Der Boxermotor gehört zu Subaru wie der Allradantrieb. Doch mit der ziemlich einzigartigen Motorentechnik ist in Europa bald Schluss. Bis Ende 2027 verabschiedet sich die japanische Marke von sämtlichen Verbrennermodellen und damit auch von einer Motorenbauart, die über sechs Jahrzehnte das technische Selbstverständnis des Herstellers geprägt hat.
Wie auto motor und sport berichtet, hat Subaru Deutschland die entsprechenden Pläne bestätigt. Demnach laufen die letzten Verbrennermodelle im kommenden Jahr aus. Anschließend besteht das europäische Angebot ausschließlich aus Elektroautos. Für Subaru ist das ein bemerkenswerter Einschnitt, schließlich gibt es kaum eine andere Marke, die so konsequent auf den Boxermotor gesetzt hat.
Eine Motorenbauart mit großer Geschichte
Dabei gehört der Boxer zu den traditionsreichsten Konstruktionen der Automobilgeschichte. Bereits 1896 entwickelte Carl Benz seinen sogenannten Contra-Motor mit gegenüberliegenden Zylindern. Weltweite Bekanntheit erlangte das Prinzip vor allem durch den VW Käfer, dessen luftgekühlter Vierzylinder jahrzehntelang Millionen Menschen mobilisierte.Heute noch setzt BMW bei seinen Motorrädern auf die außergewöhnliche Bauweise.
Auch Porsche machte den Boxer zu einem festen Bestandteil seiner Identität. Zunächst im 356, später mit sechs Zylindern im 911 und neuerdings vielleicht sogar als Achtzylinder im Mission S. Während der Boxer bei Porsche bis heute vor allem für Sportwagen steht, setzte Subaru auf eine wesentlich breitere Verwendung. Hier steckte das ungewöhnliche Triebwerk auch in ganz gewöhnlichen Familienautos, Kombis und SUV.
Am 14. Mai 1966 begann die Geschichte mit dem Subaru 1000, dessen wassergekühlter Vierzylinder-Boxer die Grundlage für eine bemerkenswerte technische Kontinuität bildete. Schon 2016 meldete Subaru anlässlich des 50-jährigen Jubiläums mehr als 16 Millionen produzierte Boxermotoren.
Vom Familienauto bis zur Rallye-Legende
Die Vorteile der Konstruktion liegen vor allem in ihrer geringen Bauhöhe und dem guten Massenausgleich. Die gegenüberliegenden Kolben reduzieren Vibrationen, während die flache Bauform einen niedrigen Fahrzeugschwerpunkt ermöglicht. Zusammen mit dem symmetrischen Allradantrieb entwickelte Subaru daraus ein eigenständiges technisches Konzept.
Besonders populär wurde es durch den Impreza WRX und WRX STI, die mit ihren aufgeladenen Vierzylinder-Boxern auch im Rallyesport Erfolge feierten. Der charakteristische Klang der älteren Turbomodelle ist vielen Fans bis heute vertraut. Selbst einen Boxer-Dieselmotor brachte Subaru 2008 auf den Markt, konnte sich damit allerdings langfristig nicht durchsetzen.
Nun verschwinden die letzten europäischen Vertreter schrittweise aus dem Programm. Den Anfang macht der Outback mit seinem 169 PS starken 2,5-Liter-Saugmotor. Im Laufe des Jahres 2027 folgen Impreza, Crosstrek und Forester mit ihren elektrifizierten Zweiliter-Boxern. Die Produktion der bisherigen europäischen Mildhybridvarianten ist bereits beendet, derzeit verkauft Subaru noch vorhandene Bestände.
In Europa elektrisch, andernorts weiterhin mit Boxer
Die Gründe liegen vor allem in den europäischen CO₂-Vorgaben und den vergleichsweise geringen Verkaufszahlen. Die aufwendige Anpassung der Verbrennungsmotoren lohnt sich für Subaru offenbar nicht mehr. Stattdessen konzentriert sich die Marke künftig auf Solterra, Uncharted und E-Outback. Alle drei Elektroautos entstanden in enger Zusammenarbeit mit Toyota.
Weltweit bedeutet das allerdings keineswegs das Ende des Boxermotors. In Japan und Nordamerika entwickelt Subaru die Konstruktion weiter und kombiniert einen 2,5-Liter-Vierzylinder inzwischen mit einem leistungsfähigen Vollhybridsystem. Der neue Antrieb kommt unter anderem im Forester zum Einsatz und ermöglicht auch rein elektrisches Fahren.
Ob solche Modelle irgendwann doch noch nach Europa gelangen, bleibt offen. Nach den aktuell bestätigten Plänen ist dafür zunächst kein Platz vorgesehen. Während Porsche seinem Boxer weiterhin die Treue hält, müssen sich europäische Subaru-Kunden ab 2028 an eine Marke ohne ihre bislang charakteristischste Motorenkonstruktion gewöhnen.








