Die letzten Generationen der Volvo-Verbrenner haben bereits ein langes Leben hinter sich: XC90 - elf Jahre, XC40 - neun Jahre, XC60, ebenfalls neun Jahre. Zwischendrin gabs immer wieder Modellaufwertungen, weil eigentlich längst die Stromer hätten übernehmen sollen. "Hätte, hätte, Fahrradkette" oder so! Doch der Plan wurde verworfen und neue Autos zu entwickeln ist teuer.
Also müssen die alten noch ein bisschen länger durchhalten, weil Teile der Welt und einige Menschen noch nicht für die E-Mobilität bereit sind. Genau deshalb erhält der Volvo XC60 jetzt ein weiteres sanftes Makeover. Während außen Linien und Gesicht für das neue Modelljahr weiter minimal geschärft (oder eher gecleant wurden) und neue Soft- und Hardware-Komponenten für mehr Komfort und Sicherheit sorgen, geschieht die eigentliche Evolution im Unterboden.
Und das scheint sinnvoll, denn zuletzt erreichte der Plug-in-Antrieb beim meistverkauften Volvo aller Zeiten auch in Deutschland einen Anteil von über 60 Prozent. 14.615 von 23.326 Fahrzeugen trugen 2025 hierzulande einen Stecker. Für diese Zielgruppe haben die Schweden jetzt ein richtiges elektrisches Reichweiten-Monster im Angebot. Bis zu 200 Kilometer soll der Neue mit seinem Long Range Plug-in-Hybrid abreißen können.
Doppelte Batterie-Kapazität und 11-kW-Bordlader
Die Kapazität für den elektrischen Akt sammelt ein massiver 41,2-kWh-Akku (37,9 kWh netto) im Unterboden (Vorgänger: 19 kWh). Letzterer ist im Innern jetzt ein wenig höher geraten, was auch die Sitzprobe offenlegt. Damit verdoppelt Volvo nicht nur mal eben die Batteriekapazität des Vorgängers, sondern erweitert auch die Reichweite von ehemals maximal 79 Kilometer auf rund 200.
Das ist etwa die Kapazität eines VW ID. Polo (37 kWh) oder eineinhalb Mal der neue Renault Twingo Urban Range (27,5 kWh). Die 200 Kilometer verraten aber auch, dass das System ganz schön zu tun hat, den bis zu 2.272 Kilo schweren Schweden vorwärts zu bewegen. Einen Verbrauch gibt Volvo derzeit noch nicht an, kombiniert sei es auf 100 Kilometer 1,0 Liter Super. Die kombinierte Reichweite liegt damit bei 1.240 Kilometern. Rechnerisch müssten wir damit bei etwa 19 kWh auf 100 Kilometern rein elektrisch liegen.
Bilder von: Volvo
An der Hinterachse arbeitet ein optimierter elektrischer Antrieb mit 130 kW (177 PS). Auch der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner wurde noch einmal überarbeitet. Wie beim kleinen Bruder XC40 arbeitet das Aggregat zur Senkung von Verbrauch und Emissionen mit Miller-Steuerzeiten (früher Einlassschluss der Ventile für mehr Effizienz). Diese sorgen für einen höheren thermischen Wirkungsgrad und eine verbesserte Effizienz.
Insgesamt stehen zwei Plug-in-Antriebsversionen mit Achtgangautomatik und Allrad zur Verfügung. Den Einstieg bildet der T6 AWD Long Range Plug-in Hybrid mit einer Systemleistung von 263 kW (357 PS) und der angesprochenen elektrischen Reichweite von 200 Kilometer nach WLTP. Der T8 AWD Long Range Plug-in-Hybrid mit 339 kW (461 PS) bildet die Topversion und kommt 189 vollelektrische Kilometer weit. Letzteren erhält auch der große Bruder XC90.
Während der Fahrt kann zwischen fünf Fahrmodi gewechselt werden: Hybrid, Pure, Power, AWD und Off Road. Außerdem kommt die neue Antriebsgeneration mit verbessertem One-Pedal-Driving. Zudem hat Volvo das AC-Laden von 6,4 auf 11 kW aufgerüstet. Schnellladen per DC ist nach wie vor nicht möglich. Weiterhin im Angebot bleibt der B5 AWD Mild-Hybrid Benziner mit 184 kW (250 PS) und 48-Volt-Bordnetz - ebenfalls mit Achtgangautomatik.
Klarerer Hammer und überarbeitetes Erscheinungsbild
Beim ersten Aufeinandertreffen im Studio in Göteborg wird klar, Volvo hat dem XC60 auch außen ein frischeres Gesicht gegönnt. Das Mittelklasse-SUV wirkt jetzt noch sachlicher und aufgeräumter. Der Kühlergrill zeigt sich mit diagonalen Lamellen, die am Volvo-Logo ausgerichtet wurden. Der Stoßfänger, die Motorhaube und die vorderen Kotflügel wurden noch einmal nachgeschärft. Zudem sind neue Räder-Designs bestellbar.
Bilder von: Volvo
Die Scheinwerfer im bekannten Thors-Hammer-Design wurden noch einmal filigraner ausgearbeitet und liegen jetzt auf einem dunklen Grund. Das lässt den ikonischen Look mit dem serienmäßigen Matrix-LED-Licht noch einmal satter kontrastiert erscheinen. Chrom-Elemente beispielsweise am Logo und Details setzen einen Gegentrend zu überschwänglichen Lichtspielereien.
Auch um die Heckklappe, die Rückleuchten und den hinteren Stoßfänger haben sich die Designer ein weiteres Mal gekümmert. Die Rückleuchten erscheinen mit ihrer schwarzen Kontur nun als erweiterter Bereich der Heckscheibe. Die Lichtsignatur hebt sich damit stärker von der Karosserie ab. Die starke Betonung horizontaler Linien gibt dem Schweden einen breiteren Stand.
Acht Außenfarben können für den Volvo XC60 bestellt werden. Wobei der Begriff "Farbe" da eher die gesetzteren Töne meint. Eine neue Metallic-Lackierung namens Heather Bronze kommt hinzu. Schon im Studio variiert der Ton je nach Lichteinfall zwischen verschiedenen Bronze- und Kupfernuancen.
Kardamom-Optik und neues Infotainment
Der Innenraum des XC60 erhält eine belüftete Kardamom-Lederausstattung. Zudem zieht ein schärferes und größeres 11,2-Zoll-Infotainment ein. Das soll die Interaktion mit dem Fahrzeug "schneller, einfacher und intuitiver" machen. Wege durch die Menüstruktur seien wie bei den großen Volvos nun kürzer. Können wir beim Durchklicken im Studio bestätigen. Die Infotainment-Oberfläche aus EX60 und EX90 tut dem Verbrenner-Pendant richtig gut.
Bilder von: Volvo
Bis auf den hinten etwas erhöhten Boden sitzt es sich sowohl vorne als auch hinten weiterhin sehr komfortabel. Der Materialmix aus Holz, Leder, Teppich und Hartplastik ist gelungen und zeigt eine minimalistisch hochwertige Verarbeitung. Die neue Innenausstattung vermittelt einen Hauch von entspanntem Schwedenurlaub.
Mit an Bord ist jetzt auch Google Gemini. Der KI-Sprachassistent soll natürlich kommunizieren, um ohne Konzentrationsverlust an Informationen zu kommen oder Fahrzeugfunktionen steuern zu können.
Over-the-Air-Updates sorgen auch nach dem Kauf für regelmäßige Aktualität der Fahrzeug-Software.
Auch eine neue Software- und Sensorplattform hat Volvo dem Verkaufsschlager gegönnt. Diese kommt mit Frontkamera, Radarsensoren an Front, Heck und an den Ecken des Fahrzeugs, 12 Ultraschallsensoren und neuen Parkkameras. Durch die Erweiterung der Einrichtungen können weiterentwickelte Sicherheits- und Fahrerassistenzfunktionen integriert werden.
So fahren ab jetzt ein Notbremsassistent und ein Door Opening Alert serienmäßig mit. Auch Pilot Assist System, Not- und Spurwechselassistenten und eine 360-Grad-Kamera sind im Umfang enthalten. Hinzu kommen Run-off Road Protection und Fahrspurerkennung.
Weiterhin wird zwischen Core, Plus und Ultra unterschieden. Den Anfang macht der B5 als Mild-Hybrid-Benziner für 59.990 Euro. Der Einstieg in den reichweitenstarken Plug-in gelingt mit dem T6 für 69.990 Euro. Das sind 2.000 Euro mehr als bisher. Das Top-Modell T8 startet bei 78.990 Euro.








