Der Denza Z9GT ist seit Kurzem in Deutschland bestellbar. Zu seinen Fähigkeiten gehört das sogenannte Flash Charging. Damit soll sich die 122,5 kWh große Batterie in nur neun Minuten von 10 auf 97 Prozent bringen lassen. Dass das tatsächlich möglich ist, hat der Hersteller nun bei einer Ladedemo gezeigt.
Dabei wurde der Denza Z9GT mit einem der T-förmigen Flash-Charger von BYD geladen. Der Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent dauerte tatsächlich nur 9 Minuten und 22 Sekunden, wie das obige Video von Out of Spec zeigt. Darin kann man den genauen Verlauf des Ladevorgangs beobachten. Die folgenden Werte haben wir abgelesen:
- 20 % in ca. 50 Sekunden
- 30 % in 1 Minute 30 Sekunden
- 40 % in 2 Minuten 20 Sekunden
- 50 % in 3 Minuten 20 Sekunden
- 60 % in 4 Minuten 20 Sekunden
- 70 % in 5 Minuten 20 Sekunden
- 80 % in 6 Minuten 30 Sekunden
- 90 % in 8 Minuten
- 97 % in 9 Minuten 22 Sekunden
Nicht demonstriert wurde die versprochene Ladeleistung von bis zu 1.500 kW. Denn weder das Auto noch die Säule zeigten die Ladeleistung an. Out of Spec liefert jedoch im Video eine Abschätzung. In den ersten 48 Sekunden wurde von 10 auf 20 Prozent geladen. Das entspricht 15 kWh/min oder 900 kW. Der Ladepeak liegt wohl noch davor. Der maximale Ladestrom soll bei 1.100 Ampere gelegen haben; bei einer Batteriespannung von etwas weniger als 1.000 Volt entspricht das etwa 1.000 kW. Nach den Überschlagsrechnungen im Video betrug die Ladeleistung selbst im Bereich zwischen 80 und 90 Prozent SoC noch schier unglaubliche 500 kW.
In dem Film ist auch die WLTP-Reichweite zu sehen. Demnach kann man in fünf Minuten Strom für 400 km nachladen. Laut Video soll das Auto auch an üblichen Alpitronic-Ladern schneller laden als jedes andere Elektroauto auf dem Markt.
Die Speicherkapazität der Batterie liegt laut Denza bei 122,5 kWh; dabei handelt es sich offenbar um den Bruttowert. Geht man von etwa 120 kWh netto aus, dann errechnet sich eine Ladegeschwindigkeit von 120 kWh x 0,87 / 9,37 min = 11,1 kWh/min. Das ist derzeit der höchste Wert auf dem deutschen Markt. Nach unserer Top-Ten-Liste lag der Rekord bisher bei 5,4 kWh/min, also nicht einmal bei der Hälfte.
Um die extreme Ladeperformance zu erreichen, ist einer der T-förmigen Flash-Charger von BYD nötig. Diese sollen ab diesem Jahr in Europa entstehen, und zwar zunächst bei den Händlern, wie es im Video heißt. Bis Ende 2026 sollen 300 solche Ladestationen in Deutschland errichtet werden. Auf Reisen hilft das freilich wenig, denn da möchte man wohl kaum von der Autobahn abfahren, nur um zu laden. BYD will offenbar Ladeanbieter dazu bewegen, die Lader zu kaufen und an den Autobahnen aufzustellen.
Zu den Ladern gehört auch ein spezieller Stecker, der in den CCS2-Port passt und von BYD selbst entwickelt wurde. Das Ladekabel sieht dem Video nach bemerkenswert dünn aus. Ob es flüssiggekühlt ist, wissen wir nicht.
Bei der Vorführung wurde auch gezeigt, wie man den für 1.500 kW nötigen Strom zum Ladestandort bekommt. Dazu werden zwei Blade-Batterien der zweiten Generation mit jeweils 190 kWh als Pufferspeicher genutzt. Diese werden aus dem normalen Stromnetz gespeist.
Das System für die Ladedemo war dagegen "completely off-grid" (komplett netzunabhängig), wie der Moderator im Video sagt. Genutzt wurde die in den Batterien enthaltene Energie. Diese wurden gefüllt, indem die Autos Strom in die Batterien zurückspeisten. So musste das Auto für die Ladedemo nicht extra leergefahren werden.
Unter dem Strich
Die von BYD angegebenen Ladezeiten scheinen realistisch zu sein. Bei einer Ladedemo wurde der Akku des Denza Z9GT in nur 9 min 22 von 10 auf 97 Prozent gebracht. Wenn man sich auf einen Ladestand von 70 Prozent beschränkt, reichen 5 min 20. Schneller kann man auch einen Benziner nicht volltanken. In der gleichen Zeit wurden rund 420 km WLTP-Reichweite nachgeladen. Sehr beeindruckend.
Wann Flash-Charger in genügender Zahl an den deutschen Autobahnen stehen werden, ist bislang allerdings offen. Bis dahin kann man sich damit trösten, dass der Z9GT auch an gewöhnlichen DC-Ladern schneller laden soll als jedes andere Elektroauto in Deutschland. Wie lange das Laden zum Beispiel an einer 400-kW-Säule dauert, werden wohl die ersten Tests des Z9GT zeigen.








