Manchmal ist "anders" einfach besser. Oder zumindest interessanter. Die Automobilgeschichte ist voll von Fahrzeugen, die sich nicht an Regeln hielten, die polarisierten oder einfach gnadenlos am Massengeschmack vorbei entwickelt wurden. Doch genau diese "Weirdos" sind es, die heute Kultstatus genießen.
Keinen Bock mehr auf den immergleichen SUV- und Crossover-Einheitsbrei? Gut, hier sind zehn der besten automobilen Exzentriker, die Sie aktuell auf dem Gebrauchtwagenmarkt abgreifen können. Manche für den schmalen Taler, andere leider überhaupt nicht.
Renault Avantime
Es ist unmöglich, eine solche Liste ohne einen der liebenswertesten Sonderlinge aller Zeiten zu erstellen. Der Avantime startete in den konservativen Markt der frühen 2000er mit einem Selbstbewusstsein, das nur einer Marke zusteht, die bereit ist, alles auszuprobieren. Wir erinnern uns: Renault quetschte zu dieser Zeit auch V6-Motoren in die Mitte von Clios.
Doch so ein Clio V6 wirkt ja fast konventionell neben einem Coupé-Van mit zwei doppelt angeschlagenen Türen und der Silhouette eines riesigen Turnschuhs. Die Verkaufszahlen des Avantime waren desaströs (nur knapp 8.500 Autos wurden gebaut), die Produktion dauerte nur zwei Jahre und war viel zu teuer. Doch der Kultstatus folgte auf dem Fuß.

Zuletzt hatte ich Gelegenheit, in der Renault-eigenen Sammlung auf Tuchfühlung mit dem voluminösen Zweitürer zu gehen. Selbst im Fahrzeug der Sammlung ist der Innenraum ziemlich schlecht gealtert. Vieles passte bei dieser mutigen Idee letztlich einfach nicht zusammen.
Der Name bedeutet übersetzt "der Zeit voraus" - und da lagen die Franzosen nicht falsch: Die Welt war noch nicht bereit für den Avantime. Jetzt kriegt man ihn zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Interessant ist natürlich der 3,0-Liter-V6 mit Handschalter.
Ford Flex
Hand aufs Herz: Wer von Ihnen war schon mal in den Staaten im Urlaub und hat sich in dieses seltsame Ding verguckt? Naaaa? Ich kann das auf jeden Fall mit Fug und Recht behaupten und ich schäme mich nicht dafür.

Der Flex ist ein Mix aus Familien-Van und SUV und ein gehöriger Schuss Nostalgie ist ebenfalls involviert. Gebaut wurde er zwischen 2008 und 2019. Entworfen wurde er unter der Leitung von Peter Horbury (einer Legende in der Volvo-Designgeschichte).
In hiesigen Parkhäusern dürfte er sich dank 5,13 Meter Länge recht riesig anfühlen, aber vor der Schule werden Sie spektakulär auffallen. Interessant auch: in späteren Modellen gibt es den 3,5-Liter-Biturbo-V6 mit 360 PS. Eine Handvoll gebrauchter Flex findet man auch bei uns, je nach Baujahr und Zustand zwischen 5.000 und 20.000 Euro.
Mercedes R-Klasse
Die R-Klasse ist sicher eines der verwirrendsten Autos des 21. Jahrhunderts. Was daran liegen könnte, dass nicht mal Mercedes selbst so genau zu wissen schien, was der gute R eigentlich sein sollte. Von "Sports Cruiser" über "Grand Sport Tourer" und "SUV-Tourer" bis hin zum "Family Tourer" reichten die Vorschläge der Marketingabteilung. Wir würden sie als bunten Mix aus Kombi, Van und SUV mit einem Hauch Luxus-Limousine bezeichnen. Das konnte kaum funktionieren.

In Deutschland wurden zwischen 2005 und 2013 lediglich 18.680 Exemplare verkauft. Auch in den USA, die der Hauptmarkt für die R-Klasse sein sollten, lief es nicht wie geplant. Lediglich in China war das Auto ein Erfolg.
Heute geht es uns mit der R-Klasse wie mit so vielen Modellen, die zu ihrer Zeit nicht den Geschmack der Masse trafen - wir finden sie inzwischen ziemlich großartig. Maximale Coolness erwirbt man freilich mit dem R 63 AMG mit 510 PS starken 6,2-Liter-V8, der lediglich 200-mal gebaut wurde. Heute ist der R - meist mit sehr hohen Laufleistungen - ein Schnäppchen.
Aston Martin Cygnet
Noch ein Auto, das bei der Markteinführung alle verwirrte, heute aber ein wilder Kultklassiker ist. Dass Aston Martin seine Emissionen zynisch durch das Umbenennen eines Toyota iQ senken wollte, klang wie ein misslungener Aprilscherz. Zudem dürfte sich der durchschnittliche Aston-Kunde mit 98 PS aus einem 1,3-Liter-Vierzylinder etwas schwer getan haben.

In Deutschland kostete das Auto neu ab 37.990 Euro. Das war 2011. Insgesamt wurden lediglich 593 Exemplare gebaut. Und doch scheint etwas an einem aufgehübschten Stadtauto mit echtem Aston-Grill den Nerv von Sammlern zu treffen. Für gute Exemplare zahlen Sie heute über 50.000 Euro. Ein besonders skurriler Cygnet wurde erst vor kurzem zum Verkauf angeboten. Ein Enthusiast hatte sich den Wagen bei Aston mit einem Achtzylinder ausrüsten lassen. Müssen Sie sehen. Hier können Sie.
Suzuki Ignis
Im ersten Test im Jahr 2016 bezeichneten wir ihn als DUV (Drolliges Utility Vehicle) und verfielen seiner niedlichen Optik komplett. Aber auch abseits seines äußerst gelungenen Designs hat der Ignis genug zu bieten. Er fährt mit genug Charme, um dem Look gerecht zu werden und trotz seiner winzigen Ausmaße bietet er innen bemerkenswert viel Platz.

Außerdem gibt es ihn auch mit einem vernünftigen Allradantrieb. Auf frischen Reifen gibt es wenig, das ihn im Schnee schlägt. Dass Suzuki den sparsamen Ignis in Europa ausgerechnet aufgrund gerissener Emissionswerte 2025 aus dem Programm nehmen musste, zeigt den bürokratischen Irrsinn dieser EU-Vorgaben. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt findet man sehr viele gute Exemplare zwischen 10.000 und 20.000 Euro.
Fiat Multipla
Der Multipla ist quasi der Urvater der automobilen Schrägheit. Für viele gilt er nach wie vor als hässlichstes Auto der Welt. Wir können dazu nur sagen: Gähn. Denn der Entwurf ist genial. Wo kriegen Sie sonst sechs vollwertige Sitzplätze plus passablen Kofferraum auf 3,99 Meter Länge?

2004 gab es ein großes Facelift, das vor allem die wilde Frontpartie glattschliff, dem Auto so aber auch den Charakter raubte. Unter Fans und Sammlern ist heute daher die ab 1999 gebaute Urversion wesentlich beliebter. Leider sind gute Exemplare dieser Variante absolute Mangelware.
Übrigens war der vermeintlich so gruselige Familienwagen in puncto Verkaufszahlen beileibe kein Rohrkrepierer. Insgesamt entstanden gut 343.000 Exemplare.
Ford Streetka
Nur zwei Jahre lang, von 2003 bis 2005, baute Ford den pfiffigen Streetka. Genauer gesagt, ließ bauen. Bei Pininfarina liefen rund 37.000 Exemplare vom Band. Dadurch ist der 3,65 Meter kurze Roadster keine so krasse Rostbombe wie sein ziviler Cousin. Klar, die wilde Optik muss man mögen. Aber der Streetka stach damals mit klassischem Stoffverdeck (die Plastikheckscheibe ist ein Verschleißteil) aus dem Trend der moppeligen kleinen Klappdach-Cabrios hervor.

So wiegt er nur 1.136 Kilogramm, weshalb der 1,6-Liter-Bauernmotor mit 95 PS durchaus für Fahrspaß sorgen kann. Schließlich stammt der Streetka aus einer Ära, in der Ford in seine Autos feine Fahrwerke und gute Schaltgetriebe einbaute. Und er hat einen Pluspunkt gegenüber einem Mazda MX-5: Im Streetka können selbst bandscheibengeplagte Menschen über 1,80 Meter vernünftig sitzen.
BMW Z3 M Coupé
Sich über das Design von BMW aufzuregen, ist inzwischen ja zu einer Art Volkssport geworden. Als ob die Bayern dahingehend nicht schon immer Grenzen verschoben hätten. Ein Beispiel ist der sogenannte "Turnschuh" - genau, das Z3 Coupé, das 1998 auf den Markt kam. Wobei, hat sich über den wirklich irgendjemand echauffiert? So vortrefflich wie er aussah und das bis heute tut?

Inzwischen ist er ein absoluter Klassiker, der gerade als Z3 M Coupé mit dem 321 PS starken 3,2-Liter-Reihensechszylinder die Geschmackssicherheit und Coolness seines Besitzers demonstriert. Die Stückzahlen des Shooting Brake sind extrem überschaubar. Zwischen 1998 und 2002 entstanden weniger als 18.000 Exemplare, davon nur 6.291 M Coupés. Entsprechend teuer sind diese nun. Unter 50.000 Euro geht nicht all zu viel. Zudem gilt das Fahrverhalten des M als "nicht ganz ohne".
Skoda Felicia Fun
Der Felicia Fun ist ein herrlich wunderliches Stück Automobilgeschichte. Ein knallgelber Pickup mit Fröschen auf den Säulen und einer verschiebbaren Rückwand, die zwei Notsitze im Freien freigibt? Der Fun ergibt im Straßenbild voller langweiliger SUVs erfrischend wenig Sinn.

Der in Deutschland grundsätzlich mit einem 75-PS-Benziner motorisierte Fun kostete 1999 umgerechnet knapp 14.000 Euro. Insgesamt 4.016 Skoda Felicia Fun rollten von Oktober 1995 bis August 2000 im Werk Vrchlabí vom Band. Heute gelten die auffällig gelben Freizeitfahrzeuge als begehrte Sammlerstücke. Entsprechend schwer ist es, einen zu ergattern. Wir fanden online ein Exemplar für knapp 8.000 Euro.
Polestar 1
Na gut, der Polestar 1 ist nicht wirklich schräg. Viel mehr ist er eines der schönsten Autos, das in den letzten 20 Jahren Serienreife erlangen durfte. Verwirrend sind eher sein Antrieb und seine Positionierung innerhalb des Polestar-Portfolios.
Vorgestellt wurde das teuflisch attraktive Coupé 2017, quasi als Vorgeschmack auf das, was einen beim neuen Hersteller Polestar erwarten sollte. Komisch nur: Polestar definiert sich als rein elektrische Marke, doch der 1 hat einen megakomplexen Plug-in-Hybrid an Bord.

Seine Kombi aus doppelt aufgeladenem 2,0-Liter-Benziner (Turbo und Kompressor), 68-PS-Startergenerator vorne plus zwei Elektromotoren an der Hinterachse fühlt sich selbst im stark hybridisierten Markt von heute noch mutig an. 609 PS und 1.000 Nm Drehmoment sorgen auch bei 2.350 Kilo Gewicht für Zügigkeit.
Lediglich 1.500 Exemplare ab jeweils 155.000 Euro wurden zwischen 2019 und 2021 gebaut. Schon jetzt ist er ein absoluter Klassiker. Viele Gebrauchte werden nicht angeboten. Preislich liegen die wenigen etwas unter Neupreis.








