Geely E2 Ultra im Test: Viel Auto für 26.990 Euro

Der Elektro-Kleinwagen bietet viel Ausstattung, ein nobles Interieur und genug Innenraum, doch Fahrwerk und Reichweite enttäuschen

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Wie spricht man Geely aus? Der Shuttle-Fahrer, der mich zur Testveranstaltung bringt, ist sich unsicher, aber ich bin vorbereitet: Da sich der Name des Herstellers vom chinesischen Jílì Qìchē ableitet, sagt man "Dschili". Als ich ihm erzähle, dass der chinesische Ausdruck "glücksverheißendes Automobil" bedeutet, muss er lachen. Aber Namen sind ja Schall und Rauch. Ich bin auf dem Weg, meinen ersten Geely zu testen, den Elektro-Kleinwagen E2. 

Der Geely E2 ist das zweite Elektroauto des chinesischen Herstellers auf dem deutschen Markt nach dem Kompakt-SUV E5. In China gehört der E2 zusammen mit dem unlängst getesteten Leapmotor B03X zu den absoluten Elektro-Bestsellern. In Deutschland hat man bereits 4.000 Reservierungen für den Wagen erhalten, obwohl der Geely-Website noch nicht einmal die genaue Ausstattung zu entnehmen ist. Doch ab dem 15. September soll das Auto konfigurier- und bestellbar sein. Ich habe die Topversion Ultra getestet. Hier zunächst die wichtigsten Daten:

  Geely E2 Ultra
Antrieb RWD 85 kW, 150 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 11,5 Sek. / 130 km/h
WLTP-Verbrauch 15,5 kWh/100 km
Akku netto / brutto 45,7 / 47,1 kWh LFP
WLTP-Reichweite 345 km
DC-Ladedauer 30-80 % 25 min
Basispreis 26.990 Euro

Exterieur | Interieur | Fahreindrücke | Preise/Rivalen | Fazit


Geely E2 (2026)

Exterieur

Geely stuft den E2 als Kleinwagen ein. Mit 4,14 Metern ist das Auto allerdings deutlich länger als der VW ID. Polo oder der Renault 5. Außerdem liegt er mit 1,58 Metern schon über der Grenze, ab der wir von einem Kleinwagen-SUV sprechen. Alles in allem ähnelt der E2 von den Maßen her eher dem Renault 4 als dem VW ID. Polo:

  Länge Breite Höhe Radstand
Geely E2 4.135 mm 1.805 mm 1.580 mm 2.645 mm
Renault 4 4.144 mm 1.808 mm 1.552 mm 2.624 mm
VW ID. Polo 4.053 mm 1.816 mm 1.530 mm 2.600 mm

Aber zugegeben: Optisch wirkt das Auto nicht so stämmig und robust wie ein SUV, sondern eher wie ein Kleinwagen. Mich erinnert das rundliche Design mit der freundlichen Miene eher an Kinderspielzeug, zumal, wenn das Auto in Rosa lackiert ist. An den Radläufen und am Schweller hat der Geely E2 allerdings schwarze Kratzschutzleisten wie ein SUV.

Die Räder sind stets 16 Zoll groß, bei der gefahrenen Ultra-Version sind sie aus Aluminium. Das Auto hat vorne wie hinten Scheibenbremsen und versenkte Klappgriffe mit Knöpfchen zum Ver- und Entriegeln.

Aufgeladen wird hinten links, was in engen Garagen praktisch ist, weil man zum Aussteigen ohnehin links mehr Platz als rechts lässt. Weniger praktisch ist die Positionierung des Ladeslots auf der linken Seite beim Laden am Straßenrand, denn der befindet sich meist rechts vom Auto. 

Interieur und Bedienung

Der Geely E2 Ultra empfängt einen mit einem hellen und freundlichen Interieur. Die Materialien sind fürs B-Segment ausgesprochen hochwertig, und es gibt feine Ziernähte. Auch an der Monitorausstattung hat Geely nicht gespart. So ist der Touchscreen mit 14,6 Zoll größer als etwa im ID. Polo (12,9 Zoll). Dazu kommt ein kleines Instrumentendisplay (8,8 Zoll), das alles Nötige zeigt. Die Abbiegepfeile des Navigationssystems sind allerdings arg klein geraten. 

Geely E2 2026 das Cockpit

Praktisch ist, dass man zum Systemstart keinen Knopf zu drücken braucht. Nach dem Entriegeln betätigt man einfach die Bremse und aktiviert den D-Modus mit dem Hebel rechts am Lenkrad. Auch werden die Spiegel dankenswerterweise mit einem klassischen Joystick-Knöpfchen an der Innenseite der Fahrertür eingestellt - gerade bei chinesischen Autos eine Seltenheit.

Geely E2 2026 die Spiegel werden mit einem klassischen Knöpfchen eingestellt Geely E2 2026 der Sportmodus in Kombination mit dem Lenkassistenten empfiehlt sich wegen der strafferen Lenkung Bilder von: InsideEVs

Die Sprachbedienung ist jedoch wenig nützlich; man kann damit die Fenster öffnen und schließen, aber dafür gibt es ja auch Tasten. Eine KI ist nicht integriert, sodass Wissensfragen oder Rechenaufgaben ins Leere laufen. Ansonsten klappt die Bedienung größtenteils problemlos. Ich lasse mir nur zeigen, wie man die Rekuperation einstellt. Dazu gibt es keine Wippen, sondern man muss den Touchscreen bemühen. Dort kann man zwischen Auto, niedrig, Medium und hoch wählen. Ich stelle "hoch" ein. Wie sich das Auto damit fährt, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Geely E2 2026 Mehr als ausreichend Kopffreiheit im Fond beim 1 76 Meter großen Autor Geely E2 2026 Auch der Platz vor den Knien reicht aus Bilder von: InsideEVs

Im Fond ist für mich als 1,76 Meter großen Testpassagier mehr als genug Raum. Stelle ich den Fahrersitz für mich passend ein, bleibt dahinter noch viel Platz für die Knie und über dem Kopf. Der Kofferraum fällt ebenfalls recht üppig aus. Hier stört allerdings, dass sich beim Umklappen der Fondsitze kein ebener Ladeboden ergibt. Ein Einlegeboden wäre sinnvoll, zumal die Schwelle am Kofferraumeingang und die Höhe der zusammengeklappten Sitze etwa gleich hoch sind.

Geely E2 2026 Hier fehlt ein Einlegebrett um einen planen Ladeboden zu erreichen Geely E2 2026 Sie lässt sich hochklappen und Festklemmen Bilder von: InsideEVs

Die Gepäckraumabdeckung ist deutlich stabiler als beim Leapmotor B03X und lässt sich auch viel leichter wieder einsetzen als dort. Sie lässt sich nach oben klappen und klemmt sich dort fest, was zum Einladen praktisch ist. Allerdings hinterlässt das Einklemmen schwarze Spuren an dem feinen weißen Interieur. Besser wäre es, die Abdeckung an der Heckklappe aufzuhängen, sodass sie automatisch nach oben schwenkt. Zum hinteren Kofferraum kommen noch ein großer Frunk und ein Verstaufach unter der Fondbank.

Geely E2 2026 der Frunk ist fur die Klasse sehr groß. Möglich macht das der Heckantrieb Geely E2 2026 Verstaufach unter der Rückbank

Fahreindrücke

Gleich auf den ersten Metern fällt mir die Lenkung auf, die zumindest bei niedrigem Tempo extrem leichtgängig ist. Aber ich finde eine Lösung: Ich wechsle in den Sportmodus und aktiviere den "Lenkassistenten": Damit wird die Lenkung etwas angenehmer.

Auf den kurvigen Landstraßen rund um Landshut bemerke ich noch ein zweites Manko des Geely E2: Das Fahrwerk ist komfortabel und in der Stadt problemlos, aber viel zu wenig straff. Auch mit einem kleinen Auto fährt man mal eine Landstraße. Fährt man dort bei 80 oder 100 km/h in die Kurve, bekommt man es schnell mit der Angst zu tun, denn der Wagen wankt gehörig. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sich das Auto bei 130 km/h und Seitenwind fährt. Vielleicht ist das bescheidene Höchsttempo von 130 ein Hinweis darauf, dass auch der Hersteller Bedenken in Sachen Fahrwerk hat.

Der Antrieb der Ultra-Version ist mit 85 kW und 150 Nm ziemlich schwachbrüstig für ein Elektroauto. Wirklich lahm kam ich mir damit nicht vor, aber ich habe auch nicht überholen müssen. Der Sprint auf 100 km/h dauert 11,5 Sekunden. Selbst der Dacia Spring mit 75 kW ist mit 9,6 Sekunden noch schneller, der VW ID. Polo braucht in der 85 kW starken Basisversion 10,6 Sekunden. Aber wer vom Verbrenner kommt, mag den etwas langsamen Sprint verschmerzen: Das Basismodell des Benziner-Polo braucht sogar 15,6 Sekunden.

Laut Hersteller ist der Geely E2 der einzige Hecktriebler seiner Klasse. Das könnte stimmen, denn VW ID. Polo, Renault 4 und 5, der Hyundai Inster haben Frontantrieb. Das kann Vorteile beim Kofferraumvolumen hinten bringen. Geely reklamiert jedoch, dass der Heckantrieb bei der Fahrdynamik vorteilhaft ist und einen nennenswerten Frunk ermöglicht. Zudem wird so ein kleiner Wendekreis von 9,9 Metern möglich - der ID. Polo liegt bei 10,9 Metern. Und Geely hat es trotz Heckantrieb geschafft, einen ordentlich großen hinteren Kofferraum zu kreieren.

In puncto Rekuperation merke ich schnell, dass auch mit maximaler Rekuperation kein One-Pedal-Driving möglich ist. Schon im normalen Stadtverkehr muss man oft die Bremse bemühen, weil die Rekuperation einfach nicht stark genug ist. Und zum kompletten Stillstand kommt man auch nicht - schade.

Aufgefallen ist mir auch noch die Auto-Hold-Funktion, die per Touchscreen aktiviert wird. Aber das Auto bremst sich damit nur fest, wenn man das Bremspedal ganz durchtritt. Bloßes Anhalten reicht dafür nicht. Bei Geely sagte man mir, dass man das noch anders einstellen wolle - das dürfte einfach per Over-the-Air-Update möglich sein. 

Der Abstandsregeltempomat scheint recht ordentlich zu funktionieren, aber der Spurhalteassistent scheint höchstens beim Überfahren von Linien zu warnen, eine Spurzentrierung auf den befahrenen Landstraßen erfolgte nicht.

Geely E2 Ultra (2026) in Nebulabeige

Preise, Ausstattung und Rivalen

Den getesteten Geely E2 Ultra gibt es für 26.990 Euro. Alternativ kann man das Auto für 199 Euro monatlich leasen (6.000 Euro Anzahlung, 4 Jahre Laufzeit, 10.000 km jährlich). Dafür bekommt man schon eine sehr umfangreiche Ausstattung inklusive Sitz- und Lenkradheizung, kabellosem Handy-Laden, elektrisch bedienter Heckklappe, elektrisch einstellbaren Vordersitzen und vielem mehr. Nur eine Wärmepumpe hat das Auto laut Ausstattungsliste nicht.

Geely E2: Preise und Leasingangebote Geely E2: Preise und Leasingangebote für die drei Varianten Bild von: Geely

Die Reichweite nach WLTP ist mit 345 km ziemlich gering. Auf der Autobahn dürften es nur etwa 250 km sein, denn im DAT-Verbrauchsleitfaden wird ein Autobahnverbrauch von 21,1 kWh/100 km genannt. Demnach wird man nach zwei Stunden zum ersten Mal laden müssen. Wenn man den Akku wie üblich nur bis 80 Prozent lädt, dauern die folgenden Etappen nur jeweils anderthalb Stunden. Eine Urlaubsfahrt in den Süden macht damit wohl nur wenig Spaß. Zumal das Auto auch am DC-Lader nicht sehr schnell ist: Geely gibt 25 Minuten Ladedauer an, aber für den unüblichen Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent, bei dem der Akku nur zur Hälfte genutzt wird.

Ein Nachteil ist auch, dass der Bordlader nur 6,6 kW bietet. Damit dauert das Laden von 10 bis 100 Prozent etwa sieben Stunden. Über Nacht ist der Akku also wieder voll; wer allerdings zum Beispiel in München an öffentlichen AC-Säulen lädt, darf nur vier Stunden stehen bleiben und bekommt in dieser Zeit deutlich weniger Strom als mit 11 kW.

Ein weiteres Manko ist, dass es keine Anhängerkupplung gibt. Zwar reichen die 85 kW und 150 Nm wohl ohnehin kaum für den Anhängerbetrieb, aber es wäre schön, wenn man ein oder zwei Fahrräder auf der Kupplung transportieren könnte.

Vergleichstabelle von Geely zum E2 Vergleichstabelle von Geely zum E2 (Chart aus der Pressekonferenz) Bild von: Geely

Zu den Rivalen gehören einerseits kleine Elektro-SUVs wie der BYD Atto 2, der Leapmotor B03X, Renault 4, der Skoda Epiq und der Fiat Grande Panda sowie andererseits Elektro-Kleinwagen wie der VW ID. Polo und der Renault 5. Einige Modelle davon zeigt Geelys Vergleichstabelle oben.

Fazit

Der Geely E2 Ultra bietet viel Auto fürs Geld. Das betrifft vor allem die hervorragende Ausstattung und das gute Platzangebot. Der Antrieb ist mit seinen 85 kW für ein Elektroauto eher schwachbrüstig, aber in der Stadt allemal ausreichend. Auch die Ladeeigenschaften genügen dafür, vorausgesetzt, man ist nicht auf öffentliche AC-Lader angewiesen.

Aber das arg wankanfällige Fahrwerk hat mich überrascht. Wenn es unkomfortabel wäre, könnte ich das verschmerzen, aber es fühlt sich unsicher an, und da ist für mich der Schmerzpunkt erreicht. Da gebe ich lieber ein paar Tausender mehr aus. 

   

Positive

  • Niedriger Preis
  • Sehr gute Ausstattung
  • Viel Platz für Insassen und Gepäck
   

Negativ

  • Arg wankanfälliges Fahrwerk
  • Geringe Reichweite
  • Langsames Laden mit AC und DC
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Autor: Stefan Leichsenring