Der Mercedes EQS erhält umfangreiche technische Änderungen. Am wichtigsten ist die schon lange erwartete Umstellung von 400 auf 800 Volt. Zudem steigt die Maximalreichweite von 816 auf beeindruckende 926 Kilometer nach WLTP-Norm.
Das bedeutet nach wie vor Platz zwei in unserer Top-Ten-Liste der reichweitenstärksten Elektroautos. An die 960 km des Lucid Air kommt der EQS nicht heran, aber der Abstand verkleinert sich deutlich. Zudem kann der Wagen durch die 800-Volt-Technik nun deutlich schneller laden.
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Exterieur
Was die Optik angeht, so wurde vor allem die Lichtsignatur vorn geändert. Hier leuchten künftig zwei Sterne pro Seite wie beim VLE EQ. Ansonsten werden zwei Versionen angeboten: Die auf unseren Bildern zu sehende Standardversion trägt den Mercedes-Stern stehend auf der Haube; dazu kommt ein schwarzer Grill mit Chromlamellen und ein hinterleuchtetes Sternenmuster. Bei den AMG-Line-Versionen gibt es statt der Kühlerfigur einen illuminierten Stern in der Mitte des Grills und ebenfalls das hinterleuchtete Sternenmuster.
Eine weiterentwickelte "Digital-Light"-Technik soll für eine bessere Ausleuchtung der Straße sorgen und dabei weniger Energie verbrauchen. Auch die Rückleuchten wurden dezent umgestaltet; hier gibt es zusätzliche, schraubenförmige Lichtelemente.
Auch die Aerodynamik wurde nochmals verbessert, insbesondere an den Außenspiegeln. Nach wie vor liegt der cW-Wert bei 0,20, die Stirnfläche wird mit 2,51 Quadratmetern angegeben. Der für den Windwiderstand entscheidende Wert von cW x A liegt damit bei 0,5 m2. Zum Vergleich: Ein Rennradler liegt ebenfalls bei rund 0,5 m2, während eine Person auf einem Trekkingbike schon auf 0,7 m2 kommt, wie Mercedes erklärt.
Interieur
Der serienmäßige, 55 Zoll große Hyperscreen besteht nach wie vor aus drei Displays, die unter einer gemeinsamen Glasfläche liegen: 12,3 Zoll für die Instrumente, 17,7 Zoll für den Touchscreen und 12,3 Zoll vor dem Beifahrersitz. Dazu kommen optional noch zwei 13-Zoll-Monitore für das Rear-Seat-Entertainment.
Eine weitere Neuerung ist das optional erhältliche Steer-by-Wire-System, zu dem anstelle des herkömmlichen Lenkrads ein Steuerhorn gehört. Damit soll beim Rangieren deutlich weniger Kurbelei nötig sein, und der Kraftaufwand sinkt. Zudem werden Vibrationen minimiert, weil es keine physische Verbindung zwischen Achse und Steuer mehr gibt. Zur Sicherheit ist das System aber redundant ausgelegt, das heißt, es gibt zwei Signalwege. Die optionale Hinterachslenkung mit zehn Grad Radeinschlag wird ebenfalls über Steer-by-Wire gesteuert.
Das System soll ein paar Monate nach Marktstart verfügbar sein. Daneben wird nach wie vor eine normale Lenkung mit konventionellem Lenkrad angeboten. Dieses besitzt das beliebte Bediensystem mit Wippe und Walze.
Mit dem Mercedes-Benz Operating System MB.OS erhält der EQS neue Funktionen. Dazu gehören eine Multi-Agent-KI und eine Google-Maps-Integration. Zu den verfügbaren Apps zählen Amazon Music, Disney+, Sony RideVu und YouTube. Auch die Assistenzsysteme wurden aufgewertet. Das Auto verfügt künftig über 27 Sensoren und kann optional Hindernissen automatisch ausweichen. Zudem ist ein assistierter Spurwechsel möglich.
Zudem sind die beheizbaren Sicherheitsgurte aus der S-Klasse auch im EQS verfügbar. Das soll nicht nur bei Kälte angenehm sein, sondern die Insassen auch dazu bringen, dicke Winterjacken auszuziehen - damit der Gurt und die weiteren Sicherheitssysteme bei einem Unfall besser arbeiten können. Auf den Rücksitzen gibt es Gurte mit integrierten Airbags.
Bilder von: Mercedes-Benz
Antriebe und Batterien
Wie beim bisherigen EQS werden neben dem EQS 450+ auch ein EQS 500 4Matic und ein EQS 580 4Matic angeboten; der bisher offerierte 450 4Matic entfällt. Dafür kommt ein neues Basismodell namens EQS 400 hinzu, das eine kleinere Batterie erhält. So wird auch der Einstiegspreis (bisher 109.551 Euro nach Liste oder 106.265 Euro mit Mercedes-Rabatt) deutlich gesenkt. Eine weitere Verbesserung ist die Anhängelast der Hecktriebler, die sich gegenüber dem alten Modellen fast verdoppelt hat. Hier sind die wichtigsten Daten:
| EQS 400 | EQS 450+ | EQS 500 4Matic | EQS 580 4Matic | |
| Antrieb | RWD 270 kW, 505 Nm |
RWD 300 kW, 505 Nm |
AWD 350 kW, 750 Nm |
AWD 430 kW, 800 Nm |
| 0-100 km/h / Vmax | 6,2 Sek. / 210 km/h | 5,9 Sek. / 210 km/h | 4,5 Sek. / 210 km/h | 4,1 Sek. / 210 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 15,7-19,3 kWh | 15,4-19,3 kWh | 16,2-19,5 kWh | 16,2-19,5 kWh |
| Akku netto | 112 kWh | 122 kWh | 122 kWh | 122 kWh |
| WLTP-Reichweite | 817 km | 926 km | 876 km | 876 km |
| DC-Ladeleistung | 330 kW | 350 kW | 350 kW | 350 kW |
| Anhängelast | 1.600 kg | 1.600 kg | 1.700 kg | 1.700 kg |
| Preis | 94.403 Euro | 108.635 Euro | 123.284 Euro | 134.732 Euro |
Die um 13 Prozent gesteigerte Reichweite des EQS 450+ wurde durch eine größere Batterie und verbrauchssenkende Maßnahmen möglich. Die Speicherkapazität der bisher 118 kWh großen Batterie erhöhte sich dank verbesserter Zellchemie auf 122 kWh - das sind drei Prozent mehr. Dazu kommen Graphitanoden mit beigemengtem Siliciumoxid zum Einsatz; das erhöht die Energiedichte. Der Anteil von Cobalt in den Kathoden konnte reduziert werden.
Deutlich mehr zur höheren Reichweite als die Batteriekapazität trägt der gesunkene Verbrauch bei. Dazu wird wie beim CLA und GLC an der Hinterachse ein Zweigang-Getriebe verbaut, was den Verbrauch bei hoher Geschwindigkeit senkt. Beim zweiten Gang wird nur ein Planetensatz verwendet, was die Effizienz besonders erhöht.
Wie bisher wird bei den Allradlern die Vorderachse per Disconnect Unit (DCU) abgekoppelt, wenn nicht die volle Power benötigt wird. Bei der Rekuperation sind nun bis zu 385 kW möglich; das ist ein Drittel mehr als bisher. Die Stärke der Rekuperation wird über Paddles oder mit dem Wählhebel hinter dem Lenkrad verändert.
Aufladen
Bisher konnte der EQS mit maximal 200 kW laden - ein sehr guter Wert für ein 400-Volt-System, aber der überarbeitete EQS mit 800 Volt schafft bis zu 350 kW. Die Ladezeiten sind noch nicht bekannt. Aber man soll in zehn Minuten Strom für bis zu 320 km WLTP-Reichweite nachladen können.
An 400-Volt-Ladesäulen liegt die Ladeleistung allerdings bei maximal 175 kW. Das ist genau die Hälfte von 350 kW. Mercedes setzt anscheinend das sogenannte Bankladen ein - ähnlich wie Porsche und Audi beim Macan bzw. A6/Q6 e-tron. Dabei halbiert sich die Spannung des Akkus während des Ladens, was auch die halbierte Ladeleistung erklärt. Das ist sicher keine optimale Lösung, aber immerhin eine Verbesserung gegenüber GLC, CLA & Co, wo man den 400-Volt-Konverter gegen Aufpreis dazubestellen muss und auch dann nur mit 100 kW laden kann.
Eine technisch interessante Neuerung ist auch die Dämpferregelung des Luftfahrwerks: Das System greift auf Car-to-X-Informationen von vorausfahrenden Mercedes-Fahrzeugen zu. Damit wird erkannt, dass der EQS auf eine Unebenheit wie vor allem eine Temposchwelle zufährt. So können sich die Dämpfer rechtzeitig darauf einstellen. Die Technologie wurde von Mercedes selbst entwickelt und zum Patent angemeldet.
Wegen des Modellwechsels ist der EQS derzeit nicht konfigurierbar; das dürfte sich jedoch bald ändern. Durch die Einträge im Konfigurator sollten dann auch die noch fehlenden Ladezeiten bekannt werden.
Unter dem Strich
Schnelleres Laden und noch mal rund 100 km mehr Reichweite: Die Verbesserungen beim Mercedes EQS sind enorm. Auch die Effizienz und die sonstige Technik wurden optimiert. Zudem senkt eine neue Einstiegsversion den Preis. Bemerkenswert: Dank der verbrauchssenkenden Maßnahmen wird trotz kleinerer Batterie eine WLTP-Reichweite von 817 km möglich - das ist sogar ein Kilometer mehr als die bisherige EQS-Version in der reichweitenstärksten Variante 450+ schaffte.








