Jaguar testet seinen Luxus-GT im schwedischen Arjeplog und schickt Bilder von dem großen Viertürer aus dem eiskalten Norden. Vor allem aber gibt es neue technische Angaben: Das Auto ist 5,20 m lang und nur 1,40 m hoch, und die Reichweite soll rund 700 km betragen. Neu sind auch die ungewöhnliche Struktur der 120-kWh-Batterie und die ungewöhnlich variable Kraftverteilung.
Dass die Startversion drei Elektromotoren mit zusammen 1.000 PS und Torque Vectoring erhält, war schon bekannt. Auch dass der Gran Turismo eine Allradlenkung und eine Luftfederung bekommt, wissen wir bereits von den Mitfahrten im Type 00. Doch Autocar erfuhr vor Ort jetzt noch wesentlich mehr.
Während die vor einem Jahr präsentierte Studie ein Zweitürer mit Flügeltüren war, bekommt die Serienversion vier Türen, die sich konventionell öffnen. Einen Frunk hat der Wagen nicht, und auch der hintere Kofferraum scheint für ein so großes Auto klein zu sein. Dort soll es nur Platz für zwei Reisekoffer geben.
Mit rund 5,20 Meter Länge und einer Höhe unter 1,40 m ist das Auto etwa so lang wie ein Mercedes EQS, aber über zehn Zentimeter niedriger. Der Radstand ist mit rund 3,20 m etwa gleich groß, und so passt auch eine ähnlich große Batterie hinein: 118 kWh netto sind es beim EQS, beim Type 00 sollen es wie erwähnt 120 kWh sein. Rundum sind Zweikammer-Luftfedern verbaut, vorne Doppelquerlenker, hinten eine Integrallenkerkonstruktion. Dazu gibt es serienmäßig 23-Zöller; kleinere Räder soll es nur auf Märkten mit sehr schlechten Straßen geben.
Die Sitzposition soll nur wenige Millimeter höher sein als beim ausgelaufenen Coupé Jaguar F-Type. Um das zu ermöglichen, bildet der 120-kWh-Akku nicht wie üblich einen einheitlichen Block im Fahrzeugboden, sondern besteht aus fünf Teilen: Einer davon, mit 19 kWh und 32 Zellen, befindet sich offenbar vor den Sitzen, vier weitere mit je 42 Zellen weiter hinten. Wenn diese Angaben stimmen, besteht die Batterie aus 200 Zellen. Werden alle in Reihe geschaltet, würde man nach Adam Riese auf etwa 740 Volt kommen (bei 3,7 Volt für eine Zelle). Dementsprechend schnell dürfte sich der Akku laden lassen. Angaben zur Ladedauer gibt es jedoch noch keine.
Technische Basis des Neulings ist die neue Jaguar Electric Architecture (JEA). Zum Start gibt es den erwähnten Antrieb mit rund 1.000 PS und einem Systemdrehmoment von 1.300 Nm. Alle drei Motoren sind Permanentmagnetmaschinen (PSMs). Bei der 1.000-PS-Version soll vorn ein 350-PS-Motor (257 kW) arbeiten, hinten gibt es zwei Motoren mit zusammen 950 PS (700 kW). Die Systemleistung wird also nicht durch die Elektromotoren begrenzt.
Das ermöglicht offenbar eine sehr variable Kraftverteilung: Der Wagen kann Fronttriebler, Hecktriebler und Allradler sein - sozusagen das Beste aus drei Welten. Auf der Autobahn bei konstantem Tempo kann der besonders effizient arbeitende Frontmotor allein den Vortrieb übernehmen, um den Verbrauch zu senken. Ansonsten soll der Wagen aber driften können wie ein Hecktriebler und sicher sein wie ein Allradler. Beeinflussen lässt sich das Verhalten über die drei Fahrmodi, die nach den Angaben Comfort, Winter und Dynamic heißen könnten.
Der zum Start angebotenen 1.000-PS-Variante könnten weitere folgen, die vermutlich weniger Leistung haben werden. Eine Range-Extender-Version, über die es kürzlich Gerüchte gab, plant Jaguar aber nicht.
Matt Prior von Autocar durfte den Wagen schon fahren. Er berichtet, dass das Dach und die Sitzposition sehr niedrig sind. Das macht das Einsteigen nicht einfacher, zumal die hintere Tür sehr klein ist. Dazu kommt eine niedrige Fensterlinie. Vom Fahrersitz aus sieht man aber viel von der langen Fronthaube. Dank der Hinterradlenkung mit einem Radeinschlag von sechs Grad ergibt sich ein Wendekreis von 11,5 Metern - genau wie beim Nissan Qashqai. Im Comfort-Modus spürte Matt eine gewisse Seitenneigung in der Kurve. Ansonsten lobt er die Sitzposition und den Fahrkomfort.
Der neue Elektro-GT durchläuft derzeit eine umfangreiche Validierung mit 150 Prototypen - nicht nur in grimmiger Kälte, sondern auch in der Wüste. Die Serienversion des Type 00 wird im Spätsommer vorgestellt, Bestellungen sind ab Herbst möglich und die Auslieferung erfolgt im Frühjahr 2027.
Unter dem Strich
Wenn Elon Musk nicht gerade das Produktionsende des Model S verkündet hätte, wäre der Tesla als Konkurrent des Type 00 prädestiniert. Denn der neue Jaguar-GT ist ähnlich stark wie der dreimotorige Plaid, die Reichweite von 700 km ist ähnlich wie bei der zweimotorigen Version.
So aber dürfte der Neuling eher gegen den Porsche Taycan Turbo S mit 700 kW antreten. Dementsprechend dürften die Preise sein: Den Porsche gibt es ab 211.000 Euro. Bisherige Schätzungen lagen aber eher bei 150.000 Euro. Die Preisfrage ist also noch nicht geklärt. Es gibt aber neue Angaben zu Batterie, Sitzposition, Kraftverteilung und Reichweite. Diese lassen auf eine sportliche Auslegung schließen, aber auch auf gute Langstreckentauglichkeit - typisch Gran Turismo eben.








