Porsche hat einen Plan, um wieder in die Spur zu kommen - und der sieht eine umfassende Auffrischung der Modellpalette vor. Dass es in der derzeitigen Lage klug sein könnte, auf Marge statt Stückzahlen zu setzen, weiß man in Zuffenhausen. Was dabei zuverlässig hilft: Neue, sehr exklusive Varianten des 911.
Unter anderem, versteht sich. Denn der künftige Star im Portfolio soll ein neues Mittelmotor-Hypercar werden, das am 15. Oktober zunächst als Konzeptfahrzeug Mission S gezeigt wird. Weniger spektakulär, aber weiterhin im Umfeld zweitüriger Performance-Modelle angesiedelt: 718 Boxster und 718 Cayman kehren im kommenden Jahr als Elektroautos zurück. Wie gestern bekannt wurde, werden die Verbrenner-Modelle nicht wieder aufgelegt.
Die Schwaben planen außerdem ein neues Verbrenner-Crossover-Modell, das 2028 den ehemaligen Verbrenner-Macan beerben soll. Und man prüft weiterhin ein großes SUV oberhalb des Cayenne. So weit, so nachvollziehbar - aber was ist mit dem Porsche? Beim 911 gibt es interessante Neuigkeiten. Die in dieser Woche auf dem Capital Markets Day vorgestellte Strategie Sportwagenschmiede 35 sieht neue hochemotionale 911-Derivate vor.
Details nannte das Unternehmen zwar nicht, doch zumindest bei einer besonderen Variante lassen sich die Hinweise recht leicht zusammensetzen. Die 992-Generation wurde vor sechs Jahren eingeführt und ist damit nicht mehr ganz frisch. Üblicherweise erscheint der GT2 RS eher gegen Ende eines Modellzyklus - und Erlkönige drehen bereits am Nürburgring ihre Runden.
Der GT2 RS dürfte nicht der einzige ultra-exklusive 911 bleiben
Der ultimative 911 könnte 2027 auf den Markt kommen und Gerüchten zufolge eine Teilelektrifizierung erhalten, indem Porsche das T-Hybrid-System aus GTS und Turbo S adaptiert. Ein Bericht von Autocar behauptet, der Verbrennungsmotor allein habe auf dem Prüfstand rund 1.000 PS erreicht. Dass dieser Wert in die Serie übernommen wird, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Stattdessen könnte die Systemleistung aus Sechszylinder-Boxer und Elektromotor bei 750 bis 800 PS liegen. Der gefaceliftete 911 Turbo S leistet ja bereits 711 PS.
Ein GT2 RS ist naheliegend, doch Porsches Sonderwunsch-Abteilung eröffnet für das wichtigste Modell der Marke noch ganz andere Möglichkeiten. Die Wiederbelebung der Slantnose-Optik mit dem Flachbau-Einzelstück ist nur ein aktuelles Beispiel; bei individuellen Auftragsarbeiten sind die Grenzen grundsätzlich weit gesteckt. Alexander Fabig, bei Porsche für Individualisierung und Classic verantwortlich, sagte uns Anfang des Jahres, dass es zahlreiche Möglichkeiten für wirklich maßgeschneiderte Modelle gebe - und dabei sprach er nicht nur vom 911.
Eine weitere Folie aus Porsches neuer Investorenstrategie, die unten angehängt ist, nennt ausdrücklich einzigartige GT-Derivate und limitierte Sondermodelle. Zählt man eins und eins zusammen, dürften dienoch zu erwartenden 911-Versionen zu den teuersten und seltensten Vertretern der 992-Baureihe gehören. Und wenn die jüngere Vergangenheit etwas gezeigt hat, dann, dass Sammler solche Autos oft schon kaufen, bevor sie überhaupt öffentlich vorgestellt werden.
Der Verbrennungsmotor bleibt Teil des 911
Besonders interessant ist dabei, dass Porsche den 911 weiterhin als Experimentierfeld nutzt, während der Rest der Modellpalette einen tiefgreifenden Wandel durchläuft. Während die Marke in verschiedenen Segmenten Elektroautos, Hybride und Verbrenner parallel managt, bleibt der 911 das Modell, bei dem Porsche die Grenzen ausloten kann, ohne sich zu weit von den eigenen Wurzeln zu entfernen. Damit sind die kommenden Derivate mehr als nur Sammlerstücke - sie könnten zu den faszinierendsten Elfern der modernen Ära werden.
Was auch immer Porsche für den 911 vorbereitet: Sicher ist, dass ein Verbrennungsmotor beteiligt sein wird. Das Unternehmen hält an der vor Jahren formulierten Zusage fest, seinen legendären Sportwagen nicht als rein elektrische Version zu bauen. Manche würden argumentieren, dass Porsche dieses Versprechen mit den Hybridmodellen bereits teilweise aufgeweicht hat. Doch auch die Zuffenhausener müssen zunehmend strenge Emissionsvorschriften einhalten. CEO Michael Leiters sagte Anfang des Jahres dennoch, der Verbrenner werde immer Teil der Gleichung bleiben:
Es wird niemals einen vollelektrischen 911 geben. Dazu stehen wir.
Porsche bündelt Kompetenzen im Home of Sports Cars
Porsche schafft ein neues Home of Sports Cars, indem Manthey, Sonderwunsch, Exclusive Manufaktur und Heritage zusammengeführt werden, um noch stärker individualisierte Modelle zu entwickeln. Anders gesagt: Es dürfte eine neue Welle besonders maßgeschneiderter 911 (und möglicherweise auch weiterer Modelle) geben.








