Cupra stellt den Raval vor. Das neue Elektromodell unterhalb des Born startet im Sommer 2026, Antriebe und Akkus sind die gleichen wie beim VW ID. Polo, die Unterschiede liegen im sportlicher ausgelegten Fahrwerk, im Design und in den vielen Individualisierungsmöglichkeiten. Wir haben uns das Auto schon vor der Weltpremiere bei einer Vorab-Präsentation angesehen.
Dabei fielen uns die schicken Mattlackierungen auf, die mehrfarbigen Felgen mit anodisierten Elementen in Gelbgrün oder Kupfer sowie die verschiedenen Versionen des Cupra-Logos vorne auf der Haube: Es gibt eine schwarze, eine kupferfarbene und eine illuminierte Version, bei der auch noch vier Lichtschlitze vorne hinzukommen. Innen beeindrucken die projizierten Grafiken an den Türinnenseiten, die im Prinzip an die Projektortechnik in den neuen Mini-Modellen erinnern, zusätzlich aber animiert und konfigurierbar sind. Bemerkenswert ist auch der sehr tiefe Kofferraum.
Exterieur | Interieur | Antriebe und Akkus | Fahrwerk | Ausstattung/Preise
Exterieur
Mit 4,05 Meter Länge ist der Raval ein typischer Kleinwagen von der Größe eines Opel Corsa Electric; verblüffend ist die große Höhe von 1,52 Metern. Zum Kofferraum erfuhren wir neben dem normalen Wert bei aufrecht stehenden Rücksitzlehnen auch den Maximalwert. Dieser ist mit 1.344 Litern wirklich beachtlich; damit schluckt das Gepäckabteil rund 100 Liter mehr als der ID. Polo (1.243 Liter). Ebenfalls sehr bemerkenswert ist, dass der Kofferraum nicht kleiner, sondern deutlich größer ist als beim über 25 cm längeren Born:
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| Cupra Raval | 4.046 mm | 1.784 mm | 1.518 mm | 2.600 mm | 441-1.344 Liter |
| Cupra Born | 4.324 mm | 1.809 mm | 1.540 mm | 2.766 mm | 385-1.267 Liter |
Der große Kofferraum gehört eindeutig zu den Stärken des neuen Modells. Möglich wird er erstens durch den Frontantrieb, wodurch Motor, Inverter und Bordlader nicht hinten positioniert werden müssen. Zweitens hat sich der Konzern für eine platzsparende Verbundlenker-Hinterachse entschieden. Es gibt einen Einlegeboden, der in der obersten Position die Ladeschwelle fast egalisiert. Alternativ kann man ihn etwa sieben Zentimeter tiefer einlegen.
Bilder von: InsideEVs
Darunter gibt es noch ein sehr tiefes und geräumiges Fach, das an den Ford Puma Gen-E und seine Megabox erinnert - dieser hat ebenfalls eine Verbundlenkerachse, während zum Beispiel der Renault 5 eine Mehrlenker-Hinterachse besitzt.
Mit seiner von einem Helm inspirierten Silhouette soll der Cupra Raval ein besonderes Design bieten und Emotionen wecken. Die Front wird von einem "Sharknose"-Design und scharfen Linien auf der Haube dominiert. Das beleuchtete Cupra-Logo wird als Teil eines Pakets mit Matrix-LED-Scheinwerfern angeboten, das erst nach Marktstart erhältlich sein wird.
Bilder von: Cupra
Während der ID. Polo traditionelle Bügelgriffe besitzt, setzt Cupra erstaunlicherweise auf bündige Türgriffe, obwohl diese künftig in China verboten sind und auch die EU über neue Regularien nachdenkt. Dazu sagte uns ein Sprecher, erstens werde der Raval nicht in China angeboten und zweitens gebe es eine mechanische Fallback-Lösung: Man kann links auf den eingefahrenen Türgriff drücken, sodass dieser mechanisch ausfährt.
Am Heck prangen ein markanter Diffusor und eine durchgehende Rückleuchte sowie ebenfalls ein illuminiertes Markenlogo. Luftkanäle an der Frontschürze, die aktive Kühlergrillklappe, aerodynamisch optimierte Räder, die bündigen Türgriffe und der Heckspoiler sollen den Luftwiderstand verringern.
Bei den Felgen kann man aus bis zu acht Designs wählen: Ein 17-Zoll-Rad, zwei 18-Zoll- und bis zu fünf 19-Zoll-Räder werden angeboten. Sieben Außenfarben stehen zur Wahl. Erstmals angeboten wird eine changierende Lackierung, die je nach Lichteinfall blaugrün, blau, indigofarben oder rosarot erscheint. Mattlackierungen in den Tönen Manganese und Century Bronze sind ebenfalls erhältlich. Das Dach kann in den Farben Manhattan Grey oder Midnight Black bestellt werden.
Interieur
Innen gibt es wie beim ID. Polo ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay; damit ist es etwa doppelt so groß wie beim ID.3 und Born, wo es nur 5,3 Zoll sind. Dazu kommen wie beim Schwestermodell ein 12,9-Zoll-Touchscreen und ein neues Lenkrad mit physischen Tasten.
Der Raval nutzt erstmals bei Cupra ein Android-Betriebssystem. Der dazugehörige Store bietet Zugriff auf über 130 Apps von Drittanbietern wie Video-Streaming von Netflix oder Prime Video. Erstaunlicherweise wird als Navigationslösung aber nicht Google Maps verwendet, sondern die Cupra-eigene Software. Das Kartenbild sieht exakt so aus wie beim großen Bruder. Gern hätten wir die Laderoutenplanung ausprobiert, aber bei den vorgestellten Versionen funktionierte diese noch nicht richtig.
Cupra hebt die erhöhte Sitzposition im Raval hervor - das können wir bestätigen. Für uns stellt sich allerdings die Frage, wie das zu der Positionierung als fahrerorientiertes, sportliches Fahrzeug passen soll. Aber vielleicht wird das erst deutlich, wenn man das Auto selbst fährt. Eine "zweigeschossige" Mittelkonsole schafft Stauraum; Ambientebeleuchtung und Soundsystem sorgen für Stimmung. Auch gibt es in diesem Segment seltene Lichtprojektionen: Ein Projektor im Armaturenbrett wirft anpassbare, animierte Grafiken auf die Türverkleidungen.
Man darf zwischen drei verschiedenen Interieurdesigns wählen: Pulse bietet Sportsitze, die mit recyceltem Polyester bezogen sind. Immersive hat Schalensitze mit elektrischer Einstellung und Memory-Funktion, die mit dem Mikrofasermaterial Dinamica bezogen sind. Feel enthält ebenfalls Schalensitze, die hier jedoch mit veganem Leder bezogen sind. Das Ahead-Paket schließlich umfasst als Topversion noch sportlichere Schalensitze mit "3D-gestrickter Polsterung", die offenbar in Farbe und/oder Gestaltung individuell konfiguriert werden kann. Dazu kommen mit dem 3D-Drucker erstellte Elemente am Armaturenbrett.
Bilder von: Cupra
Im Fond hat der 1,75 Meter große Autor ausreichend Platz: Vor den Knien und über dem Kopf bleiben jeweils ein paar Zentimeter Spielraum. Uns fiel auch das große Glasdach im fotografierten Modell auf.
Antriebe und Akkus
Der Cupra Raval basiert auf dem weiterentwickelten Modularen Elektrobaukasten MEB+ und hat anders als Born & Co. stets Frontantrieb. Der neue Elektroantrieb soll besonders effizient arbeiten und zudem klein und leicht sein. Es handelt sich um den APP290 von Volkswagen, der mit einem Siliciumcarbid-Inverter kombiniert wird, wie uns Cupra auf Nachfrage bestätigte.
Antriebe und Akkus sind die gleichen wie beim VW ID. Polo, wobei Cupra aber noch nicht alle Daten verrät. Ohnehin gibt es zum Bestellstart nur die beiden Topversionen Endurance und VZ.
| Cupra Raval | Cupra Raval Plus | Cupra Raval Endurance | Cupra Raval VZ | |
| Antrieb | FWD 85 kW | FWD 99 kW | FWD 155 kW | FWD 166 kW, 290 Nm |
| 0-100 km/h | k.A. | k.A. | k.A. | 6,8 Sek. |
| Höchstgeschwind. | k.A. | k.A. | k.A. | 175 km/h |
| Batterie | 37 kWh LFP | 37 kWh LFP | 52 kWh NMC | 52 kWh NMC |
| WLTP-Reichweite | ca. 300 km | ca. 300 km | 413-444 km | 379-381 km |
| Max. Ladeleistung AC/DC | 11 / 50 kW | 11 / 88 kW | 11 / 105 kW | 11 / 105 kW |
| DC-Ladedauer 10-80 % |
23 min | 23 min | 24 min | 24 min |
Wir sahen unter die Fronthaube und stellten fest, dass der Inverter senkrecht steht. Den Grund für diese ungewöhnliche Lösung kennen wir bisher nicht. In der Mitte des Motorraums ist der Klimakompressor auf einem Gummilager positioniert, wodurch verhindert wird, dass sich seine Vibrationen auf das Auto übertragen.
Außerdem hat der Wagen nur einen Kühlflüssigkeitsbehälter - die Frage, ob das Auto nur einen Kühlkreislauf hat, wurde mit Ja beantwortet, aber der Sprecher schien sich nicht sehr sicher zu sein. Der Akku wird jedenfalls von oben gekühlt, was ebenfalls eine ungewöhnliche Lösung darstellt. Vorteil: So können die Entgasungsöffnungen nach unten (also weg von den Insassen) gerichtet sein, wie uns ein VW-Ingenieur auf der IAA sagte. Die Entgasungsöffnungen bauen den Überdruck in beschädigten Zellen ab.
Bei den Zellen handelt es sich um sogenannte Einheitszellen des VW-Konzerns. Das sind prismatische Zellen mit standardisierten Abmessungen und wahlweise LFP- oder NMC-Chemie. Die Zellen werden in drei "Stacks" angeordnet, also in drei Reihen nebeneinander. Sie werden ohne die Verwendung von Modulen direkt zum Batteriepaket zusammengestellt (Cell-to-Pack-Ansatz) - das spart Gewicht und Platz. Aufgeladen wird bei den Startversionen mit 105 kW, bei den später folgenden Versionen dagegen mit 88 bzw. nur mit 50 kW.
Was die Rekuperation angeht, so gibt es wie beim Elektro-Polo einen One-Pedal-Driving-Modus, der das Fahrzeug ohne Bremspedal-Betätigung bis zum Stillstand bringt. Daneben gibt es nach Angaben eines Produktsprechers einen Segelmodus ohne Rekuperation sowie zwei mittelstarke Rekuperationsmodi. Zudem soll es auch noch einen adaptiven Modus geben, bei dem die Rekuperationsstärke automatisch an die Fahrweise des vorausfahrenden Fahrzeugs, an Tempolimits etc. angepasst wird. Eine Besonderheit ist die e-Launch-Funktion: Beleuchtung, Cockpit-Animation und Sounds sollen ein Gefühl wie beim Start eines Rennens vermitteln.
Fahrwerk
Besonderheiten bietet der Raval eher beim Fahrwerk. Der Neuling hat allerdings wie der ID. Polo hinten eine Verbundlenkerachse. Eine Mehrlenkerachse wie im Born oder auch dem Renault 5 wäre wohl die fahrtechnisch bessere Lösung gewesen, hätte aber Abstriche beim Kofferraum bedeutet. Zu den Unterschieden gegenüber dem ID. Polo gehört das Sportfahrwerk, das 15 mm tiefer als bei den Schwestermodellen liegt. Auch die straffere Federung, die um zehn Millimeter breitere Spur, eine progressive Lenkung und ein "ESC Sport"-Modus sollen für sportliches Handling sorgen.
Bei der Topversion VZ, die mit 166 kW Antriebsleistung dem ID. Polo GTI entspricht, kommen noch adaptive Stoßdämpfer (DCC) hinzu, die sich mit Einstellungen an persönliche Bedürfnisse anpassen lassen. VZ steht für das spanische Wort veloz, was schnell bedeutet. Diese Version bietet auch ein elektronisches Sperrdifferenzial, einen ESP-Off-Modus, 19-Zoll-Räder mit breiteren Reifen (235 mm) sowie Dinamica-Schalensitze und die e-Launch-Funktion.
Wie der Elektro-Polo hat auch der Raval rundum Scheibenbremsen. Außerdem wird das elektronische One-Box-Bremssystem hervorgehoben, das den Bremskraftverstärker und das ESP vereint. Das soll Pedalgefühl und Rekuperation verbessern.
Ausstattung und Preise
Wie bereits bekannt, liegt der Einstiegspreis für die 85-kW-Version des Raval bei 25.950 Euro. Zur Ausstattung gehören Vehicle-to-Load (V2L), womit man externe Geräte wie Laptops oder E-Bikes mit Strom versorgen kann. Plug & Charge erleichtert die Authentifizierung an der DC-Säule. Zudem gibt es eine Navigation, die als App auf dem Smartphone oder im Raval verwendet werden kann und eine Laderoutenplanung bietet.
Mit der App auf dem Handy lässt sich nicht nur die Klimaanlage, sondern auch die Ambientebeleuchtung steuern - wozu das gut sein soll, konnte man uns aus dem Stand auch nicht erklären. Zur Serienausstattung des Raval gehört zudem ein Audiosystem mit sieben Lautsprechern. Optional gibt es ein Sennheiser-System mit zwölf Lautsprechern. In den Fahrmodi Performance und Cupra wird ein künstliches Fahrgeräusch aktiviert. Der neue Travel Assist reagiert auch auf rote Ampeln, Vorfahrt-gewähren-Schilder und Stoppschilder.
Bei der Markteinführung werden drei Launch-Editionen erhältlich sein: Die Dynamic-Version bietet den 155-kW-Antrieb, bleibt aber bei der Ausstattung eher einfach. Dynamic Plus bietet die gleiche Antriebstechnik, aber mehr Extras, darunter bestimmte Assistenzsysteme, Matrix-LED-Scheinwerfer, Schalensitze und das Sennheiser-Audiosystem. VZ Extreme hat die 166 kW starke Motorisierung und die sportlichsten Schalensitze mit 3D-Strickbezügen, grüne (!) 19-Zoll-Alufelgen mit Performance-Reifen und eine auffällige Außenlackierung in Manganese Matt.
Der Cupra Raval wurde im Werk Martorell (bei Barcelona) entworfen und entwickelt und wird auch dort produziert. Das Gleiche gilt für das Schwestermodell ID. Polo, während die SUV-Varianten ID. Cross und Skoda Epiq im nordspanischen Pamplona gebaut werden. Bestellbar ist der Cupra ab dem heutigen 9. April, ausgeliefert wird dann im Sommer. Das betrifft aber nur die Versionen mit 155 und 166 kW, die schwächeren Versionen sollen später folgen.
Unter dem Strich
Der neue Cupra Raval entspricht dem VW ID. Polo - ähnlich wie der Born dem ID.3 entspricht. Die Technik ist die gleiche wie beim jeweiligen VW-Äquivalent, man grenzt sich jedoch mit einem sportlicheren Fahrwerk, einem besonderen Design, ungewöhnlichen Farben und zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten ab. Insofern geht Cupra genauso vor wie beim Born. Und dürfte ebenso erfolgreich sein wie mit diesem.








