Porsche verkauft Bugatti komplett

Nach Jahren der Zusammenarbeit zieht sich Porsche bei Bugatti Rimac zurück. Ein Milliarden-Deal besiegelt das Ende der Sportwagen-Ehe

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Es hatte sich bereits angedeutet und nun herrscht Gewissheit. Porsche zieht einen Schlussstrich und trennt sich vollständig von seinen Beteiligungen an Bugatti Rimac sowie der kroatischen Rimac Group. Damit endet eine Ära, die erst vor wenigen Jahren mit der Gründung des Joint Ventures begonnen hatte. Die Zuffenhausener fokussieren sich künftig ganz auf ihre eigenen Projekte. Zuletzt schwächelten die Zahlen ja massiv.

Der Sportwagenbauer aus Stuttgart gibt seine Minderheitsbeteiligung in Höhe von 45 Prozent an Bugatti Rimac ab. Gleichzeitig wird auch der Anteil von exakt 20,6 Prozent an der Rimac Group veräußert. Auf der Käuferseite steht ein internationales Konsortium unter der Führung der New Yorker Investmentfirma HOF Capital. Hinter diesem Investor steht laut Medienberichten die ägyptische Milliardärsfamilie Sawiris. Als größter Einzelinvestor bei diesem Geschäft tritt zudem die in Abu Dhabi ansässige Gesellschaft BlueFive Capital auf.

Finanzielle Details des spektakulären Deals behalten die beteiligten Parteien zwar offiziell für sich. Branchenexperten gehen jedoch von einem enormen Volumen aus, das schätzungsweise rund eine Milliarde Euro in die Kassen der Schwaben spülen dürfte. Die Unterzeichnung der entsprechenden Verträge fand am 24. April 2026 statt. Der endgültige Vollzug der Transaktion wird im Laufe des aktuellen Jahres erwartet, sobald die zuständigen Aufsichtsbehörden das nötige grüne Licht für den Deal gegeben haben.

Für Porsche markiert dieser Schritt eine bewusste strategische Neuausrichtung. Vorstandschef Michael Leiters erklärte die Entscheidung deutlich und betonte die künftige Marschroute des Unternehmens. Mit dem Verkauf der Anteile wolle man ganz unmissverständlich zeigen, dass sich Porsche ab sofort wieder verstärkt auf das eigene Kerngeschäft konzentrieren wird. Man habe als Investor der frühen Phase einen großen Beitrag zur Entwicklung von Rimac zu einem fest etablierten Autobauer geleistet. Nun sei es an der Zeit für andere Wege.

Auch Mate Rimac äußerte sich zum Ausstieg der Stuttgarter. Der umtriebige kroatische Unternehmer bedankte sich für die konstruktive Partnerschaft der vergangenen Jahre. Gemeinsam habe man ein starkes Fundament geschaffen, um die langfristige Vision für die prestigeträchtige Luxusmarke nun noch schneller umsetzen zu können. Rimac blickt überaus optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die anstehende Zusammenarbeit mit den neuen, finanzstarken Partnern an seiner Seite. Zuletzt hieß es immer öfter, Rimac wolle sich von Porsche lösen, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Ziel erreicht.

Für Bugatti bedeutet der Ausstieg das endgültige Ende einer fast drei Jahrzehnte währenden Verbindung zum Volkswagen-Konzern. Bereits im Jahr 1998 hatte VW die Rechte an der traditionsreichen französischen Marke übernommen und sie in der Folgezeit erfolgreich wiederbelebt. Im Hintergrund laufen derweil die intensiven Vorbereitungen für das nächste große Highlight auf Hochtouren. Der neue Bugatti Tourbillon, ein Hypercar mit V16-Motor und drei Elektromotoren, soll planmäßig noch ab 2026 an die ersten Kunden ausgeliefert werden.

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Autor: Christopher Otto