Harmloses Design, Softwarefehler, Bedienungs- und Qualitätskritik: Das erste rein als Elektroauto konzipierte Fahrzeug der Wolfsburger hatte es Anfangs nicht leicht. Softwareaktualisierungen forderten einen Werkstatttermin, später wurde Over-the-Air nachjustiert. Trotz später flüssig laufender Software wurde der VW ID.3 seinen Rucksack an Kritikpunkten bis heute nicht los.
Und dennoch ist der Kompakte einer der beliebtesten Stromer in Europa. 78.000 Einheiten gingen allein 2025 über die Ladentheke. In Deutschland kabbelt sich der ID.3 nahezu monatlich um die Top 3 in der E-Auto-Zulassungsstatistik. Mit dem Facelift will VW jetzt konsequent verbliebene Altlasten beseitigen.
Zurück zum "True Volkswagen", wie man in Wolfsburg gerne beschwört. Um das potenziellen Interessierten kenntlich zu machen, wird die neue Evolutionsstufe auch im Namen unterschieden: Der Zusatz "Neo" prangt fortan hinterm ID.3-Kürzel.
Innenraum
Die größten Veränderungen warten jedoch im Innenraum. VW hat sich die entgegengebrachte Kritik offenbar zu Herzen genommen und im großen Stil nachgebessert. Versprochen ist versprochen - schon 2022 wurde das angekündigt, immer wiederholt und letztendlich in den Prototypen zu ID. Cross und ID. Polo auch so gezeigt. Tasten und Regler für zentrale Funktionen sind also zurück. Auf Wiedersehen Touch-Elemente und Regler ... wir werden euch nicht vermissen.
Der ID.3 Neo bringt vier Fensterheberknöpfe, eine "echte" Klimabedienung und physische Taster am Lenkrad zurück ins Cockpit. All das kommt mit sattem Druck und ordentlich Feedback. Dazu gibt es neue, weiche Materialien in Stoffoptik im Sichtbereich und eine konsequent horizontale Auslegung der Linien und Flächen. Die eher spartanische Mittelkonsole aus dem Vorfacelift ist verschwunden.
Breit und stabil zieht sich die neue gepolsterte Mittelarmlehne mit verstellbaren Becherhaltern und induktiver Ladeschale zwischen den vorderen Sitzen. Auch an den Türen und Sitzen kommen im ID.3 Neo neu konzipierte Bezugstoffe zum Einsatz. Das erzeugt schon bei der Sitzprobe ein wertigeres Gefühl, als beim Vorgänger. Das Ladevolumen bleibt mit 385 bis 1.267 Litern gleich.
Bilder von: Volkswagen
Das Kombiinstrument ist jetzt größer und eckig. 10,25 Zoll statt der bisherigen 5,3 Zoll sorgen für strukturierten Informationsfluss. Verschiedene grafische Oberflächen können hier aufgelegt werden - inklusive der schon vom ID. Polo bekannten "Retro-Anzeige", die an die Instrumentenansicht eines späten Golf I erinnert.
Neu entwickelt und gestaltetet wurde auch das 12,9 Zoll große Infotainmentsystem "Innovision". Es löst das bisher als "Discover" bekannte System ab und kommt in drei Abstufungen. Es folgt in Design und Grafik dem ID.7, dem kommenden ID. Polo und ID. Cross. Über den In-Car-Shop lassen sich weitere Funktionen und Services digital, flexibel und fahrzeugbezogen freischalten.
Auch bei den Ausstattungen geht VW zurück zu Altbekanntem: Die Linien Pure, Pro und Pro S sind Geschichte beim ID.3 Neo. Trend, Life und Style ziehen jetzt auch in die Elektropalette ein. Alle drei Versionen sollen laut der Wolfsburger "eine sehr gute Serienausstattung" bieten. Der Trend kommt beispielsweise mit Klimaautomatik. Systeme, die mit an Bord sind, lassen sich gegen Gebühr nachträglich freischalten. Etwa die Lenkradheizung oder zahlreiche Assistenzsysteme. Damit sind weitere öffentliche Diskussionen zu treibenden Kostenfaktoren vorprogrammiert, auch wenn sie Flexibilität suggerieren.
Bilder von: Volkswagen
Antrieb und Batterie
Auch weil der VW ID.3 Neo weiterhin auf Heckantrieb setzt, wird er wohl nicht zum Golf getaugt haben. Das Antriebssystem des Kompakten ist eine Neuentwicklung. Der APP350 (Axial Parallel Position - eine achsparallele Anordnung der permanenterregten Synchronmaschine) löst den bisherigen APP310 ab. Das Package soll noch einmal kompakter und effektiver sein, gerade in Verbindung mit den zum Teil höheren Leistung und den größeren Batterien.
Zur Auswahl stehen drei Leistungsstufen: 125 kW (170 PS), 140 kW (190 PS) und 170 kW (231 PS). Die 125-kW-Version ist an die 50-kWh-Batterie (netto) und der Ausstattung Trend gekoppelt. Der ID.3 Neo Life und ID.3 Neo Style werden optional mit einer 58-kWh-Batterie (netto) und dem 140 kW Leistung sowie einer 79-kWh-Batterie (netto) und 170 kW Leistung konfiguriert werden können.
Die kleinen Batterien laden mit maximalen 105 kW an DC-Schnellladesäulen etwas langsamer als die letzten APP310-Versionen mit bis zu 120 kW. Jedoch soll die Ladekurve auf einem "konstant hohen Niveau" verweilen. Die Version mit 79 kWh kommt auf bis zu 183 kW. Auch ein Nachfolger zum GTX als neues Topmodell wurde angekündigt. Das wird zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr mit einem eigenen Antrieb (APP550) auf den Markt kommen. Von anpassbaren neuen E-Sounds ist zudem die Rede.
Bilder von: Volkswagen
Je nach Batterieversion spricht VW von Ladezeiten (10 auf 80 Prozent) zwischen 26 und 29 Minuten. Durch die höhere Effizienz gegenüber dem Vorgänger soll auch der Energieverbrauch des Systems sinken. Bis zu 417 Kilometer seien es bei der 50-kWh-Batterie mit 125 kW. Die Kombination aus 58-kWh-Batterie und 140-kW-Antrieb schaffe 494 Kilometer, der große 79-kWh-Akku soll maximal 630 Kilometer erreichen. One Pedal Driving sorgt für weiteren Fahrkomfort, eine Vehicle-to-Load-Funktion für Flexibilität.
Unter dem Strich
Technisch gesehen ist der VW ID.3 Neo mehr 2. Generation als Facelift. Fauxpas wurden adressiert und angepasst. Das ist löblich! Im nachhinein freischaltbare Features werden jedoch weitere Kritik schüren. Insgesamt lässt sich das Paket "True Volkswagen" aber erst einordnen, wenn auch die Preise bekannt gegeben werden.
Und das sollte bald so weit sein. Der alte ist nicht mehr konfigurierbar, der Vorverkauf des neuen Kompakten soll bereits im April starten. Die Markteinführung folgt dann im Juli 2026. Zuletzt war der ID.3 mit Rabatt ab 33.330 Euro erhältlich, der ID.3 GTX kostete mindestens 47.225 Euro.








