Mercedes hat heimlich die "Rote Sau" von AMG modernisiert

Verantwortlich für den Entwurf ist der inzwischen ehemalige Designchef Gorden Wagener

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Mercedes erwarb 1999 eine Mehrheitsbeteiligung an AMG, bevor die Marke sechs Jahre später vollständig in den Konzern integriert wurde. Allerdings existierte das Unternehmen da bereits seit 1967: Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher machten sich seinerzeit in der Nähe von Stuttgart selbstständig.

Die beiden Ingenieure, die zuvor am Rennmotor des 300 SE gearbeitet hatten, verließen Mercedes und gründeten (tief durchatmen): Aufrecht Melcher Großaspach Ingenieurbüro, Konstruktion und Versuch zur Entwicklung von Rennmotoren.

Mercedes-Benz 300 SEL 6.8 AMG Red Pig

Wie bei jeder großen Auto-Geschichte führen AMGs Wurzeln in den Motorsport. Der erste größere Erfolg folgte nur vier Jahre später: Ein AMG Mercedes 300 SEL 6.8 gewann bei den 24 Stunden von Spa 1971 nicht nur seine Klasse, sondern wurde auch trotz seiner Masse Gesamtzweiter. Mehr als ein halbes Jahrhundert später ist die Super-Limousine mit dem Spitznamen "Rote Sau" zurück - wenn auch nur virtuell. Der inzwischen ehemalige Mercedes-Designchef hat eine bislang geheime, modernisierte Interpretation des V8-Monsters ausgegraben.

Gorden Wagener, der das Unternehmen Ende des vergangenen Monats nach 29 Jahren bei Mercedes verlassen hat, zeigt seine Vision einer modernen "Roten Sau" in einer Reihe von Bildern auf Instagram. Passend zu aktuellen Modellen konnte er es sich nicht verkneifen, die Scheinwerfer mit dreizackigen Sternen zu versehen. LED-Ringe ersetzen die Zusatzscheinwerfer des Rennwagens, während die Fünfspeichenräder eine Hommage an das Original sind.

Wichtig: Die echte "Rote Sau" existiert heute nicht mehr. Der auf einer beschädigten W109 S-Klasse aufgebaute Rennwagen mit seinem gewaltigen 6,8-Liter-Motor und 428 PS Leistung (genug für 265 Spitze) wurde später von Matra übernommen - einem längst verschwundenen französischen Industriekonzern -, der das Auto für Tests von Flugzeugfahrwerken nutzte.

Gorden Wageners Mercedes Red Pig Konzept

Das ergab durchaus Sinn: Der normale 300 SEL 6.3 galt damals als schnellstes deutsches Serienauto und als einer der schnellsten Viertürer weltweit. Wie zu erwarten, wurde das Fahrzeug in seinem zweiten Leben als Testträger für Flugzeugreifen schließlich zerstört.

Mercedes bekam später die originalen Blaupausen in die Hände und baute Mitte der 2000er Jahre eine originalgetreue Replik. Rund zwei Jahrzehnte danach lässt Gorden Wagener den Geist der "Roten Sau" für sein Buch "Iconic Design" (der Titel lässt Bescheidenheit erahnen) wieder aufleben - das zudem bislang unveröffentlichte Bilder seiner Arbeit zeigt. 540 handsignierte Exemplare zum Stückpreis von 75 Euro sind bei Delius Klasing erschienen.

Das Auto, das den Grundstein für AMG legte, wiederzubeleben, ist keine einfache Aufgabe - dennoch hat Gorden Wagener sich getraut, dieses ikonische Fahrzeug für das 21. Jahrhundert neu zu interpretieren. Auch wenn es niemals eine Serienversion geben wird, dürfte dieses "Was-wäre-wenn"-Gedankenspiel bei AMG-Fans gut ankommen: Es zeigt, wie deine neue "Rote Sau" mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem legendären Auftritt in Spa-Francorchamps wirken könnte.

Wagener hat die Mercedes-Designsprache in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich geprägt und sich damit das Recht verdient, zu einer der frühesten AMG-Ikonen zurückzukehren. Eine Rückkehr zu diesem markanten Kühlergrill zeichnet sich ab: Das letztjährige Vision-Iconic-Konzept gab bereits einen Ausblick auf eine neue Designsprache, die bewusst an die Vergangenheit anknüpft.

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Autor: Adrian Padeanu