Sie und ich, wir dürfen jetzt einmal ganz fürchterlich aufgeregt sein, denn wenn ein komplett neuer BMW 3er vorgestellt wird, dann steht nicht nur die Autowelt für einen kurzen Moment still. Die Signifikanz eines neuen 3ers hat nach rund 18 Millionen gebauten Exemplaren seit 1976 wohl sonst nur ein neuer Golf.
Jetzt kommt also Generation 8 des BMW, mit dem man BMW in aller Regel identifiziert. Intern G50 genannt. Ohne Frage ist der 3er nach wie vor das wichtigste und ikonischste Modell der Münchner.
Und naja, dieses Mal kennen wir ihn irgendwie schon. Seit einem guten halben Jahr, wenn wir ehrlich sind. Denn der elektrische i3 hat den verbrennernden 3er bereits im März dieses Jahres vorweggenommen. Verwirrung? So ein bisschen schon, denn auf den ersten Blick sehen sie ja doch recht gleich aus, die beiden. Aber anders als bei 5er/i5 oder 7er/i7 gibt es zwischen dem neuen 3er und seinem elektrischen Bruder i3 durchaus einschneidendere Unterschiede.
Abmessungen/Design
Finden Sie den i3 ein bisschen hoch und gedrungen? Nun, irgendwo muss der Riesen-Akku ja hin, stimmt's? Beim neuen 3er muss er das nicht. Dafür müssen aber die Vier- und Sechszylinder hinein. Und deshalb ist die Motorhaube länger. Dadurch auch die vorderen Kotflügel.
Der Radstand ist kürzer, die Überhänge wiederum etwas länger und flacher ist er auch. Außerdem hat er vorne größere Lufteinlässe. Ergibt summa summarum: Ein eleganteres Auto. Ich mache jetzt mal kurz Meinung und sage: Gerade als M350 mit den neuen gelben Leuchten sieht der neue 3er von vorne gigantisch gut aus.
Bilder von: BMW
Das Heck mit den sehr breiten, sehr dünnen Rückleuchten dürfte die meisten Gemüter deutlich mehr erhitzen. Es gibt sicher elegantere Designs. Die Performance-Fans besänftigt man, zumindest im Falle des M350ers (der als einzige Variante beim Fototermin anwesend war) mit vier dicken Endrohren und einer Spoilerlippe am Kofferraumdeckel. Aber klar bleibt: Der G50 hat viele optische Ähnlichkeiten zum i3, das ist so gewollt.
Ein Stück gewachsen ist er auch, der neue 3er. Die Unterschiede zum Vorgänger und zum i3 verdeutlicht folgende Tabelle:
| Abmessungen | BMW i3 | BMW 3er (neu) | BMW 3er (alt) |
| Länge | 4.760 mm | 4.765 mm | 4.713 mm |
| Breite | 1.865 mm | 1.850 mm | 1.827 mm |
| Höhe | 1.480 mm | 1.455 mm | 1.448 mm |
| Radstand | 2.897 mm | 2.860 mm | 2.851 mm |
Dazu kommen Räder von 18 bis 20 Zoll. Unser Fotoauto trägt 20-Zöller mit 235er- und 245er-Pneus. Es wird für den M350 aber auch einen Sportreifen geben, der dann hinten mit 275ern dick aufträgt. Interessant auch: Verbrenner-3er und Elektro-3er haben die gleichen Türgriffe. Oder eher den Mangel an selbigen.
Antriebe/Fahrwerk: Kein Diesel, aber neuer Drift-Modus
Was ganz und gar nicht gleich ist, ist das meiste von dem, was unter dem Blech passiert. Der 3er, wie wir ihn kennen, behält das Grundlayout des Vorgängers mit Doppelgelenk-Vorderachse und Fünflenker-Hinterachse bei. Neben einem Standard-Stahlfahrwerk stehen gegen Aufpreis ein Adaptivfahrwerk und das sportlichere adaptive M-Fahrwerk bereit. Letzteres ist beim M350 xDrive Serie.
Und das M Performance-Modell hat es auch sonst in sich. Ich musste schon kurz schlucken, als man mir beim Studio-Termin fast beiläufig mitteilte, dass der 3,0-Liter-Sechszylinder-Mildhybrid in der neuesten Ausbaustufe auf 443 PS und 580 Nm kommt.
Für die Leistungssteigerung um 69 PS gegenüber dem aktuellen M340i sind unter anderem neue Abgasturbolader verantwortlich. Mein lieber Scholli, wo soll das denn beim kommenden M3 (der zudem einen Strom-Bruder bekommt) noch alles hinführen? Zumal es nun erstmals auch in einem M-Lite-Modell einen Drift-Modus gibt. Per Knopfdruck lässt sich beim M350 die Vorderachse abkoppeln und es heißt Feuer frei für qualmende Hinterreifen.
Der Reihensechser hat also weiterhin Konjunktur beim 3er. Der Diesel hingegen nicht. Zum Start wird es keinen Selbstzünder im 3er geben und auf Nachfrage sagen die die Offiziellen, dass das wohl erstmal auch so bleiben wird. Ein Schock ist das schon, wenn man die Güte der BMW-Diesel bedenkt. Noch einmal langsam zum Mitschreiben: Es wird KEINEN Diesel mehr im neuen 3er geben.
Für die Brot- und Butterigkeit bleiben so gesehen also noch der neue 318 mit 156 PS sowie der 320 mit 211 PS übrig. Beide sind 2,0-Liter-Vierzylinder-Mildhybride, kommen serienmäßig mit 8-Gang-Automatik und Hinterradantrieb. Und ohne i am Ende, weil das dem Elektro-3er vorbehalten bleibt.
Im Laufe des Jahres 2027 wird ein Plug-in-Hybrid das Angebot ergänzen, wir tippen mal auf einen 330e mit um die 300 PS. Zu den beiden i3 (40 xDrive mit 374 PS und 50 xDrive mit 469 PS) wird sich dann auch ein elektrisches M-Performance-Modell namens i3 M60 xDrive gesellen. Technische Daten dazu nennen die Münchner noch nicht.
Orientiert man sich jedoch am großen Bruder i5 M60 xDrive, dürften um die 600 PS für wenig magenschonende Fahrleistungen sorgen. Fans des M3 können sich sowohl über eine Variante mit Sechszylinder-Biturbo, als auch über den ersten rein elektrischen M3 mit vier E-Motoren freuen.
| Technische Daten | 318 | 320 | M350 xDrive |
| Motor | 4-Zyl.-Turbo; 1.998 ccm | 4-Zyl.-Turbo; 1.998 ccm6 | 6-Zyl-Turbo; 2.998 ccm |
| Antrieb | Hinterradantrieb | Hinterradantrieb | Allradantrieb |
| Leistung | 156 PS / 250 Nm | 211 PS / 330 Nm | 443 PS / 580 Nm |
| 0-100 km/h | 9,5 s | 7,4 s | 4,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 215 km/h | 240 km/h | 250 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 7,5 l | 7,5 l | 8,2 l |
Innenraum/Infotainment/Kofferraum
Im Innenraum führt BMW die Gestaltung der Neuen Klasse konsequent fort. Wir kennen das alles im Prinzip vom i3. Die Schaltzentrale ist deutlich reduzierter und futuristischer als beim Vorgänger. Auch wenn die Bayern für ihr Cockpit schon den ein oder anderen Preis abgeräumt haben, dürfte das manchem Traditionalisten sauer aufstoßen, denn der Dreh-Drück-Steller ist nun auch beim 3er Geschichte.
Herzstück der Bedienung ist das neue BMW Panoramic iDrive, das aus vier Elementen besteht: dem Panoramic Vision, dem optionalen 3D-Head-up-Display, dem zentralen Touchscreen und dem neuen Multifunktionslenkrad.
Das BMW Panoramic Vision projiziert Informationen über die gesamte untere Breite der Windschutzscheibe. Fahrrelevante Angaben erscheinen dabei im direkten Sichtfeld des Fahrers, während die Bereiche vor Beifahrer und Fahrzeugmitte stärker personalisiert werden können. Ergänzend gibt es ein optionales 3D-Head-Up-Display, das Navigationshinweise und Informationen der Assistenzsysteme räumlich direkt in die Sichtachse projiziert.
Unterhalb davon sitzt das neue, 17,9 Zoll große Zentraldisplay im sogenannten Free-Cut-Design. Es ist leicht zum Fahrer hin angewinkelt und wird per Touch bedient. BMW kombiniert die digitalen Anzeigen allerdings weiterhin mit physischen Bedienelementen: Ob das beim Lenkrad mit seinen Unmengen an kapazitiven Tastern wirklich so ein Fortschritt ist, sei dahingestellt. In der Mittelkonsole befinden sich unter anderem Lautstärkeregler, Fahrstufenschalter und weitere konventionelle Bedienelemente. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig kabellos integriert.
Als Betriebssystem kommt BMW Operating System X zum Einsatz. Die Software ist kontextabhängig aufgebaut und lässt sich über Updates weiterentwickeln. Zum Funktionsumfang gehören unter anderem BMW Maps, Apps sowie Video- und Gaming-Angebote. Der BMW Intelligent Personal Assistant soll dank einer Integration von generativer KI auf Basis von Amazon Alexa+ natürlichere Sprachdialoge ermöglichen.
Bilder von: BMW
Bei den Assistenzsystemen setzt der neue 3er auf die BMW-Architektur Symbiotic Drive. Der optional erhältliche Driving Assistant Plus übernimmt unter anderem die Regelung von Geschwindigkeit und Abstand und unterstützt beim Spurhalten. Noch weiter geht der Autobahn- beziehungsweise Autobahn- und City-Assistent. Bis 130 km/h können die Hände weg bleiben vom Lenkrad. Ab 2027 sollen bei aktiver Navigation zudem teilautomatisierte Manöver im Stadtverkehr möglich werden, etwa bei Abbiegevorgängen, Kreisverkehren und Spurwechseln.
Beim Raumkonzept bleibt der 3er eine klassische Limousine. So richtig feudal waren die Platzverhältnisse in der Münchner Mittelklasse ja noch nie und auch in der neuesten Generation geht es eher passabel als üppig zu. Der Kofferraum des Verbrenners fasst 450 Liter, und damit 30 mehr als beim i3. Im Vorgänger G20 sind es 480 Liter. Die Rückbank lässt sich bei allen Antriebsvarianten im Verhältnis 40:20:40 umlegen.
Für die individuelle Gestaltung bietet BMW vier Interieurwelten an. "Essential" nutzt Stoff aus Recycling-Material, "Contemporary" kommt mit Kunstleder in verschiedenen Farben. Die BMW-M-Ausführung kombiniert die Fake-Tierhaut mit Microfaser im Alcantara-Look und kann mit M-Sportsitzen bestellt werden. Darüber rangiert BMW Individual, wo es dann auch echtes Merinoleder gibt. Drei Sitze stehen insgesamt zur Wahl, der optionale Multifunktionssitz kommt mit Massagefunktion.
Marktstart/Preise
Ein Schnäppchen war der 3er noch nie, das bleibt so: Der neue 318 kostet in Deutschland ab 49.900 Euro (47.000 sind es aktuell), der 320 ab 54.900 Euro (bislang 52.800). Der Startpreis für den M350 xDrive liegt bei 80.900 Euro (77.500 der bisherige 340i). Anders als der i3, der in München entsteht, werden die neuen Verbrenner-3er im weltgrößten BMW-Werk im Niederbayrischen Dingolfing gefertigt. Die Orderbücher des freundlichen BMW-Händlers sind ab sofort geöffnet. Die Auslieferungen starten Anfang 2027.








