Trabant P 602 V (1966): Diesen Wankel-Trabi kennt kaum einer

Das Unikat und ein fahrfähiger Kreiskolben-Trabant werden jetzt im August Horch Museum in Zwickau gezeigt

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Vermutlich wissen nur eingefleischte Kenner der DDR-Automobilgeschichte: Ab 1965 arbeitete die dortige Fahrzeugindustrie an der Weiterentwicklung des Kreiskolbenmotors, landläufig als Wankelmotor bekannt. Und zwar mit offizieller NSU-Lizenz und hohen Geldsummen, auch in DM.

Doch auch in der DDR traten die bekannte Probleme früher Wankelmotoren auf: Verschleiß, mangelnde Zuverlässigkeit, Verbrauch, Abgasproblematik. Und hohe Anforderungen bei Materialien und Produktion, die für DDR-Zulieferer nicht zu lösen waren. Wollte man mit dem Wankelmotor überholen, ohne einzuholen, fehlten nun die Mittel für konventionelle Fahrzeugentwicklungen. Um 1970 gab man die Forschung am Kreiskolbenmotor (KKM) auf, prominentestes Opfer war der fortschrittliche Trabant P 603.

Trabant P 602 V und 601 (1966) mit Wankelmotor im August Horch Museum Zwickau

Gerüchten zufolge soll sich die Sowjetunion an der in den Kellern gelandeten DDR-Wankelforschung bedient haben, um später Wankelmotoren in Ladas für die Autobahnpolizei und den KGB zu bauen. Einer dieser Wankel-Lada ist im Besitz der Familie Frey, die das Mazda-Museum in Augsburg betreibt.

Premiere nach drei Jahren Arbeit

Doch zurück zum rotierenden Trabi: Nach einer dreijährigen Restaurierungsphase ist ein außergewöhnliches Einzelstück der Zwickauer Automobilgeschichte wieder vollständig hergestellt: Der Trabant P 602 V mit der Fahrgestellnummer V 0080, ein historisches Funktionsmuster des VEB Sachsenring aus dem Jahr 1966. Das Fahrzeug konnte pünktlich zum 124. Geburtstag des Motorenerfinders Felix Wankel fertiggestellt werden.

Neben der Erprobung von Kreiskolbenmotoren war die Weiterentwicklung der Karosserie des kurz zuvor in Serie gegangenen Trabant 601 das Hauptziel dieses Projekts. Sichtbarste Neuerung war die moderne Vollheckkarosserie mit einem um 280 Millimeter verlängerten Radstand von 2.300 Millimetern.

Trabant P 602 V und 601 1966 mit Wankelmotor im August Horch Museum Zwickau

Dadurch wuchs die Beinfreiheit im Fond um acht Zentimeter, und durch die nach hinten gerückten Radschalen gewann die Rücksitzbank etwa 250 Millimeter an Breite. Die Gesamtabmessungen der Karosserie betragen 3.555 Millimeter in der Länge, 1.532 Millimeter in der Breite sowie 1.440 Millimeter in der Höhe.

Als Antrieb diente im P 602 V der im Versuch des VEB Sachsenring in Zwickau entwickelte Wankelmotor KKM 400 UE. Dieser Ein-Kammer-Viertakt-Kreiskolbenmotor besitzt ein Kammervolumen von 399 cm³ und leistet 47 PS bei 6.000 U/min. Das Kürzel UE steht für Umfangseinlass, bei dem der Kraftstoff über den Umfang des Mantels direkt vom Vergaser in den Einlassraum strömt und getrennt geschmiert wird. Damit erreichte der Prototyp eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h bei einem Verbrauch von 8,5 bis 11 Litern auf 100 Kilometern.

Trabant P 602 V und 601 1966 mit Wankelmotor im August Horch Museum Zwickau

Noch kurz vor der geplanten Straßenzulassung wurde das Projekt P 602 V auf Weisung der VVB im Juni 1966 abgebrochen. Im Oktober 1966 erfolgte dennoch eine Zulassung zu Erprobungszwecken für den Straßenverkehr. Nach dem Ende der Tests wurde das Einzelstück zeitnah auf einen seriennahen Zustand mit einem Zweitaktmotor zurückgerüstet und an privat verkauft. Alte Bilder zeigen ihn im einen braun-beigen Farbton. Seit 1995 befindet sich das Fahrzeug als Dauerleihgabe einer privaten Besitzerin im August Horch Museum.

Im Zuge der aufwendigen Restaurierung bis zum Jahr 2026 wurde das Unikat wieder in seinen ursprünglichen Zustand und in die Originalfarbe zurückversetzt. Dabei wurden auch historische Komponenten aus dem Museum Fundus verwendet, darunter der Wankelmotor KKM 400, die Sitze, der Fahrschemel sowie Kleinteile wie das Lenkrad und die Türgriffe. Fahrfähig ist der 602 V nicht, unter der durchsichtigen Haube steckt ein Versuchsmotor. Aber es gibt einen funktionierenden Wankel-Trabi.

Ein Trabi rotiert wieder auf der Straße

Denn parallel zum 602 V existierte ein weiterer Versuchsträger: Eine optisch weitgehend serienmäßige P 601 Limousine mit der Fahrgestellnummer V 0072, die im Juni 1966 im Musterbau gefertigt und mit einem Kreiskolbenmotor des WTZ Karl-Marx-Stadt erprobt wurde.

Trabant P 602 V und 601 1966 mit Wankelmotor im August Horch Museum Zwickau

Auch dieses Fahrzeug wurde später auf Zweitaktantrieb zurückgebaut, 2001 vom Internationalen Trabant-Register erworben und ab 2019 restauriert. Da kein funktionsfähiger KKM 400 UE mehr existierte, erhielt der Wankel-Trabant "Felix" (benannt nach Herrn Wankel) einen KKM 550 SE mit Seiteneinlass und 39,5 PS, der eine Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h ermöglicht.

Anlässlich des Jubiläums "60 Jahre Trabant mit Wankelmotor werden die beiden aufwendig restaurierten Forschungsfahrzeuge P 602 V und P 601 ab dem 1. Oktober 2026 gemeinsam in der Sonderausstellung "2 Konzepte - 1 Jubiläum. - 60 Jahre Trabant mit Wankelmotor" im August Horch Museum präsentiert. Die kleine, aber informative Sonderausstellung ist bis zum 27. Juni 2027 für Besucher geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 15 Euro. Es lohnt sich, auch wegen vieler anderer Ausstellungsstücke aus der Vorkriegs- und DDR-Geschichte.

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Autor: Roland Hildebrandt