Mercedes 170 V (1952): Kastenwagen mit absolutem Seltenheitswert

Dieser Kundendienstwagen vereint Handwerkskunst der 50er mit purem Nutzwert und extremer Seltenheit

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Ein markanter Farbton prägte in den 1950er-Jahren das Straßenbild und signalisierte schnelle Hilfe: das sogenannte "Mercedesblau". Diese Lackierung stand unmissverständlich für den Kundendienst von Mercedes-Benz. Ein besonders faszinierender Zeitzeuge dieser Ära ist der Mercedes-Benz 170 V Kastenwagen der Baureihe W 136 aus dem Jahr 1952.

Der formschöne Lieferwagen von Mercedes, der damals in der Schweiz eingesetzt wurde, teilt seinen farbenfrohen Lack mit historischen Ikonen wie dem Rennwagen-Schnelltransporter "Blaues Wunder". Doch der Transporter besticht nicht nur durch seine Optik, sondern vor allem durch seine ausgeklügelte Konstruktion und seine außergewöhnliche Historie als äußerst rares Nutzfahrzeug.

Mercedes-Benz 170 V

Maßgeschneiderte Karosserie aus Blech und Holz

Der historische Lieferwagen wurde konzipiert, um den Mechanikern reichlich Platz für schweres Werkzeug und Ersatzteile zu bieten. Hinter der links angeschlagenen Hecktür verbirgt sich ein durchdachter Kastenaufbau. Unter dem elegant geschwungenen Blechkleid sorgt eine unsichtbare Unterkonstruktion aus Holz für die nötige Stabilität.

Im Inneren des Laderaums sind die hölzernen Bögen seitlich mit jeweils fünf Latten verbunden, die bis zur Wand des Fahrerhauses reichen. Ein mit Teppichboden abgedeckter Laderaumboden bietet eine aufgeräumte Fläche und versteckt zugleich das Fach für das Ersatzrad sowie zusätzlichen Stauraum.

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Direkt über dem hellgrau lackierten vorderen Kotflügel zeugt eine silberfarbene Plakette von der traditionsreichen Herkunft des Aufbaus. Die Inschrift "Sindelfinger Karosserie. Daimler-Benz A.G." rund um den Mercedes-Stern steht für die hochwertige werksinterne Fertigung, die bereits in den 1930er-Jahren etabliert wurde.

Ein funktionaler und charmanter Arbeitsplatz

Die Mechaniker des Kundendienstes genossen in der Kabine einen für die damalige Zeit beachtlichen Komfort. Eine durchgehende, mit hellgrauem Kunstleder bezogene Sitzbank und ein farblich passend verkleideter Getriebetunnel prägen das Interieur. Exakt zugeschnittene Matten aus robustem Gewebe schützen den Fußraum rund um die Pedalerie.

Der Blick des Fahrers fällt auf ein hellgrau lackiertes Armaturenbrett, in dessen Mitte das Tachometer mit Kilometerzähler thront. Flankiert wird dieser von einem Kombiinstrument für Tankanzeige und Öldruck auf der linken sowie einer Zeituhr auf der rechten Seite. Elfenbeinfarbene Bedienknöpfe aus Kunststoff setzen feine Akzente im Cockpit.

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Ein spannendes Detail der automobilen Übergangszeit zeigt sich bei den Fahrtrichtungsanzeigern, die über den schwarzen Hupenring im Lenkrad bedient werden: Während am Heck bereits moderner wirkende Blinklichter leuchten, klappen vorn vor den Türen noch klassische Winker mit Blinkfunktion aus.

Nur 35 gebaute Exemplare machen ihn zum Exoten

Die technische Basis des 170 V reicht bis in das Jahr 1936 zurück. Als eines der wirtschaftlich und strategisch wichtigsten Fahrzeuge der Vorkriegszeit bildete das Modell nach dem Zweiten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen das Fundament für den Neubeginn der Serienproduktion.

Während ab 1946 zunächst sehr einfache Pritschenwagen und Krankenwagen auf Basis des W 136 gebaut wurden, wandelte sich der Bedarf bald merklich. In den frühen 1950er-Jahren bestellten Gewerbetreibende und Handwerker für den Wiederaufbau bevorzugt den effizienten Dieselantrieb. Von der Kastenwagen-Version des 170 D entstanden 1952 über 500 Einheiten.

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Der 170 V mit Ottomotor hingegen blieb eine absolute Ausnahmeerscheinung. Der 45 PS starke und bis zu 116 km/h schnelle Benziner lief im selben Jahr als Kastenwagen mit Sindelfinger Karosserie lediglich 35 Mal vom Band. Genau diese extreme Seltenheit macht das historische Kundendienstfahrzeug heute zu einem wertvollen Relikt der Automobilgeschichte.

Wer den besonderen Kastenwagen mit eigenen Augen betrachten möchte, hat dazu noch bis zum 4. April 2027 in Stuttgart die Gelegenheit. Dort ist das Fahrzeug eines der Highlights der aktuellen Sonderausstellung "130 Jahre Nutzfahrzeuge" im Mercedes-Benz Museum.

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Autor: Sönke Brederlow