Dacia Spring 100 (2026) im Test: Wie fahren sich die 75 kW?

Der neue Dacia Spring Extreme kommt nun mit 75 kW und LFP-Akku daher. Aber ist das leichte Fahrzeug der höheren Leistung gewachsen?

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Äußerlich ist der Dacia Spring Electric ganz der Alte. Gegenüber dem Facelift von 2024 kamen nur die hellblaue "Seafoam"-Lackierung und kleine aerodynamische Änderungen hinzu. Die Musik spielt unter dem Blech, denn da ist vieles neu: Die Antriebe wurden deutlich stärker, was eine Anpassung von Fahrwerk und Bremsen nötig machte. Und der Akku ist völlig anders. Grund genug, das Modell zu testen. Wir haben eine Runde mit der 75-kW-Version gedreht.

Eine Stunde und nicht mehr: Meine Zeit mit dem Dacia Spring des Modelljahres 2026 ist kurz, aber die Bedienung ist so simpel, dass wohl alle damit zurechtkommen, die schon einmal ein Automatikauto gefahren haben. Doch ich eile voraus. Beginnen wir wie immer mit den wichtigsten Daten:

  Dacia Spring Electric 100 Extreme
Antrieb FWD 75 kW, 137 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 9,6 Sek. / 125 km/h
WLTP-Verbrauch kombiniert 12,4 kWh/100 km (Autobahn: 17,0 kWh/100 km)
Akku 24,3 kWh brutto, ca. 24 kWh netto
(LFP, 108 Zellen, 345 Volt, 204 kg)
WLTP-Reichweite 225 km
Ladeleistung AC / DC 3,7 kW (einphasig, 16 A) / 40 kW
Ladedauer AC / DC 6 h 35 min (mit 2,3 kW 10 h 11) / 46 min
Preis 19.700 Euro

Der Spring wird sogar nach wie vor mit einem herkömmlichen Zündschlüssel gestartet. Ja, ein richtiger Schlüssel mit Bart. Außerdem besitzt der Wagen immer noch eine traditionelle Handbremse in Form eines Hebels. Es löst fast schon nostalgische Gefühle aus, sie anzuziehen. Das ist auch unbedingt nötig, denn einen P-Modus hat der Wagen nicht.

Weil ich inzwischen schwere Elektro-SUVs gewöhnt bin, fahre ich etwas zu forsch in die ersten Kurven. Dabei merke ich schnell, dass hier Vorsicht angesagt ist: Beinahe wäre ich mit dem schmal bereiften Leichtgewicht auf feuchtem Asphalt abgeflogen. Der bisher wahlweise 33 oder 48 kW starke Frontantrieb ist nun deutlich erstarkt auf 52 bzw. 75 kW.

Ich fahre die stärkere Version, und die fühlt sich richtig flott an, was wohl auch daran liegt, dass man sich in einem kleinen, einfachen Auto wie dem Spring immer schneller vorkommt als in einem gut lärmgedämmten, großen Modell mit sorgsam abgestimmtem Fahrwerk.

Denn der Spring fährt sich ziemlich holprig. Dacia hatte vorab den Tempolimiter des Testwagens auf 90 km/h eingestellt. Wohl nicht ohne Grund, denn bei erhöhtem Tempo fühlt man sich nicht mehr so recht sicher. Auf dem kurzen Autobahnstück, das ich fahre, braucht es auch wegen des Seitenwinds etwas Mut, die 100-km/h-Grenze zu überwinden. Später auf der Landstraße drehen bei Vollgas sogar einmal die Räder durch, wobei der Wagen auch nicht mehr in der Spur bleibt.

Bilder von: Dacia

Schneller als 125 km/h fährt der Wagen nicht, mein Testwagen macht nach Tacho erst bei 130 km/h Schluss. Nicht schlimm, denn der Spring ist ein Stadtauto. Mit diesem Fahrwerk und einer WLTP-Reichweite von 225 km eignet er sich wenig für lange Strecken. Schade, denn mit einem Normverbrauch von 12,4 kWh/100 km ist der Spring eines der sparsamsten E-Autos überhaupt. Die Rekuperation kann man verstärken, indem man am Moduswähler zwischen den Sitzen statt des normalen D-Modus den B-Modus aktiviert, in dem die Energierückgewinnung fühlbar höher ausfällt.

Der Spring ist nach wie vor ein Nasenlader. Bestellt man den DC-Ladeanschluss für 650 Euro dazu, sind 40 kW möglich, und damit 10 kW mehr als bisher. Mit Wechselstrom wird unverändert nur einphasig geladen. Im Land der Schieflastverordnung bedeutet das: maximal 3,7 kW. Die meisten Kundinnen und Kunden laden das Auto angeblich sogar an der Haushaltssteckdose bei maximal 2,3 kW, erzählt mir später Dacia-Markenmanager Andreas Kinnen.

Und sonst? Nun, der altertümliche Zündschlüssel und die Handbremse wurden schon erwähnt. Dazu gibt es ziemlich viel Hartplastik im Innenraum. Aber die Gestaltung ist zumindest bei der gefahrenen Topversion Extreme ansprechend. Man guckt auf ein gut ablesbares 7-Zoll-Instrumentendisplay und beim Extreme erleichtert ein 10-Zoll-Touchscreen mit Navi die Orientierung.

Bilder von: InsideEVs

Die Sitze geben kaum Seitenhalt, was angesichts der Kurveneigenschaften fast schon als Sicherheitsmerkmal gelten kann. Im Fond habe ich als 1,75 Meter großer Testpassagier gerade noch ausreichend Platz; die Kopfstützen sind allerdings definitiv nur Nackenstützen - einen Auffahrunfall sollte man im Spring möglichst nicht haben. Damit sind wir beim Thema Sicherheit. Der Spring erhielt im EuroNCAP-Crashtest nur einen Stern. Und das war im Jahr 2021, als das Reglement noch nicht so streng war. Allerdings gibt es zu Konkurrenten wie dem Leapmotor T03 und dem Citroën e-C3 noch gar keinen EuroNCAP-Test.

Bilder von: InsideEVs

In puncto Kofferraumvolumen bietet der Dacia Spring 288-1.004 Liter, was zwischen dem Platzangebot im Leapmotor T03 (210-880 Liter) und im Citroën e-C3 (310-1.200 Liter) liegt. Die Fondlehne lässt sich nur im Ganzen umklappen, aber das ist beim T03 genauso; beim e-C3 ist die Fondlehne erst ab der gehobenen Version Plus geteilt. Zudem hat der Spring einen kleinen Frunk, der für Ladekabel oder ähnlichen Kleinkram reicht.  

Zur Serienausstattung des Spring Extreme gehören 15-Zoll-Stahlräder, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrisch einstellbare Außenspiegel (die Wippe dafür ist links neben dem Lenkrad), elektrische Fensterheber vorn und hinten (die vorderen Schalter befinden sich in der Mittelkonsole), eine Klimaanlage und zwei USB-C-Anschlüsse. Eine Sitzheizung fehlt.

Auch Assistenzsysteme hat der Extreme an Bord. Dazu gehören ein Lichtsensor, Parkpiepser hinten, eine Rückfahrkamera und ein Tempomat. Kein Abstandstempomat. Aber das System lässt sich leicht bedienen und bietet eine schöne Automatik-Funktion zur Anpassung des Tempos.

Bleibt noch die in diesem Segment äußerst wichtige Preisfrage: Was kostet der Dacia Spring? Nun, die Basisversion Essential für 16.900 Euro wird seit einiger Zeit nicht mehr angeboten. Das kommt paradoxerweise daher, dass die Nachfrage nach dieser Version unerwartet hoch war. Das brachte die Kalkulation von Dacia in Schieflage. In nächster Zeit wird der Essential auch nicht mehr wiederkommen, so der Hersteller.

Ist der Wagen dann immer noch das günstigste Elektroauto am Markt? Nach Listenpreis schon. Die Spring-Preise beginnen aktuell bei 18.700 Euro. Dafür gibt es die 52 kW starke Version mit der Ausstattung Expression. Das zweitgünstigste Modell, der Leapmotor T03, kostet 18.900 Euro.

Anders sieht es aus, wenn man Staatsförderung und Rabatte einbezieht. Mit der maximalen Staatsförderung in Höhe von 6.000 Euro und dem Dacia-Elektrobonus von 3.000 Euro bleiben beim Spring 9.700 Euro. Den Citroën e-C3 Urban Range gibt es schon für 7.990 Euro, wenn man die maximale Staatsförderung einbezieht, die vom Hersteller verdoppelt wird. Vielleicht sollte man das dem Dacia-Händler vorhalten, wenn man über den Preis spricht. Zumal, wenn es um die gefahrene Topversion Extreme geht, die 19.700 Euro kostet.

Dacia Spring 100 Extreme (2026, Bilder zum Test)

Unter dem Strich

Der Dacia Spring ist in der neuesten Version flotter geworden. Aber die 75 kW des Extreme sollte man nur mit Vorsicht nutzen, sonst ist man früher im Grenzbereich, als einem lieb ist. Das ist mein gewichtigster Kritikpunkt am Spring. Die schlechte EuroNCAP-Einstufung, die fehlende Sitzheizung, das begrenzte Platzangebot im Fond, das langsame Laden - geschenkt.

Der Dacia Spring soll vor allem einen erschwinglichen Einstieg in die Elektromobilität bieten. Und das Modell hat seine besten Zeiten hinter sich. Ende 2026 bringt Dacia einen elektrischen Kleinststromer auf Basis des neuen Renault Twingo Electric. Für unter 18.000 Euro und mit deutlich modernerer Technik. Noch legt sich Dacia zur Zukunft des Spring nicht fest, aber preislich bleibt für einen 18.700 Euro teuren Spring da kein Raum mehr. 

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Autor: Stefan Leichsenring