Porsche startet mit einem deutlichen Dämpfer ins Jahr 2026. Im ersten Quartal lieferte der Sportwagenbauer weltweit 60.991 Fahrzeuge aus, 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Neben schwachen Märkten in China und Nordamerika nennt das Unternehmen selbstverschuldete Probleme, die direkt aus früheren strategischen Entscheidungen stammen.
Modelllücke im Einstiegssegment
Besonders sichtbar wird das beim Einstiegssegment. Boxster und Cayman laufen nicht mehr vom Band, Nachfolger mit Elektroantrieb lassen auf sich warten. Die geplante Plattform, die auch Audi nutzen soll, verzögert sich. Porsche hat die Baureihen deshalb aktuell weder als Verbrenner noch als Stromer im Programm. Die Modelllücke ist hausgemacht und kostet Volumen.
Auch bei der Elektrostrategie zeigen sich Brüche. Unter dem früheren Porsche-Chef Oliver Blume setzte die Marke stark auf E-Modelle, ohne alle Übergangsphasen abzusichern. Vertriebsvorstand Matthias Becker spricht zwar davon, dass der Konzernabsatz im Rahmen der Erwartungen liege, verweist aber gleichzeitig auf den kommenden vollelektrischen Cayenne als Fokus für die nächsten Monate. Der SUV soll ab Sommer neue Nachfrage bringen.
China schwächelt, Porsche zieht Rabattgrenze
Der kritische Punkt bleibt China. Dort ging der Absatz um 21 Prozent auf 7.519 Fahrzeuge zurück. Porsche registriert eine deutliche Kaufzurückhaltung und verzichtet laut eigener Aussage bewusst auf hohe Rabatte. In einem Markt mit starkem Preiswettbewerb schwächt diese Linie die Position der Marke. Lokale Anbieter nutzen die Situation und greifen mit günstigeren und technisch konkurrenzfähigen Modellen an.
Besonders hart trifft Porsche der Einbruch beim Taycan. Der erste Elektrosportwagen der Marke spielt in China kaum noch eine Rolle. Im Januar und Februar kamen nicht einmal 50 Fahrzeuge neu auf die Straße. Hier zeigt sich deutlich, wie riskant eine hochpreisige E-Strategie ohne ausreichende Differenzierung ist.
Nordamerika und Europa mit eigenen Problemen
Nordamerika steht etwas besser da, liefert aber ebenfalls negative Zahlen. Von Januar bis März verkaufte Porsche 18.344 Fahrzeuge, ein Minus von elf Prozent. Zusätzlich drücken hohe US-Zölle auf die Gewinne, da Porsche alle Modelle aus Europa importiert. Die Abhängigkeit von Exporten belastet die Marge, weil der Hersteller keine lokale Produktion zur Kostenentlastung aufgebaut hat.
In Europa wirkt sich eine weitere strategische Entscheidung aus. Der Verbrenner-Macan erhielt kein Update für die aktuellen EU-Abgasnormen, weil Porsche das Modell komplett auf Elektroantrieb umstellen wollte. Folge: In der EU entfällt der Macan mit klassischem Antrieb, obwohl die Nachfrage weiterhin vorhanden wäre. Weltweit setzte Porsche im ersten Quartal 18.209 Macan ab, davon 10.130 Verbrenner. Der klassische Macan läuft noch bis Sommer und bleibt in vielen Märkten außerhalb der EU im Programm.
Macan schwächelt, 911 stabilisiert das Geschäft
Insgesamt sackten die Macan-Verkäufe um 23 Prozent ab. Das Management nennt neben der Umstellung auf den elektrischen Macan auch das Ende von Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den USA sowie eine generell verhaltene E-Nachfrage als Gründe. Die Kombination aus Regulierung, unvollständiger Modellplanung und schwächerem E-Markt trifft das SUV besonders stark.
Bei den Baureihen hält der Cayenne die Spitze mit 19.183 Auslieferungen, liegt damit aber vier Prozent unter Vorjahr. Die vollelektrische Version soll ab Sommer schrittweise starten und neue Kunden ansprechen. Der 911 entwickelt sich deutlich besser: Die Ikone legte um 22 Prozent auf 13.889 Einheiten zu und stabilisiert das Geschäft in einem sonst schwachen Umfeld. Auf den Elfer ist eben Verlass!
Noch gravierender als der Absatzrückgang fällt der Blick auf die Ergebniszahlen aus. Der Gewinn nach Steuern brach im vergangenen Jahr auf 310 Millionen Euro ein, ein Minus von 91,4 Prozent. 2024 waren es noch fast 3,6 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um rund zehn Prozent auf 36,3 Milliarden Euro. Porsche verweist auf eine strategische Kehrtwende bei der Elektromobilität, nachdem klar wurde, dass die ursprünglichen E-Ziele zu ambitioniert waren und zentrale Modellentscheidungen nachgebessert werden müssen.








