An einen Koreaner, der nach der Westernstadt Tucson in Arizona, USA benannt wurde, haben wir uns allmählich gewöhnt. Immerhin wurden seit 2004 exakt 264.684 Fahrzeuge in drei Generationen allein auf die deutschen Straßen losgelassen. Weitere 106.479 Einheiten entfallen auf seinen zwischenzeitlichen Nachfolger, den ix35.
Offenbar wollten aber zu viele Menschen auf der ganzen Welt ein wenig US-Rodeo-Flair erfahren, weshalb das Kompakt-SUV zurück zu seinen Wurzeln fand. Und genau die will der Hyundai Tucson jetzt in der fünften Generation weiter festigen. Mit einem Design, das die Koreaner fast schon ruhrpottig schroff "Art of Steel" (frei übersetzt: die Kunst des Stahls) nennen. Für Europa wird er in der Tschechischen Republik produziert.
Und bevor wir jetzt alle wild auf Landkarten umherirren und gucken, wer wo seinen Senf dazugegeben hat, schauen wir lieber direkt auf den Neuankömmling. Denn der kommt verdammt selbstbewusst daher. Diese neugeschaffene Stahlkunst zeigt nämlich reichlich Ecken und Kanten. Vor allem die weit ausgestellten Kotflügel fallen sofort ins Auge. Die hatte der Vorgänger zwar auch schon, sie kamen aber wesentlich rundlicher, ja fast pummeliger daher.
Tucson optisch einmal auf links gedreht
Insgesamt wächst der Hyundai Tucson noch einmal ein gutes Stück: Um fünf Zentimeter auf 4,56 Meter in der Länge, um 3,5 Zentimeter auf 1,90 Meter in der Breite und um zwei Zentimeter in der Höhe auf 1,67 Meter. Beim Radstand gibt es ebenfalls vier Zentimeter oben drauf: macht 2,72 Meter. Es ist also nicht nur das Blech, das den neuen Tucson so wuchtig erscheinen lässt.
Insgesamt ist Hyundai bemüht, ihren Modellen ein wiedererkennbares Gesicht zu verpassen, ohne gewisse Eigenheiten aufgeben zu müssen. Und so orientiert sich die Lichtsignatur an der Front entfernt am Vorbild des Ioniq 3. Die neue "H-Edge"-Beleuchtung wird mit einer Randbeleuchtung kombiniert, um die "horizontalen Proportionen", wie es Hyundai so schön formuliert, hervorzuheben.
Bilder von: Hyundai
Am Heck kommen Leuchten mit dreidimensionaler Innenstruktur zum Einsatz. Je nach Ausstattung sorgen 25.600 einzelne LED-Pixel für präzise gesteuerte Lichtmuster. Begrüßen und Verabschieden kann der Tucson seine Besitzer ebenfalls. Dazu gibt es Leichtmetallräder von 17 bis 20 Zoll und neue Außenfarben für Europa: Moonlake Blue Metallic, Moonlake Blue Matt, Rich Walnut Metallic, Rich Walnut Matt und Ignite Red.
Ein Hauch von Ioniq 3 im Tucson
"Im Innenraum führt der neue Tucson den "Curve of Upholstery"-Ansatz von Hyundai ein und schafft so einen "Furnished Space". Ja Leute, genauso haben wir auch geguckt. Keine Ahnung, was die PR-Spezis uns mit diesem PR-Kacktor des Monats sagen wollen oder was da bei der Übersetzung hinein interpretiert wurde. Aber fünf Sitze, ein Lenkrad und einen Bildschirm hat er schon mal. Hab ich beim Einsteigen bemerkt.
Das Armaturenbrett wurde zweigeteilt und kommt in der Mitte mit einem großzügigen offenen Ablagefach. Es gibt Polsterungen an Instrumententafel, Türen und der Armlehne. Weiterhin setzt Hyundai auf etliche physische Tasten, um jedem seine bevorzugte Bedienung zu überlassen. Insgesamt wirkt der Innenraum auch haptisch ansprechend, Qualitativ anständig und durchdacht.
Bilder von: Hyundai
Das 9,9-Zoll-Kombiinstrument wurde oben auf das Armaturenbrett ins direkte Sichtfeld des Fahrenden gesetzt. Der Gangwahlhebel sitzt jetzt an der Lenksäule, um weiteren Raum auf der Mittelkonsole zu schaffen.
Das 12,9 oder 17 Zoll große Infotainment-System kommt mit Pleos Connect. Es basiert auf Android Automotive OS und feierte im Ioniq 3 Premiere. Der Grund für den Wechsel vom Doppeldisplay zum neuen System wurde mit einer besseren Übersicht und größeren Möglichkeiten bei der Integration von Fahrzeugfunktionen, kompatiblen Apps und vernetzten Diensten genannt.
Mit dem Sprachassistenten Gleo AI ist auch ein Sprachassistent mit an Bord, der auf Live-Daten aus dem Internet zugreifen kann. Over-the-Air-Updates halten den Tucson auf dem Laufenden, ein Bang & Olufsen Audiosystem kann mit optional über zwölf Lautsprecher ordentlich was auf die Ohren geben.
Bilder von: Hyundai
Für ergonomischen Halt sorgen Sitze mit pneumatischem Sieben-Kammer-System. Auch eine Massagefunktion ist mit an Bord. Wer gleich ein Nickerchen abhalten will, kann den Sitz per Knopfdruck in eine entspannte Liegeposition befördern.
Das Wachstum des Koreaners ist auch innen zu spüren, vor allem auf der Rückbank. In unserer Sitzprobe ist hier für reichlich Bein- und Kopffreiheit gesorgt. Zudem glänzt die hintere Reihe mit einer 40:20:40-Teilung und einer Verschiebefunktion von 150 Millimetern. Das nennen wir flexibel! So misst das Kofferraumvolumen bis zu stattlichen 695 Litern. Der Alte musste noch mit 546 Litern auskommen.
Auch in Sachen Sicherheit legt die fünfte Generation noch einmal nach. Eine weiterentwickelte Karosseriestruktur, sieben Airbags und etliche Fahrerassistenz- und Überwachungssysteme sollen für Sicherheit sorgen.
Bilder von: Hyundai
Ein "Memory Reverse Assist" zeichnet beispielsweise den Fahrweg bei Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h auf und kann anschließend die Lenkung beim Rückwärtsfahren entlang der aufgezeichneten Strecke übernehmen. Auch die kamerabasierte Sicht rund ums Auto wurde verbessert, ein "Trailer Reverse Assist" unterstützt beim Rangieren mit einem Anhänger.
Der Diesel muss gehen
An der Motorenpalette ändert sich nicht allzu viel. Weiterhin im Programm ist ein 1,6-Liter T-GDI-Benziner, ein Vollhybrid mit 238 PS und ein Plug-in-Hybrid mit 288 PS. Letzterer kombiniert einen 1,6-Liter-Turbobenzinmotor mit einer 17,1-kWh-Batterie und einem E-Motor. Das System ermöglicht eine derzeit geschätzte Reichweite von bis zu 81 Kilometern (mit 17-Zoll-Rädern). Geladen werden kann mit überschaubaren 7,2 kW, eine DC-Schnellladefunktion ist nicht vorhanden.
Nur der Benziner mit Frontantrieb ist noch mit Handschaltung zu bekommen, die Allrad-Version kommt mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Alle anderen Varianten werden mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe ausgeliefert. Neu ist der "HEV Stay Mode", der ausgewählte Komfortfunktionen, wie die Klimatisierung, das Audiosystem und das Laden von Endgeräten, auch bei ausgeschaltetem Verbrennungsmotor unterstützt.
Mit den drei Antrieben ist auch klar: Der Diesel verschwindet (zunächst?) aus den Antriebsoptionen. Preise und einen Marktstart hat Hyundai für den neuen Tucson noch nicht genannt. Die alte Generation startete zuletzt für den 1,6-Liter-Benziner bei 36.490 Euro. Wir gehen also davon aus, dass auch das neue "Stahlkunstwerk" sich irgendwo zwischen 37.000 und 39.000 Euro einpendeln wird.








