Mercedes VLE (2026): Neuer Elektro-Van mit 700 km Reichweite

Mercedes zeigt den VLE. Der elektrische Luxus-Van glänzt mit 800-Volt-Technik, extrem noblem Interieur und variablem Sitzsystem.

InsideEVs.de: Elektroautos, Plug-in-Hybride: News, Tests

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Mercedes stellt den neuen VLE vor. Der Elektro-Van gilt als Nachfolger des EQV, ist aber deutlich nobler. Er soll die Agilität und den Langstreckenkomfort einer Premium-Limousine mit Platz für bis zu acht Insassen kombinieren, und das bei einer maximalen WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern.

Angaben zu den Maßen und etliche technische Daten fehlen noch. Offenbar will Mercedes den Akzent zunächst auf den luxuriösen Innenraum legen. Laut MBPassion ist das Modell 5.309 mm lang, 1.999 mm breit und 1.916 mm hoch. Der Hersteller bezeichnet den Wagen übrigens weder als Elektrotransporter noch als Van, sondern als "Grand Limousine". Die mitgelieferten Bilder zeigen die Versionen VLE 300 (in Beige, Blau, Schwarz und Grau) und VLE 400 4Matic (in Rot).

Mercedes VLE (2026)

Exterieur

Die Optik des Neulings wird vorn durch den riesigen Grill bestimmt, der zudem noch durch eine Lichtlinie als Rahmen hervorgehoben wird. Dazu kommt eine Lichtsignatur mit zwei Sternen pro Seite. Anders als etwa beim GLC EQ gibt es zwischen den Scheinwerfern und über dem Grill außerdem eine durchgehende Lichtlinie. Seitlich hat der VLE Schiebetüren auf jeder Seite, auf Wunsch mit Hands-Free Access. Dies ist besonders hilfreich in engen Gassen. Die Schiebetüren verfügen über vollständig versenkbare Fenster. 

Am Heck fällt der bogenförmige Abschluss der Seitenfenster auf. Hinten gibt es senkrecht angeordnete Rückleuchten, die durch die Lichtleiste oben zu einem Rundbogen ergänzt werden. Zu den Besonderheiten gehört, dass man die Heckscheibe separat öffnen kann. Außerdem hat der VLE bündig in die Karosserie eingelassene Türgriffe, die bei Bedarf elektrisch ausfahren.

Bilder von: Mercedes-Benz

Interieur

Innen gibt es einen MBUX-Superscreen, der aus drei Bildschirmen besteht: einem 10,25-Zoll-Instrumentendisplay, einem 14-Zoll-Touchscreen und einem weiteren 14-Zoll-Monitor für den Beifahrer oder die Beifahrerin. Als Betriebssystem für das Infotainment und die Assistenzsysteme wird das neue MB.OS verwendet. Die Navigation nutzt Google Maps.

Die Luftausströmer links und rechts am Armaturenbrett bieten eine leuchtende Umrahmung, welche die Ambientebeleuchtung ergänzt. Diese zeigt auch die Konturen der "zweigeschossigen" Mittelkonsole, die oben zwei Handy-Schalen und unten ein beleuchtetes Fach für Kleinkram enthält. Das Lenkrad besitzt links eine Wippe und rechts ein Bedienröllchen. Über den Insassen spannt sich von der zweiten Sitzreihe bis zum Heck ein Sky-View-Glasdach. Und je nach gewählter Mittelkonsole besteht freier Zugang vom Cockpit in den Fond.

Die Sitzkonfigurationen reichen von fünf bis acht Sitzen, wahlweise als Einzelsitze oder Dreierbänke. Die hinteren Sitze lassen sich auch verschieben, vis-à-vis anordnen oder bei Bedarf entnehmen; dank der integrierten Rollen kann man sie danach in die Garage rollen. Bei drei Sitzreihen fasst der Kofferraum 795 Liter, bei komplett ausgebauten Rücksitzen 4.078 Liter.

Die Bilder zeigen zwei Einzelsitze in der zweiten Reihe, die sich durch ein Schienensystem längs verschieben lassen. Der rote VLE 400 4Matic besitzt auch in der dritten Reihe zwei Einzelsitze auf Schienen, während der beigefarbene VLE 300 dort eine Dreierbank hat, die ebenfalls längs verschiebbar ist. Hier sehen die Sitze in der zweiten Reihe besonders komfortabel aus. Zudem gibt es hier einen großen 31-Zoll-Bildschirm für die Fondpassagiere. Dank zahlreicher Streaming-Apps und Online-Diensten kann man sich darauf Filme ansehen oder Spiele spielen und mit der integrierten Kamera an Videokonferenzen teilnehmen.

Bilder von: Mercedes-Benz

Antriebe und Akku

Technische Basis für den VLE ist die Plattform Van.EA. Zum Start gibt es einen VLE 300 mit 200-kW-Frontantrieb sowie einen Allradler mit 305 kW. Beide erhalten eine 115 kWh große NMC-Batterie. Im Jahr 2027 sollen Versionen mit einer 80 kWh großen LFP-Batterie folgen.

  VLE 300 VLE 400 4Matic
Antrieb FWD 200 kW AWD 305 kW
0-100 km/h k.A. 6,5 Sek.
WLTP-Verbrauch ca. 18,6-20,4 kWh ca. 21,1 kWh
Akku netto 115 kWh (NMC) 115 kWh (NMC)
WLTP-Reichweite über 700 km k.A.
Max. Ladeleistung AC / DC 11 (optional 22) kW / 300 kW 11 (optional 22) kW / 300 kW

Mit einer Reichweite von über 700 Kilometern nach WLTP-Norm macht der VLE 300 Electric auch Langstrecken möglich. Der Neuling besitzt einen von Mercedes selbst entwickelten Antrieb mit Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM) an der Vorderachse. Der Wirkungsgrad von der Batterie bis zum Rad soll auf langen Strecken 93 Prozent betragen.

Allradmodelle verfügen zusätzlich über einen PSM an der Hinterachse. Dieser wird über eine mechanische Kupplung (Disconnect Unit, DCU) zugeschaltet, wenn er benötigt wird. Bei geringem Leistungsbedarf und minimalen Traktionsanforderungen werden der hintere Elektromotor und Teile des Getriebes entkoppelt. Dies reduziert die Verluste an der Hinterachse um bis zu 90 Prozent, so Mercedes. Zum niedrigen Verbrauch trägt auch der Siliciumcarbid-Inverter bei. Ob das nur für die Primärachse vorn oder auch die Hinterachse gilt, bleibt offen. 

Die neue Batterie bietet 115 kWh netto. Aufgeladen wird dank 800-Volt-System mit Ladeleistungen bis 300 kW. Die Ladedauer wird noch geheim gehalten, doch soll der VLE in 15 Minuten Strom für eine WLTP-Reichweite von bis zu 355 Kilometern nachladen können. An 400-Volt-Ladestationen wie den Superchargern von Tesla kann man (wie beim CLA EQ) mit der Serienausstattung nicht laden; dazu ist der optional erhältliche DC-DC-Wandler nötig. Alternativ kann man mit Wechselstrom laden, wobei serienmäßig 11 und optional 22 kW unterstützt werden.

An den Kathoden der Batterie kommt eine NMC-Chemie mit niedrigem Cobalt-Anteil zum Einsatz, an den Anoden wird Graphit mit Siliciumoxid-Anteil verwendet. Die Hochvoltbatterie lässt sich reparieren, was wohl bedeutet, dass sie wie üblich aus Zellen und Modulen aufgebaut ist und keine Cell-to-Chassis-Architektur besitzt. Der VLE ist für das bidirektionale Laden vorbereitet.

Fahrwerk

Was das Fahrwerk angeht, so besitzt der VLE optional die Luftfederung Airmatic. Normale Luftfederungen senken das Fahrzeug ab einer bestimmten Geschwindigkeit ab und heben es bei niedrigem Tempo wieder an. Die neue Airmatic dagegen nutzt erstmals Daten von Google Maps und weiß dadurch, auf welcher Art von Straße (Autobahn, Landstraße oder innerorts) man sich befindet. So wird auf der Autobahn kontinuierlich die niedrige Fahrwerkshöhe beibehalten, auch wenn man zwischenzeitlich im Stau steht.

Die intelligente Fahrwerksregelung umfasst auch eine neue Car-to-X-Funktion, die deutlich mehr Komfort auf langen Speed-Bumps bieten soll, wie sie insbesondere in Südeuropa und den USA häufig vorkommen. Ist die neue Car-to-X-Funktion aktiviert, passt der VLE die Dämpfung kurz vor Erreichen der Schwelle automatisch an, was den Komfort besonders im Fond deutlich verbessert, verspricht Mercedes.

Mit der Luftfederung lässt sich die Fahrzeughöhe um 40 Millimeter anheben und absenken, um die Bodenfreiheit zu erhöhen oder den Einstieg zu erleichtern. Dies ist erstmals auch per Sprachsteuerung möglich, beispielsweise mit dem Befehl "Fahrzeug anheben".

Ebenfalls optional wird eine Hinterradlenkung eingebaut, die den Wendekreis von Bordstein zu Bordstein um 2 Meter auf 10,9 Meter und von Wand zu Wand auf 11,6 Meter verringert. Der Lenkwinkel der Hinterachse beträgt bis zu sieben Grad. Bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h lenken die Hinterräder in die entgegengesetzte Richtung zu den Vorderrädern; das macht das Fahrzeug wendiger. Ab 60 km/h erfolgt der Einschlag in die gleiche Richtung wie bei den Vorderrädern, wodurch die Fahrstabilität bei Spurwechseln auf der Autobahn verbessert wird. Ein weiteres Plus ist die direktere Lenkübersetzung, die zu weniger Kurbelarbeit führt.

Außerdem verspricht Mercedes eine gute Schalldämmung, unter anderem durch Verbundglas sowie Elastomer-Lager zwischen Karosserie und Fahrwerk. Die Rotormagnete sind in einer Doppel-V-Konfiguration angeordnet, die Statorwicklungen verwenden sogenannte Chorded Coils. Beide Maßnahmen sorgen für einen außergewöhnlich leisen und dennoch effizienten Antrieb.

Wann das neue Modell auf den Markt kommt und wie viel es kostet, wurde noch nicht mitgeteilt. Laut MBPassion soll es den VLE 300 ab etwa 79.000 Euro geben.

Unter dem Strich

Mercedes stellt den neuen VLE vor. Außen wirkt er durch den riesigen Grill für unseren Geschmack zu "statusorientiert", um es höflich auszudrücken. Innen bietet der Wagen Luxus auf Oberklasseniveau, bis hin zu den superweichen Kissen für die Kopfstützen, die aus der S-Klasse bekannt sind. Wie es sich für einen Van mit Transporter-Genen gehört, ist das Sitzsystem sehr variabel.

Angetrieben wird der Neuling über die Vorderachse, was Platzvorteile hinten bringt. Durch die riesige Batterie, die mit 115 kWh fast so groß ist wie der 119-kWh-Akku des EQS, ergibt sich eine WLTP-Reichweite von über 700 km. Für das Gebotene ist der Basispreis moderat, doch die Extraliste dürfte lang sein.

Letzte Änderung am 11. März 2026: Maß- und Preisangaben von MBPassion eingefügt.

© InsideEVs.de
Autor: Stefan Leichsenring