Die Porsche AG, lange ein Garant für Rekordgewinne, steckt in ernsten Schwierigkeiten. Ein dramatischer Einbruch des operativen Ergebnisses um über 90 Prozent im Geschäftsjahr 2025 zwingt den neuen Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Leiters zu einer radikalen Neuausrichtung. Die Marschrichtung ist klar. "Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen schlanker, schneller und die Produkte noch begehrlicher machen", so Leiters.
Gewinn bricht um 90 Prozent ein
Der Blick auf die Zahlen für 2025 offenbart das ganze Ausmaß der Krise. Das operative Ergebnis stürzte von 5,64 Milliarden Euro auf nur noch 413 Millionen Euro ab. Dieser dramatische Rückgang ist hauptsächlich auf Sonderaufwendungen von rund 3,9 Milliarden Euro zurückzuführen. Dahinter verbergen sich Kosten für die neue Produktstrategie, Investitionen in die Batterietechnik sowie Belastungen durch US-Zölle. Gleichzeitig sanken die weltweiten Auslieferungen um rund 10 Prozent auf knapp 280.000 Fahrzeuge.
Neue Strategie: Klasse statt Masse
Die Antwort von Michael Leiters ist eine klare Abkehr vom reinen Mengenwachstum. Unter dem Motto "Value over Volume" (Wert über Volumen) will sich Porsche insbesondere im schwierigen chinesischen Markt zurücknehmen und stattdessen pro verkauftem Fahrzeug mehr verdienen. Finanzvorstand Dr. Jochen Breckner betont, dass man die aktuelle Situation bewusst in Kauf nehme, "um mittelfristig Porsche-adäquate Margen zu sichern und langfristig unsere Resilienz zu stärken."
Dieser Fokus auf das Luxussegment ist in der Branche nicht neu und birgt Risiken, wie das Beispiel Mercedes zeigt. Zuletzt versuchte Mercedes-Benz eine ähnliche Strategie, musste aber feststellen, dass die alleinige Konzentration auf die teuersten Modelle nicht ausreicht und die Kernsegmente darunter leiden. Allerdings hinkt der Vergleich, denn Porsche startet von einer ganz anderen Position. Die Marke ist bereits im reinen Sport- und Luxussegment zu Hause. Eine weitere Zuspitzung nach oben ist daher eher eine konsequente Weiterentwicklung als ein riskanter Schwenk. Wenn sie denn funktioniert ....
Noch exklusivere Modelle in Planung
Für Fans der Marke wird es vor allem bei den Produkten spannend. Der neue, vollelektrische Cayenne ist der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten und der 911 Turbo S mit T-Hybrid nutzt den E-Boost für mehr Leistung. Besonders aufhorchen lässt Leiters mit einer klaren Ansage zur Zukunft: "Wir denken über eine Ausweitung unseres Produkt-Portfolios nach, um in margenstärkeren Segmenten zu wachsen. Dabei untersuchen wir Modelle und Derivate sowohl oberhalb unserer heutigen zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne." Ein Hypercar (als Nachfolger des 918 Spider?) oder ein Ultra-Luxus-SUV scheinen damit denkbar.
Trotz der ambitionierten Pläne bleibt der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2026 verhalten. Porsche erwartet weiterhin schwierige Märkte und prognostiziert eine operative Umsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent. Das ist eine deutliche Erholung nach den katastrophalen 1,1 Prozent aus 2025, aber noch weit entfernt von den über 14 Prozent aus früheren Glanzzeiten. Der Weg zurück an die Spitze wird für Porsche also kein Sprint, sondern ein Marathon.








