Changan Deepal S05 AWD im Test: 320 kW starker ID.4-Konkurrent

Das Elektro-SUV überzeugt mit Design und Preis, patzt aber bei Reichweite und Bedienung. Wir haben die Allradversion getestet.

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Changan, einer von den noch ganz neuen China-Herstellern auf dem deutschen Markt, bietet derzeit zwei Elektromodelle an. Den Deepal S07 haben wir im letzten Frühjahr angetestet, nun folgte der kompaktere Deepal S05, den wir in der 320 kW starken Allradversion fuhren.

Deepal ist so etwas wie eine Submarke von Changan à la Ioniq bei Hyundai. Mit 4,60 Meter Länge ist der Deepal S05 ein Konkurrent des VW ID.4. Er wird ausschließlich mit einer etwa 68 kWh netto großen LFP-Batterie offeriert, man kann aber zwischen einem 200-kW-Hecktriebler und einem 320 kW starken Allradler wählen. Während die Optik der des Deepal S07 ähnelt, ist die technische Basis eine ganz andere: Der Deepal S07 basiert wie der Mazda 6e und der CX-6e auf der Changan-Plattform EPA, der S05 aber auf der Plattform CPA, die neben reinen Elektroautos auch Range-Extender-Fahrzeuge (REEVs), Plug-in-Hybride und Hybride unterstützt.

  Changan Deepal S05 AWD Max
Antrieb AWD 320 kW, 
(ASM mit 120 kW vorn, PSM mit 200 kW hinten)
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 5,5 Sek. / 180 km/h
WLTP-Verbrauch 17,5 kWh
Akku netto / brutto ca. 68 / 68,8 kWh (LFP)
WLTP-Reichweite 445 km
Max. Ladeleistung AC / DC 11 / 200 kW
DC-Ladedauer 10-80% 23 min
Länge / Höhe 4,60 / 1,60 m
Basispreis 44.990 Euro

Exterieur | Interieur | Antrieb/Akku | Fahreindrücke | Preise/Rivalen | Fazit


Changan Deepal S05 2026 (Bilder zum Test)

Exterieur

Das Design stammt vom Ex-VW-Chefdesigner Klaus Zyciora, der auch viele ID-Fahrzeuge von VW entworfen hat. Die Optik ist unserer Ansicht nach gelungen, wozu auch die schicken Lackierungen beitragen. Die Karosserie ist bestimmt von glatten Flächen und scharfen Linien. Vorne gibt es interessant verschlungene LED-Lichtlinien als Tagfahrlichter und etwas tiefer die Scheinwerfer im "Flying Wing"-Design. Einen Grill hat der Wagen nicht, die Front ist geschlossen, aber unten gibt es geregelte Lufteinlässe.

Seitlich gibt es dezente Kratzschutzleisten und leicht ausgestellte Radhäuser sowie bündige Türgriffe im Tesla-Stil. Bei den gehobenen Versionen fahren sie elektrisch aus. Ist das Auto entriegelt, kann man sie auch manuell öffnen. Die neuen chinesischen Vorschriften verbieten solche Griffe künftig; deshalb ist auch beim Changan Deepal S05 eine Änderung zu erwarten. Die Fensterscheiben sind rahmenlos. Am Heck gibt es eine durchgehende rote Lichtlinie und mittig ein illuminiertes Changan-Logo.

  Länge Breite Höhe Radstand Kofferraum
Changan Deepal S05 4.598 mm 1.900 mm 1.600 mm 2.880 mm 492-1.250 Liter
und 152 Liter Frunk
VW ID.4 4.584 mm 1.852 mm 1.634 mm 2.771 mm 543-1.575 Liter
kein Frunk

Interieur

Innen gibt es für den Deepal S05 ein schickes Schwarz mit orangefarbenen Kontrastnähten sowie ein arg chinesisch wirkendes Orange, das laut Changan wohl nur wenige wählen werden. Das Layout des Armaturenbretts erinnert deutlich an Tesla und China-Marken wie Xpeng oder Nio: Ein 15,4 Zoll großes Mitteldisplay dominiert das Cockpit und es gibt nur wenige physische Bedienelemente.

Der Changan hat jedoch eine Besonderheit: Der Touchscreen dreht sich automatisch zum Fahrerplatz hin, sobald man dort Platz nimmt. Ähnlich wie bei Tesla wird das gefahrene Tempo links oben auf dem Monitor angezeigt, also nah am Fahrersitz. Ein Instrumentendisplay gibt es im Deepal S05 nicht und ist meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt nötig. Schon gar nicht bei der gefahrenen Ausstattung Max, bei der ein informatives Head-up-Display serienmäßig ist.

Der Deepal S05 hat keinen Startbutton - das System wird praktischerweise automatisch aktiviert. Die Modi P, N, R und D werden über einen Hebel rechts am Lenkrad aktiviert, sodass kein Drehrad in dr Mittelkonsole nötig ist. Auch sonst hat der Wagen kaum physische Tasten, sodass vieles per Touchscreen geregelt werden muss. Das beginnt schon bei den Außenspiegeln, die über Buttons am Lenkrad eingestellt werden. Auch das Rollo für das riesige Glasdach, das beim Max serienmäßig ist, wird über den Touchscreen geöffnet und geschlossen.

Für wichtige Funktionen wie Klimatisierung, Navigation und dergleichen gibt es am unteren Rand des Touchscreens eine Leiste mit schön großen Buttons, die man teils konfigurieren kann. Kleiner sind die Icons am oberen Rand des Bildschirms - da habe ich mit meiner Alters-Weitsichtigkeit schon Probleme beim Ablesen.

Der S05 besitzt kein Handschuhfach; dafür gibt es eine "zweigeschossige" Mittelkonsole mit einem geräumigen unteren Fach. Wenn ich als 1,75 Meter große Testperson den Vordersitz für mich einstelle, bleiben dahinter noch etwa acht Zentimeter vor den Knien. Über dem Kopf ist der Abstand noch üppiger, zumindest bei geöffnetem Rollo. Unser Foto zeigt auch, dass die Rundumsicht im Deepal S05 nicht sehr gut ist, weil das Heckfenster klein und die Dachsäulen dick sind:

Bilder von: InsideEVs

Der Kofferraum fasst 452 bis 1.250 Liter, was deutlich weniger ist als beim ähnlich großen VW ID.4. Das Volumen wurde allerdings nach einer "Tropfenmethode" bestimmt, was wohl nicht der VDA-Norm entspricht, bei der das Volumen mit Quadern bestimmt wird.

Unter dem Ladeboden gibt es noch ein recht tiefes Fach, in dem man die optionale Anhängerkupplung verstauen kann. Eine Besonderheit ist, dass sich die Polster der Fondbank in die Senkrechte klappen lassen. Dadurch wird der Ladeboden beim Umklappen schön eben. Zudem hat der S05 einen außergewöhnlich großen Frunk, der beim Allradler 152 Liter fasst und in dem man sogar Kleinkinder baden könnte - zumal es einen Auslassstöpsel gibt.

Antrieb und Batterie

Der Changan Deepal S05 wird stets mit einer 68 kWh großen Batterie mit prismatischen LFP-Zellen von CATL ausgerüstet. Der Akku nutzt eine "Cell-to-Vehicle"-Technik, das heißt, es gibt keine Module und die Batterie übernimmt Strukturaufgaben. Eine Besonderheit ist die Pulse-Batterieheizung. So bezeichnet Changan die elektrische Heizplatte, die in den Batteriekasten integriert ist, wie uns Technik-Experte Gabriel Stenglein sagte. Diese wird zum Beispiel zum Vorkonditionieren der Batterie bei Kälte genutzt - immer dann, wenn die Wärmepumpe nicht ausreicht.

Der Antrieb des gefahrenen Allradlers besteht aus einer 200 kW starken Permanentmagnet-Maschine hinten - offenbar der gleichen, die auch im Hecktriebler eingesetzt wird - und einer 120 kW starken Asynchronmaschine vorne, die nur bei Bedarf zugeschaltet wird.

Die Rekuperation ist ziemlich schwach. Allein durch Gas-Wegnehmen lässt sich die Fuhre nicht stoppen, denn das Auto hat einen Kriechgang, in dem man mit etwa 11 km/h dahinrollt. Auch sonst ist One-Pedal-Driving wegen der geringen Bremswirkung nicht möglich. Das gilt in allen Modi.

Die Rekuperation lässt sich nur per Touchscreen einstellen. Dazu tippt man auf das stets sichtbare Auto-Icon unten am Touchscreen, dann auf Drive. Hier stehen die Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Custom zur Verfügung, die sich auch auf die Bremsenergierückgewinnung auswirken: Bei Eco ist sie schwach, bei Comfort und Sport noch schwächer und nur in Custom kann man sie einstellen.

Dazu muss man den Menüpunkt Custom zweimal antippen. Dann erscheint der obige Screen, in dem man die Rekuperation stufenlos regeln kann. Das ganze Prozedere lenkt ziemlich ab. Man kann den linken Lenkradbutton so konfigurieren, dass man damit zwischen den Fahrmodi wechseln kann. Leider erreicht man dabei aber nicht den Custom-Modus, in dem man die Rekuperation direkt einstellen kann.

Fahreindrücke und Laderoutenplanung

Der Deepal S05 hat als Allradler 320 kW. So hat man in allen Situationen genug Leistung. Man spürt, dass massig Drehmoment vorhanden ist; es sind 212 Nm vorne und 290 Nm hinten. Aber wenn man Vollgas gibt, gibt es immer erst eine Gedenksekunde, bevor es losgeht. Der mitfahrende Kollege fühlte sich davon an Doppelkupplungsgetriebe erinnert, die bei Vollgas erstmal herunterschalten müssen. Wie Bjørn Nyland in seinem Kurztest richtig sagte, geht dadurch ein Vorteil des Elektroantriebs verloren: Man kann nicht schnell in eine Verkehrslücke schlüpfen, weil man immer die Gedenksekunde einberechnen muss.

Außerdem fielen die schlecht dosierbaren Bremsen auf, die unabhängig von der Einstellung der Bremskraftverstärkung unnötig "giftig" reagieren. Am angeblich etwas harten Fahrwerk fand ich auf den guten Straßenbelägen in Österreich nichts zu kritisieren; auch die Seitenneigung in Kurven und beim simulierten Pylonen-Wedeln bleibt gering. An der Lenkung finde ich ebenfalls nichts auszusetzen. Die Sitze wirkten auf unserer kurzen Testfahrt bequem und boten recht guten Seitenhalt. Gut gefiel mir auch der Abstandstempomat, der einfach aktiviert wird, indem man den Getriebewahlhebel rechts am Lenkrad nach unten zieht. Dann wird automatisch auch das Tempolimit übernommen

Wir erprobten auch kurz die Laderoutenplanung. Das System errechnete schnell eine Route vom österreichischen Leogang ins 735 km entfernte Berlin. Die Ladestopps werden erst hinzugefügt, wenn man ein gelbes Ladestecker-Icon antippt. Dann aber wird für jeden Stopp angezeigt, von welchem Ladestand (SoC) auf welchen Stand man aufladen soll, wieviel Ladeleistung an dem Standort zur Verfügung steht und mehr. Man kann auch nach Mindest-Ladeleistung und nach Ladeanbieter filtern. Zudem lässt sich der Mindest-Ladestand beim Erreichen der Lader und am Endziel einstellen und der SoC, bis zu dem aufgeladen wird.  

Preise und Rivalen

Die Allradversion des Changan Deepal S05 kostet 44.990 Euro. Zum Vergleich: Den VW ID.4 Pro 4Motion gibt es erst ab 51.320 Euro, mit dem bis Ende März gewährten Herstellerrabatt von 4.000 Euro bleiben 47.320 Euro. Die AWD-Version liefert Changan stets in der höheren Ausstattung namens Max aus, die umfangreich ausfällt. Als Außenfarbe würden wir das bildschöne Hellblau wählen, das es ohne Aufpreis gibt. Wer einen Anhänger ziehen will, kann ansonsten nur noch eine (manuell ansteckbare) Anhängerkupplung für 800 Euro bestellen, sonst gibt es keine Extras.

Zu den Rivalen gehört der VW ID.4 Pro 4Motion mit 210 kW. Hier eine kleine Vergleichstabelle:

  Changan Deepal S05 AWD VW ID.4 Pro 4Motion
Antrieb AWD 320 kW AWD 210 kW
0-100 km/h / Höchstgeschwind. 5,5 Sek. / 180 km/h 6,6 Sek. / 180 km/h
WLTP-Verbrauch 17,5 kWh 16,3-18,1 kWh
Akku netto ca. 68 kWh LFP 77 kWh NMC
WLTP-Reichweite 445 km 487-536 km
DC-Ladedauer 10-80% 23 min 28 min
Reichweite-Nachladen 13,5 km/min bis 13,4 km/min
Anhängelast 1.600 kg 1.200 kg
Listenpreis 44.990 Euro 51.320 Euro
Rabattiert 47.320 Euro (bis Ende März)

Wie man sieht, bietet der VW mehr Reichweite, beim Verbrauch und beim Reichweite-Nachladen (errechnet aus der Maximalreichweite und der Ladedauer) herrscht fast Gleichstand. Der Changan ist aufgrund der höheren Antriebsleistung deutlich flinker im Sprint. Er bringt auch mehr Ausstattung mit und einen niedrigeren Preis.

Der Changan Deepal S05 wird in zwei Werken gefertigt: Die Rechtslenkerfahrzeuge entstehen im thailändischen Rayong, die Linkslenker für Deutschland kommen aus dem zentralchinesischen Chongqing - eine Stadt mit 32 Millionen Einwohnern, die in Deutschland kaum jemand kennt. Die Garantie ist ungewöhnlich großzügig: Sieben Jahre oder 160.000 km auf das Fahrzeug und acht Jahre oder 200.000 km auf den Akku. Eventuell nötige Ersatzteile kommen aus Lagern in den Niederlanden, in Großbritannien und Spanien. Der S05 hat im EuroNCAP-Crashtest volle fünf Sterne erhalten.

Kaufen kann man den S05 erst bei wenigen Händlern in Deutschland. Derzeit verzeichnet die Website nur drei davon, zwei weitere haben einen Vertrag unterschrieben. Aber die Zahl soll weiter tüchtig steigen. Neben dem S05 bietet Changan noch den größeren S07 an und Anfang 2027 soll noch der Changan Nevo Q05 hinzukommen, ein neues B-Segment-SUV mit etwa 4,40 Meter Länge, das auf der gleichen Plattform wie der Deepal S05 basiert. 

Changan Deepal S05 (eigene Bilder)

Fazit

Den Hauptnachteil des Changan Deepal S05 kannten wir schon vor unserer Fahrt: Die Reichweite ist gering. 445 km nach WLTP-Norm sind in der Kompaktklasse arg wenig; der VW ID.4 Pro schafft rund 580 km, der neue Nissan Leaf über 600 km. Das schnelle Laden mit 2,1 kWh/min macht das aus unserer Sicht nicht wett. Beim Test fiel vor allem die Gedenksekunde bei der Gasannahme negativ auf, auch die sehr giftigen Bremsen und die ablenkende Bedienung per Touchscreen. Auf der Plusseite stehen das schicke Exterieur, der edel wirkende Innenraum, die hohe Ladegeschwindigkeit und der generell gute Fahreindruck.  

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Autor: Stefan Leichsenring