Neuer Audi Q9 (2026) im Erstkontakt: Aufstieg für Audi

Mit 5,31 Meter ist er der größte Audi aller Zeiten - sagt Audi selbst.

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Warum steht der Hildebrandt in Schalke-Montur an diesem dicken SUV, werden Sie sich vermutlich fragen? Nun, das geht auf eine verlorene Wette zurück. Aber es passt sogar ganz gut. Denn auch Audi vollzieht mit dem neuen Q9 einen Aufstieg. Ob nun S04 oder Q9 mehr polarisieren, sei dahingestellt. Sehen wir uns daher die Fakten zum Q9 an und nehmen Platz. Davon gibt es dort fast so viel wie in der Veltins-Arena. 

Design/Abmessungen

Der neue Audi Q9 kommt imposant daher. Sie können es an meiner Person neben dem Fahrzeug erahnen, ich bin 1,88 Meter groß. Und natürlich ist der Q9 eng mit dem neuen Q7 verwandt. Aber 25 Zentimeter länger: Mit 5,31 Meter Länge, 2,21 Meter Breite (inklusive Außenspiegel), 1,81 Meter Höhe und einem Radstand von 3,14 Meter ist er der größte Audi aller Zeiten. (Abgesehen vom A8 L Extended, der es auf 6,36 Meter brachte, aber lediglich ein Unikat war.)

Audi Q9 (2026)

Die zwei Ausstattungslinien des Q9, Advanced als Serie und S line als Option, unterscheiden sich deutlich. Erstere besticht durch vertikale Lamellen im Singleframe-Grill, während das S-line-Exterieur die Sportlichkeit in den Fokus rückt. Einen SQ9 gibt es übrigens auch, er ist aber vorerst nicht für Europa vorgesehen. So wie Audi generell beim Q9 eher globale Märkte im Blick hat. Zwei Drittel der Produktion dürften außerhalb Europas verkauft werden. 

Bilder von: Audi

Wenden wir uns also dem "normalen" Q9 zu: Die Frontpartie integriert den Audi typischen Singleframe sowie die Scheinwerfer in eine einheitliche schwarze Maske. Der Kühlergrill reicht weit nach unten, optional ist ein beleuchteter Singleframe mit LED-Technologie für ein noch präsenteres Fahrzeugdesign bei Nacht erhältlich. Das soll an den ersten Q7 erinnern. Merke: Licht ist das neue Chrom.

Die Fensterlinie des Q9 verläuft gerade und unterstreicht damit die gestreckte Silhouette. Hinzu kommt eine kräftige Schulterlinie. Besonders im hinteren Kabinenbereich kommen der lange Radstand, der größere hintere Türbereich und der verlängerte Überhang zum Tragen und unterscheiden den Q9 vom Q7.

Aber es gibt auch deutliche Unterschiede zum Q7: Am Heck ist das Kennzeichen im Stoßfänger positioniert. Gebogene digitale OLED-Heckleuchten sind laut Audi der weltweit erste Einsatz dieser Technologie in einem Serienfahrzeug. Das Trägerglas ist lediglich 0,1 Millimeter dünn. Ein durchgehendes LED-Leuchtenband mit beleuchteten Audi-Ringen verbindet die beiden Rückleuchten.

Bilder von: Audi

Ein zweites lichttechnologisches Highlight im Q9 ist das erweiterte Blinklicht, das in Verbindung mit der digitalen OLED-Heckleuchte und den digitalen Matrix-LED-Scheinwerfern verfügbar ist. Beim Abbiegen oder Spurwechseln erzeugt es bei Nacht synchron zum dynamischen Blinker in der Front und am Heck einen stilisierten Blinker auf dem Boden. Sinnvoll? Die Praxis muss es zeigen.

Als Highlight an der Fahrzeugseite begrüßt eine Bodenprojektion die Insassen beim Einsteigen mit einem ausrollenden Lichtteppich: Die neben den Türen projizierte Grafik greift das Motiv der von Audi Sport geprägten Raute auf. Der Q9 ist mit Leichtmetallrädern in den Größen 20 bis 23 Zoll in unterschiedlichen Designs und Oberflächen erhältlich. Ab Werk sind alle Reifen in 22 und 23 Zoll mit akustischen Schaumeinlagen ausgestattet, die das Reifengeräusch reduzieren. Ventile und Auswuchtgewichte sind farblich auf das jeweilige Felgendesign abgestimmt. 

Innenraum/Cockpit

Der Q9 verfügt serienmäßig über drei Sitzreihen mit sieben Plätzen. Alle Sitze sind elektrisch verstellbar. Alternativ bietet eine zweite Sitzkonfiguration sechs elektrisch verstellbare Sitze. Highlight sind hier die elektrischen Einzelsitze in der mittleren Reihe. Erstmals setzt Audi auf elektrisch öffnende und schließende Türen, netterweise trotzdem mit soliden Bügelgriffen außen. Der große Öffnungswinkel soll einen komfortablen Einstieg erlauben. Eine Hinderniserkennung stoppt die Tür automatisch, wenn sich eine Person oder ein Gegenstand im Öffnungsbereich befindet.

Der Q9 ist serienmäßig mit Sportsitzen ausgestattet. Optional sind die Sportsitze vorne mit Lüftungsfunktion erhältlich. Die ebenfalls optionalen Sportsitze plus verfügen vorne über Heiz-, Lüftungs- und Massagefunktionen und lassen sich über Schalter am Sitz bequem elektrisch einstellen. Optional lassen sich die Armauflagen in den Türen und die Mittelarmlehne jeweils vorne und hinten mit der Flächenheizung plus beheizen. 

Bilder von: Audi

In der Konstellation mit sieben Sitzen ist die zweite Reihe nach dem Schema 35/30/35 aufgeteilt. Hier lassen sich bei Bedarf auf allen drei Sitzen über Isofix-konforme Befestigungen Kindersitze montieren. Die Sitzplätze in der zweiten Reihe sind elektrisch längsverschiebbar und in der Neigung der Lehne jeweils in der Teilung 65/35 klappbar. Zusätzlich kann im 65-Prozent-Teil der Lehne ein 30-Prozent-Teil in der Mitte manuell geklappt werden. So entsteht eine Teilung 35/30/35.

Für den komfortablen Einstieg in die dritte Sitzreihe fährt der jeweils äußere Sitz der zweiten Reihe elektrisch nach vorne und kippt, ohne einzuklappen, nach vorne. Dank dieser Funktion müssen die dort montierten Kindersitze beim Einstieg nicht extra entfernt werden. Aktivieren lässt sich der Komforteinstieg über das MMI oder einen Taster im Einstiegbereich der hinteren Tür.

Im Q9 mit Siebensitz-Konfiguration lassen sich alle Sitze der zweiten und dritten Reihe sequenziell umlegen. Die Sitze in der ersten Reihe sind in der Rückenlehne zudem mit einer speziellen Kartentasche ausgestattet. Auch vom Kofferraum aus lassen sich die verschiedenen Sitzfunktionen, wie beispielsweise das Umklappen der dritten und zweiten Sitzreihe ansteuern.

Und wie sitzt man im Q9? Im Rahmen einer ersten Sitzprobe im noch getarnten Fahrzeug schrieb ich Mitte Mai folgendes: "Obwohl der jeweilige Sitz in Reihe Zwei vorklappt, flutscht das Entern für große Personen wie mich nicht wirklich. Einmal auf den hintersten Plätzen angekommen, sitze ich dort überraschend gut." Bedeutet: Den klassischen Limousinen-Komfort des ausgelaufenen A8 bietet der Q9 nicht, das soll er wohl auch nicht. Eher Familien-Luxus als Chauffeursauto. Mutti oder Vati sitzen als Vorstand ganz vorne, dahinter die jugendliche Belegschaft. Bei Bedarf von einer Fünfzonen-Klimaautomatik belüftet.

Bilder von: Audi

Ein Panorama-Schiebedach mit 1,5 Quadratmeter Glasfläche ist im Q9 serienmäßig. Auch an LED-Technik spart Audi in seinem Dickschiff nicht. Aber man versucht nicht mehr, eine mittelmäßige Materialanmutung im Innenraum durch Disco-Licht zu übertünchen. Hochwertige Stoff- und Holzapplikationen, neue Dekore sowie aufeinander abgestimmte Innenraumfarben sorgen tatsächlich für die vom Hersteller beschriebene "Premium-Atmosphäre". Anders formuliert: So muss sich ein Audi anfühlen. Zumal der Q9 preislich kräftig zulangt. 

Das MMI-Panoramadisplay, im Curved Design und in OLED-Technologie ausgeführt, besteht auch in der Q9-Baureihe aus dem 12,3 Zoll großen Digitalcockpit und dem 14,5 Zoll großen MMI-Touchdisplay. Das 12,3 Zoll große Beifahrerdisplay mit ablenkungsfreiem dynamischen Privacy Mode gehört zur Serienausstattung.

Einzig die Rahmen der Cockpitdisplays dürften nach meinem Geschmack etwas hochwertiger sein. Im A6 hatte man es nachträglich eingeführt, der Q9 hat von Beginn an Drehregler im Lenkrad. Schade, dass sie nicht aus Metall sind. Auch die flankierenden Touchflächen bieten noch Modellpflege-Potenzial. Vom neuen Q3 bekannt sind die Lenkstockhebel. Sie sehen auf den ersten Blick eigenwillig aus, lassen sich aber gut bedienen.

Motoren/Antriebe

Zum Marktstart steht in Deutschland ein V6-Dieselaggregat mit 220 kW (299 PS) zur Verfügung. In ausgewählten europäischen Märkten wird zusätzlich auch eine Variante mit 180 kW gleich 245 PS angeboten. Weltweit, etwa in den USA und China, kommen auch V6- oder V8-Benziner zum Einsatz.

Doch zurück zum Diesel: Die 220-kW-Variante verfügt über 630 Nm Drehmoment, im 180 kW Diesel stehen 500 Nm zur Verfügung. Für mehr Effizienz und Spurtstärke nutzen beide Leistungsstufen ein MHEV plus System, bestehend aus einem für den Q9 weiterentwickelten Triebstranggenerator, einem Riemenstartergenerator und einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie.

Audi SQ9 (2026)

Der Triebstranggenerator steuert beim Anfahren und Überholen bis zu 18 kW (24 PS) Leistung bei. So ermöglicht er elektrisches Fahren und unterstützt den Verbrennungsmotor während der Fahrt, was CO2-Emissionen und den Kraftstoffverbrauch senkt. Eine 8-Stufen-Automatik sowie der permanente Allradantrieb quattro sind immer an Bord.

Der V6 TDI verfügt zudem über einen elektrisch angetriebenen Verdichter (EAV (er heißt wirklich so!) mit 7,5 kW Peakleistung, 3,5 kW Dauerleistung), der das MHEV plus-System ergänzt, und eine zweistufige Aufladung. Bei Bedarf baut der elektrische Verdichter in nur 1,2 Sekunden bis zu 3,6 bar absoluten Ladedruck auf und sorgt so für ein dynamisches Ansprechverhalten.

Indem er mehr Drehmoment schon bei niedriger Drehzahl ermöglicht, senkt der Einsatz des elektrischen Verdichters Audi zufolge auch den Kraftstoffverbrauch. Wie durchzugsstark der Antrieb dank der Kombination aus V6-Diesel, Triebstranggenerator und elektrischem Verdichter ist, soll sich insbesondere beim Anfahren aus dem Stand zeigen. Wir werden es nachprüfen.

Der Q9 fährt serienmäßig mit einer adaptiven Luftfederung vom Band. Sie kombiniert eine kontinuierlich variable Dämpfung mit einer verstellbaren Fahrhöhe. Das adaptive System passt sich automatisch an Geschwindigkeit, Beladung und Fahrbedingungen an. Nutzer können die Fahrhöhe bei Bedarf zudem manuell über "drive select" beeinflussen.

Der Gesamtverstellbereich zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Liftmodus beträgt 90 Millimeter. Aus dem Modus "balanced" lässt sich das Auto um 62 Millimeter bis auf das Komfortausstiegsniveau absenken. Das Luftfederfahrwerk adaptive air suspension sorgt nicht nur für Komfort, sondern in Kombination mit der Progressivlenkung sowie der Allradlenkung laut Audi auch für ein Fahrgefühl, das Ruhe und Souveränität vermittelt.

Das optionale Luftfederfahrwerk "adaptive air suspension sport" mit geregelter Dämpfung macht den Q9 noch agiler und vielseitiger. Die Allradlenkung sorgt beim Rangieren mit niedrigen Geschwindigkeiten für eine Steigerung der Handlichkeit des Fahrzeugs, bei schneller Fahrt wird die Lenkpräzision und Stabilität erhöht. Das System kann die Hinterräder um bis zu 5 Grad lenken. Die Allradlenkung funktioniert vollautomatisch: Bei niedrigen Geschwindigkeiten, etwa auf Parkplätzen oder in engen Stadtstraßen, schlagen die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein. So wird der Wendekreis verkleinert.

Die Anhängelast des Q9 beträgt bis zu 3,5 Tonnen. Passend dazu gibt es einige Assistenzsysteme nur für diesen Komplex: Der Anhänger-Rangierassistent übernimmt die Lenkung beim Rückwärtsfahren mit angekoppeltem Anhänger; der Fahrer oder die Fahrerin steuert die Richtung über das Audi MMI Display.

Die Anhänger-Stabilitätskontrolle erkennt Anhängerschlingern und stabilisiert durch gezieltes Bremsen einzelner Räder. Die integrierte Anhängerbremssteuerung ist ab Werk installiert für eine nahtlose Steuerung der Anhängerbremsen.

Preis und Marktstart

Der Q9 wird im slowakischen Bratislava produziert. Bestellbar ist das SUV ab Juli 2026, im November startet die Markteinführung in Europa und Deutschland. Der Einstiegspreis für den Q9 TDI mit 220 kW liegt bei 108.400 Euro.

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Autor: Roland Hildebrandt