Audi-Boss: Je teurer das Auto, desto beliebter der Verbrenner

Audi-Chef Gernot Döllner sieht bei teuren Autos weiterhin eine starke Nachfrage nach Verbrennungsmotoren

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Es gab Zeiten, da konnte Audi seine große A8-Limousine noch mit einem mächtigen W12 verkaufen und trotzdem die Abgasvorschriften einhalten. Auf dem Höhepunkt der Ära Piëch, als fast alles möglich schien, zwängten die Ingenieure sogar einen V12-Diesel in den Q7. Und diesen Motor passte man auch noch für den verrückten Supersportwagen R8 TDI Concept mit manuellem Sechsganggetriebe an.

Doch beide Zwölfzylinder sind längst Geschichte. Gleiches gilt für den frei saugenden V10, der beim R8 hinter den Sitzen saß. Immerhin haben V6 und V8 in Ingolstadt weiterhin eine Zukunft. Und das bei einer Marke, die einst angekündigt hatte, bis 2032 vollständig elektrisch zu werden. Wie fast alle anderen Hersteller hat auch Audi seine ambitionierten Elektropläne inzwischen angepasst.

Audi wird auf unbestimmte Zeit weiterhin Autos mit Verbrennungsmotor verkaufen. Markenchef Gernot Döllner hat nun eine interessante Beobachtung zu den Vorlieben der Kunden geäußert. Im Gespräch mit Bloomberg sagte der CEO, dass Käufer in höheren Fahrzeugsegmenten eher zum Verbrennungsmotor tendieren. Deshalb sei es nur logisch gewesen, den exotischen Nuvolari mit einem großen V8 auf Basis der Technik des Lamborghini Temerario auf den Markt zu bringen.

Audi R8 Coupe V10 Performance Rwd At Laguna Seca

Elektroautos kommen in niedrigeren Segmenten besser an

Am anderen Ende der Modellpalette genießen Elektroautos laut Döllner eine höhere Akzeptanz. Audi will genau diese Kundschaft bald mit der Rückkehr des A2 bedienen. Der ungewöhnliche Kompaktwagen kommt als reines Elektroauto zurück und übernimmt indirekt die Rolle von A1 und Q2, die beide vor Kurzem aus der Produktion genommen wurden.

Wir stellen fest, dass Enthusiasten den Verbrennungsmotor umso mehr lieben, je höher das Segment ist. Je niedriger das Segment, desto größer ist die Akzeptanz batterieelektrischer Fahrzeuge, sagt Döllner.

Audi Concept C 2025 Audi Concept C 2025 Foto: Audi

Trotz Audis neuer Wertschätzung für Verbrennungsmotoren wird das Concept C rein elektrisch bleiben, wenn es im kommenden Jahr zum Serienmodell wird. Der Zweisitzer mit dem ersten Targa-Dach der Marke bekommt keinen Benzinmotor. Das bestätigte Daniel Schuster, Sprecher der Technischen Entwicklung bei Audi, gegenüber Motor1.

Das ist durchaus schade. Schließlich ist Audis Gegenstück zum Porsche 718 genau die Art von Sportwagen, zu der der Fünfzylinder aus dem RS 3 hervorragend passen würde. Immerhin konnte Audi den V6 im neuen RS 5 erhalten, der die Rolle des bisherigen RS 4 übernimmt. Auch das kommende RS 6-Duo aus Limousine und Avant wird mindestens einen V6 erhalten.

Dabei handelt es sich um schwere Plug-in-Hybride, die Audi auch mit Blick auf die Emissionsvorschriften entwickelt hat. Die Alternativen wären kleinere Motoren oder das komplette Aus für die entsprechenden Modelle gewesen.

<p><em>2025 Audi Concept C</em></p>

Motor1 meint:

Döllners Aussagen gehören zu den bemerkenswertesten Einschätzungen eines großen Autoherstellers zur Zukunft des Verbrennungsmotors. Die Branche hat so lange über Elektroautos als zwangsläufigen Ersatz für Benziner gesprochen, dass leicht in Vergessenheit gerät, dass ein Autokauf nicht immer nur eine rationale Entscheidung ist. Je teurer und spezieller ein Fahrzeug wird, desto wichtiger werden andere Faktoren.

Das gilt besonders für Supersportwagen. Niemand braucht tatsächlich ein Auto mit rund 1.000 PS, das mehr als 320 km/h erreicht. Einem Käufer zu erklären, ein Elektroauto sei effizienter, geht deshalb am eigentlichen Zweck vorbei.

Menschen, die sich einen Nuvolari leisten können, bezahlen auch für die Technik und den Klang. Gerade Letzterer hat allerdings in den vergangenen Jahren unter immer strengeren Abgas- und Geräuschvorschriften gelitten.

© Motor1.com
Autor: Adrian Padeanu