sämigem Lauf, aber durchaus zorniger Note im Endrohr. Exakt rasten die fünf Gänge ein, lediglich die Lenkung erscheint mir etwas zu leichtgängig. 

Opel Monza GSE 1986 im Fahrbericht

Knapp 49.000 DM kostete ein Opel Monza GSE zum Ende seiner Laufbahn. Zum Vergleich: Ein BMW 628 CSi kam auf satte 61.100 Mark, ein Mercedes 280 CE der Baureihe 123 notierte ohne Extras bei 45.885 Mark, ein Porsche 944 startete bei 50.950 DM.   

Heute ist der Monza GSE aus dem Straßenbild nahezu verschwunden. Der Rost sowie oft aufmotzende Schrauberhände forderten über die Jahrzehnte ihren Tribut. Doch gerade als gut erhaltenes Exemplar im Originalzustand erinnert der GSE daran, wie souverän Opel einst das Thema Oberklasse-Coupé besetzte.

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Autor: Roland Hildebrandt