VW Golf: Vor 50 Jahren kam der Diesel auf den Markt

Alle reden 2026 vom GTI-Jubiläum, doch es gibt noch einen Grund zu feiern

Motor1.com Deutschland: Auto-Tests, Auto-News und Analysen

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Vor 50 Jahren spielt der Diesel im Pkw noch eine Nebenrolle. Taxifahrer schätzen ihn, ebenso Bauern, die ihren Mercedes 200 D auch schon mal mit Agrardiesel tanken. Generell haftet dem Selbstzünder in jener Zeit aber noch das Odium eines Antriebs für Nutzfahrzeuge an.

Das ändert sich bald, nicht nur aufgrund höherer Spritpreise nach der Ölkrise von 1973. (Im März 2026 möchte man sagen: Geschichte wiederholt sich ...) Volkswagen erweitert 1976 das Angebot beim Golf I um zwei Varianten, die das Profil des Kompaktwagens nachhaltig prägen. Neben dem sportlichen GTI erscheint der Golf D mit einem völlig neuen Dieselkonzept.

50 Jahre VW Golf Diesel

Der 1,5-Liter-Selbstzünder leistet 50 PS und basiert konstruktiv auf dem hubraumgleichen Ottomotor. Mit 1.471 ccm Hubraum, 37 kW (50 PS) Leistung bei 5.000 U/min und 80 Nm bei 3.000 U/min gilt er als kleinster und sparsamster Dieselmotor im Marktumfeld. 6,5 Liter verbraucht der 800 Kilogramm schwere Golf Diesel laut Werksangabe, das sind gut zwei Liter weniger als der gleich starke Benziner.

Technisch setzt VW auf das Wirbelkammer-Verfahren, das für eine (für damalige Verhältnisse) beachtliche Laufruhe sorgt. Da der Motorblock aus Grauguss besteht, aber viele Bauteile mit dem Benziner teilt, wiegt das Aggregat nur rund 20 kg mehr als die Ottovariante - ein entscheidender Vorteil für das Handling. Das Fahrzeug benötigt zwar noch einige Zeit zum Vorglühen. Aber mit einem per Zugknopf zu betätigenden Kaltstartbeschleuniger (KBS) wird die Vorglühzeit auf 30 Sekunden verkürzt.

Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Auch Großkunden und Firmenflotten greifen zu, bekannt werden die gelben Gölfe der Bundespost. 1977 kostet der günstigste Golf Diesel in der Bundesrepublik 10.950 DM, rund 1.500 Mark mehr als der Benziner. Volkswagen baut mit diesem Aggregat seine Stellung aus und entwickelt sich zum weltweit größten Hersteller von Dieselmotoren.

Die Eckdaten des Golf I bleiben über die Bauzeit weitgehend konstant: Der wassergekühlte Vierzylinder sitzt vorne quer, angetrieben werden die Vorderräder. Der Radstand beträgt 2.400 mm. Die Karosserie misst zunächst 3.705 mm in der Länge, wächst ab 1978 auf 3.815 mm und variiert je nach Version geringfügig.

1980: Modellpflege und der SC

1980 folgt eine Modellpflege. Die Rückleuchten wachsen deutlich in Breite und Höhe, die Armaturentafel wird neu gestaltet. Ergänzend legt Volkswagen das Sondermodell Golf SC auf. Es verfügt über eine umfangreiche Zusatzausstattung, ein orangefarbenes VW-Emblem an der Front sowie einen spezifischen SC-Schriftzug am Heck. Im Innenraum fallen Sitze mit karierter Stoffausführung auf, die an den GTI erinnern.

Technisch entwickelt sich auch der Diesel weiter: Der Hubraum steigt auf 1.588 ccm, die Leistung auf 54 PS beziehungsweise 40 kW bei 4.800 U/min. Das maximale Drehmoment erhöht sich auf 98 Nm bei 2.300 U/min. Der größere 1,6-Liter-Diesel ersetzt schrittweise den 1.5 D und verbessert die Elastizität im Alltagsbetrieb spürbar.

1981: Effizienz durch Formel E

1981 reagiert Volkswagen auf steigende Kraftstoffpreise mit gezielten Effizienzmaßnahmen. Für den 1,1-Liter-Benziner und den Diesel steht die Formel-E-Version zur Verfügung. Sie kombiniert ein 3+E-Getriebe (mit lang übersetztem vierten Gang) mit verbesserter Aerodynamik durch einen Frontspoiler vom GTI sowie einer Schalt- und Verbrauchsanzeige. Ziel ist eine massive Reduktion des Kraftstoffkonsums im realen Fahrbetrieb. Diese Varianten laufen bis 1983 und markieren einen frühen systematischen Ansatz zur Verbrauchssenkung.

1982: Der erste GTD

1982 folgt ein weiterer Technologieschritt. VW präsentiert einen 1,6-Liter-Vierzylinder mit Turbolader aus dem Motorenwerk Salzgitter. Das Aggregat leistet 70 PS beziehungsweise 51 kW bei 4.500 U/min und entwickelt 130 Nm bei 2.600 U/min. Im Golf GTD erreicht der Motor eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der Turbodiesel verbindet Durchzugskraft mit moderatem Verbrauch und widerlegt das Image des trägen "Heizöl-Ferrari.

Auf Wunsch kommt ein 4+E-Getriebe zum Einsatz. Optisch orientiert sich der GTD am GTI: Er trägt Kotflügelverbreiterungen, Breitreifen und eine ähnliche Innenausstattung, unterscheidet sich jedoch durch einen chromumrahmten Kühlergrill. Damit etabliert Volkswagen den sportlichen Diesel im Kompaktsegment.

1993: Die TDI-Revolution

1993 erreicht die Dieseltechnologie im Golf (nun in der dritten Generation) eine neue Stufe. Mit dem 1,9-Liter-Turbodiesel führt Volkswagen die TDI-Technik (Direkteinspritzung) ein. Eine elektronisch gesteuerte Verteilerpumpe dosiert die Einspritzung präzise. Das System kombiniert hohe Leistung mit kurzem Vorglühen, ausgeprägtem Drehmoment und drastisch reduziertem Verbrauch. Damit verändert der TDI die Wahrnehmung des Dieselantriebs erneut und setzt bis heute nachwirkende Maßstäbe für Effizienz.

© Motor1.com
Autor: Roland Hildebrandt