"Statussymbole sind mir natürlich nicht fremd, mich über sie zu definieren, jedoch schon", sagt Ex-Fußballprofi Mehmet Scholl 2011 in einem Werbespot zum Dacia Duster. Ein Statussymbol ist auch der erste Rumäne in Deutschland ganz sicher nicht. Aber ein Einstiegspreis von 7.200 Euro macht diesen Neuwagen damals zu einer Alternative für Menschen, die sich vorwiegend auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsahen.
Der Dacia Logan ist sozusagen der Uropa aller modernen Fahrzeuge der Budget-Marke. Solide Renault-Technik der vergangenen Jahre eingepfercht in einer Karosserie, wie sie quasi jedes Kleinkind zeichnen würde. Wobei ... der SUV-Flut sei Dank heutzutage vermutlich nicht mehr.
Doch nicht nur der 36-malige deutsche Nationalspieler pusht das Image der Marke. In den letzten Jahren schraubt eine Rennversion des Logan mit Megane-Cup-Motor bei Langstreckenrennen auf der Nordschleife massiv am Status als Publikumsliebling und Kultauto. Hat der einstige Billigheimer also Anlagen zum kommenden Klassiker?
Dem Rennsport ist der Rumäne tatsächlich nicht fremd. Schon damals soll ein Logan Cup den Einstieg in den Motorsport zugänglicher machen. Genau das, was der Logan in der Straßenversion auf Basis des Clio eben auch sein will - erschwinglich.
Mit insgesamt vier Renault-Motoren startet ab Mitte 2005 der erste moderne Dacia in Westeuropa: Ein 1,4 Liter mit 55 kW (75 PS), ein 1,6 Liter mit 64 kW (87 PS) und als 1,6-Liter-16V mit 77 kW (105 PS). Hinzu gesellt sich natürlich ein Diesel: Ein 1,5-Liter-Common-Rail mit anfangs 50 kW (68 PS). Die Ausstattung ist reduziert, die Sicherheitstechnik gegenüber der Konkurrenz ebenso.
Bilder von: Motor1.com Deutschland
Damit hagelt es Mitte der 2000er-Jahre nicht nur Kritik, sondern auch einen unterdurchschnittlichen Euro-NCAP-Crashtest: Nur drei Sterne sammelt der Rumäne. In der zweiten Generation rüstet Dacia mit Seitenairbags und ESP nach. Durch die Nutzung des Renault-Regals können die Kosten beim Bau gering gehalten werden, in der Entwicklung setzt Dacia auf Computersimulation statt Prototypen.
Robuste Technik auf spartanischem Dacia-Grund
Wie fährt sich der erste Logan heute? Wir sind mit dem 1,6-Liter-Reihenvierzylinder mit 87 PS unterwegs. Außerdem mit an Bord: elektrisch verstellbare Außenspiegel, Fensterheber vorn und ... halten Sie Ihren Hut fest ... eine Klimaanlage. Eine Woche quasi Premiumfahrgefühl im damals billigsten Neuwagen Deutschlands.
| Schnelle Daten | Dacia Logan (2006) |
| Motor | 1.6 MPI, Reihenvierzylinder |
| Leistung | 64 kW (87 PS) |
| Drehmoment | 128 Nm bei 3.000 U/min |
| 0 - 100 km/h | 11,5 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h |
| Gewicht | 1055 kg |
| Preis | ab 7.200 Euro (1.6: 8.900 Euro) |
Bei mir persönlich zaubert der Logan immer ein kleines Lächeln ins Gesicht. Erstens sieht man die Urgeneration hier kaum noch und zweitens sieht er so dermaßen unbedarft und simpel aus, dass man ihn einfach gern haben muss. Der von Dacia gebraucht gekaufte Logan stammt aus der freien Wildbahn und hat bis zu seinem neuen Leben als Presseauto satte 95.000 Kilometer gesammelt.
Die sieht man ihm aber keinesfalls an. Der Lack strahlt, die großzügige Plastikbeplankung an den Stoßfängern und die Radkappen scheinen kontaktfrei. Zudem gönnt sich die Stufe teilweise lackierte Stoßfänger - ich sag ja, Premium.
Im Innern geht der Ausflug in die Einstiegswelt weiter: Ein analoges Kombiinstrument mit Drehzahlmesser, eine kleine digitale Einheit für die Kilometeranzeige und runde Belüftungselemente eingebettet in einen Traum aus Hartplastik. Und ja, bei Sonneneinstrahlung riecht es auch genauso. Simple Drehregler und ein paar Schalter erinnern an die 1990er-Jahre bei Renault - Lenkstockhebel und Lenkrad ebenso. Nur alles 'ne Spur spartanischer. Da ändern auch Klimaknopf und CD-Radio nichts dran.
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Die Sitze sind immer ein wenig zu weich und etwas zu hoch in der Anlage, aber auch auf längerer Strecke durchaus gemütlich. Im Fond gibt's wenig Beinfreiheit, jedoch mehr als im vergleichbaren Clio. Die Fenster werden hier stilecht gekurbelt. Das eigentliche Wunderwerk wartet unterm Kofferraumdeckel. Ordentliche 510 Liter lassen sich unters Stummelheck werfen, weil sich das Ladeabteil tief unter der Heckscheibe bis zur Rückbank schleppt. Überraschend! Hatte ich so nicht mehr in Erinnerung.
Unscheinbare Clio-Stufe oder Youngtimer-Geheimtipp?
Bevor wir aber losfahren, werfe ich noch einen Blick in die viel zu klein geratenen Spiegel. Jetzt aber los, Kupplung kommen lassen ... nichts ... immer noch nichts ... ah, jetzt. Die Mechanik greift spät, aber zufrieden. Der 1,6-Liter-Vierzylinder brummt vergnügt vor sich hin. Beim Einfädeln in den Verkehr kommt die Sache mit dem Statussymbol wieder auf. "Wieso lässt mich keiner rein?", frage ich verdutzt. "Du fährst'n altes Auto", kommt von der Beifahrerin. Das mit der kommenden Kultkarre ist bei den Menschen, mit denen ich hier den Verkehr teile, offenbar noch nicht angekommen.
Ich schlängle mich gekonnt in eine Lücke, die 128 Nm Drehmoment verrichten zufriedenstellend ihr Antriebsmoment. 'Das wirkt erstaunlich flott', denke ich, bevor die gute Tonne Gewicht und der zur Verfügung stehende Hubraum in den Sinn kommen. 1.598 Kubikzentimeter und vier Zylinder haben wenig Probleme mit einem 4,02 Meter langen Logan.
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Gut so! Es schaltet sich zwar etwas hakelig und mit dem späten Druckpunkt der Kupplung etwas ungewohnt, aber das rollt ... gut sogar. Im Prinzip ist das hier ein Clio Stufenheck (welches in einigen europäischen Märkten auch existierte). Der Ur-Dacia profitiert von den generellen Fahranlagen des Kleinwagens. Das ist durchaus straff und komfortabel genug, um im Ruhrpott flink noch mal ne Abbiegung zu nehmen, weil man wieder mal was vergessen hat. Insgesamt spartanisch, rustikal wirkend, aber immer stabil.
Lediglich bei Geschwindigkeiten ab 130 km/h fängt der kleine Rumäne leicht das Flattern an, die Lenkung hingegen zeigt sich komplett unbeeindruckt, spurtreu und straff. Das ist auch heute noch absolut alltagstauglich, wenn man denn komplett reduziert unterwegs sein will und auf etwaigen Schnickschnack verzichten kann. Größere Reifen mit niedrigerem Querschnitt als die montierten 185/65 R15 auf Stahlfelgen würden da sicher die benötigte Steifigkeit reinbekommen, um den Logan bei solchen Geschwindigkeiten langstreckentauglich zu machen.
Also vorausgesetzt man will das! Denn aufgrund der geringen Dämmung wird es schnell sehr laut. Da kann auch das gute alte Blaupunkt-CD-Radio mit dem ausgegrabenen Lucilectric-Album nicht gegen anstinken. Der pure Neunziger-Sound passt aber immerhin perfekt ins Antlitz der Stufe. Für Ihren kommenden Klassiker empfehlen wir jedoch noch ein paar weniger nach Blecheimer klingende Lautsprecher zum Upgrade-Paket mit den Schluffen hinzuzufügen.
Halbwegs gute gebrauchte Dacia Logan starten derzeit um die 2.000 bis 2.500 Euro. Richtig schöne mit wenigen Kilometern kosten um die 3.500 Euro. Damit zeigt auch der Uropa des modernen Dacia noch immer eine klasse Wertstabilität. Nicht viel gefahren liegt er also bei rund der Hälfte des einstigen Basispreises. Der Markt in Deutschland ist jedoch gerade für die erste Generation überschaubar. Zwischen 2005 und Dezember 2025 sind hierzulande zwar insgesamt 154.213 Fahrzeuge neu zugelassen worden.
Logan und Logan MCV werden jedoch nur zusammen aufgelistet. Im Sommer 2010 wurde der Verkauf der Limousine aufgrund immer geringerer Nachfrage in Deutschland eingestellt, woanders gibt es den Logan bis heute. Auch diese reduzierte Verfügbarkeit könnte den Inbegriff des Brot-und-Butter-Autos als Klassiker immer interessanter werden lassen. Ob Billigheimer oder Kultklassiker muss jeder für sich beantworten. Wahrscheinlich ist der Logan eher ein Billigheimer-Kultklassiker. Wie auch immer Sie ihn bezeichnen, ein spannender, spartanischer und angenehm zu fahrender Zeitzeuge bleibt er allemal.








