Ein Zeitenwechsel im Kleinwagensegment steht bevor: Während der klassische VW Polo mit Verbrenner seit fast 50 Jahren die Straßen dominiert, rollt mit dem neuen ID. Polo der elektrische Erbe an. Allerdings wird der Wachwechsel nicht sofort erfolgen. Der bisherige Polo läuft wohl noch einige Jahre in Südafrika vom Band und kommt von dort zu uns nach Europa. Sein Elektro-Neffe ist hingegen ein Spanier. Wir wagen einen ersten Vergleich.
Design/Abmessungen
Optisch bleibt der 2017 vorgestellte Verbrenner-Polo der sechsten Generation seinem Ruf als "Mini-Golf" treu: Die Linienführung ist sachlich, horizontal betont und durch klassische Details wie die vier Bügel-Türgriffe und eine scharf gezeichnete Tornadolinie an den Flanken geprägt. 2021 erfolgte ein Facelift, seitdem ähnelt die Frontpartie leicht der des ID. Polo.
Das dürfte durchaus Absicht sein. Anders als einst beim ID.3 will VW nicht zu radikal sein, sondern vertraute Formen weiterentwickeln. Der ID. Polo hingegen führt zwar die neue Designsprache "Pure Positive" ein. Er wirkt deutlich stämmiger, was vor allem an der markanten C-Säule liegt, die eine Hommage an den allerersten Golf darstellt. Aber im Gesamtbild ist auch der ID. Polo als Polo erkennbar. Nicht zuletzt durch die bewusst gewählte Fortführung des 51 Jahre alten Modellnamens. Hier links der bisherige Polo, rechts der ID. Polo:
Während der Verbrenner auf klassische Proportionen setzt, nutzt der Elektro-Polo die MEB+-Plattform für extrem kurze Überhänge. Ein markanter Unterschied im Detail: Die hinteren Türgriffe des ID. Polo sind versteckt (und etwas unpraktisch in der C-Säule integriert, der alte Polo hat ein kleines drittes Seitenfenster. An der Front setzt der ID. Polo auf ein "freundliches Gesicht" mit einer durchgehenden Lichtleiste, die im Vergleich zum aktuellen Polo (maximal "IQ.Light"-LED-Matrix) nun hochauflösendere Matrix-LEDs beherbergt.
Auch am Heck setzt der ID. Polo viel stärker auf LED. Besonders markant wird das in der Topausstattung mit beleuchtetem Logo und durchgehender Leuchtleiste. Beides hat die Basis nicht, was wir aber durchaus auch charmant finden. Ein Blick auf die technischen Daten zeigt: Beide Polo sind ungefähr gleich groß, der ID. hat etwas mehr Radstand.
Die Abmessungen im Detail machen es deutlich: Der neue E-Polo ist nah dran am Polo VI, aber etwas höher. Und auch der Radstand ist nur knapp fünf Zentimeter länger als beim MQB-Modell: 2,60 Meter (Verbrenner: 2.552 mm). Unterschiede gibt es beim Leergewicht: Zwischen 1,5 und 1,7 Tonnen beim ID. Polo, der Verbrenner ist gut 300 kg leichter.
| Abmessungen | VW Polo (Benzin) | VW ID. Polo (Elektro) |
| Länge | 4.074 mm | 4.053 mm |
| Breite | 1.751 mm | 1.816 mm |
| Höhe | 1.451 mm | 1.530 mm |
| Radstand | 2.552 mm | 2.600 mm |
| Kofferraum | 351 - 1.125 Liter | 441 - 1.243 Liter |
| Anhängelast | 1.000 - 1.200 kg | 1.200 kg |
Innenraum/Cockpit
Im Interieur des aktuellen Polo herrscht klassische Ordnung. Das Cockpit ist zum Fahrer geneigt, die Materialien sind solide, die Displays sind sauber integriert. Das digitale Cockpit misst 11,7 Zoll. Ein 9,2-Zoll-Touchscreen ist nebenan das Maximum, und viele Funktionen werden noch über physische oder kapazitive Flächen gesteuert. So wird die Klimatisierung über Touchflächen bedient, der ID. Polo nutzt dafür wieder echte Schalter.
Der ID. Polo ist naturgmäß bildschirmlastiger, übertreibt es aber im Format nicht. Als Kombiinstrument kommt ein 10 Zoll großes Display zum Einsatz. Mittig bietet ein 13 Zoll großes Touchdisplay klare Struktur und flüssige Bedienung. Ein charmantes Gimmick im digitalen Kombiinstrument ist die "Retro-Anzeige". Per Tastendruck verwandeln sich die modernen Anzeigen in das klassische Layout eines Ur-Polo oder eines Golf der 80er-Jahre, inklusive analog anmutender Nadeln.
VW hat auf die Kritik der letzten Jahre reagiert. Im ID. Polo gibt es am Lenkrad keine Touch-Flächen mehr, sondern echte haptische Tasten. Besonders wichtig: Unter dem großen Screen befindet sich eine separate, beleuchtete Bedieneinheit für die Klimatisierung - ein massiver Fortschritt gegenüber dem aktuellen Verbrenner-Polo.
Bei den Platzverhältnissen spielt der Stromer seine Trumpfkarte aus. Da kein Getriebetunnel benötigt wird, ist der Fußraum im ID. Polo deutlich luftiger. Das Raumgefühl entspricht eher einem Fahrzeug der Kompaktklasse (Golf), obwohl die Außenmaße kleiner sind als beim Verbrenner-Polo. Kopf- und Beinfreiheit zeigen sich durchaus über gewohntem Klassenschnitt.
Bilder von: Volkswagen
Im Vergleich zum Modell mit Verbrennungsmotor punktet der ID. Polo dank MEB+ mit einer deutlich besseren Raumausnutzung. Das zeigt stellvertretend ein Wert: das große Kofferraumvolumen, das um 25 Prozent - von 351 auf 441 Liter - wächst. Das liegt sogar weit über den VW-Brüdern Golf (381 Liter) und ID.3 Neo (385 Liter). Bei umgeklappten Rücksitzlehnen steigt das Ladevolumen auf 1.243 Liter (konventioneller Polo: 1.125 Liter). Dafür verantwortlich ist eine Box im Heck, die tief in den Boden des Wolfsburgers ragt. Ein individuell einsetzbarer Boden sorgt für klare Trennung.
Antriebe/Motoren
Den ID. Polo wird es mit neuem effizienten Frontantrieb und in drei Leistungsstufen mit 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) geben. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 160 km/h abgeregelt. Im Laufe des Jahres gesellt sich dann noch der bereits angekündigte ID. Polo GTI mit 166 kW (226 PS) hinzu, er dürfte schneller als 160 laufen.
Die 85-kW- und 99-kW-Versionen werden serienmäßig mit einer 37 kWh (netto) großen LFP-Version (Lithium-Ferrophosphat-Akku) der neuen Hochvolt-Batterie starten. Diese Batterie kann an DC-Schnellladesäulen in ca. 23 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden und bietet eine Reichweite von bis zu 329 km.
Der 155-kW-Antrieb wird von einer NMC-Variante (Nickel-Mangan-Kobalt-Akku) mit Strom versorgt, bietet einen Energiegehalt von 52 kWh (netto), ermöglicht Reichweiten von bis zu 454 km und kann an DC-Säulen in ca. 24 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden.
Und der Verbrenner-Polo? Einen Diesel gibt es dort seit 2020 nicht mehr. Vollhybride oder gar einen Plug-in-Hybrid sucht man vergebens. Den Einstieg markiert ein Dreizylinder-Saugbenziner mit 1,0 Liter Hubraum und 80 PS. Kommt eine Turboaufladung hinzu, sind 95 oder 116 PS möglich. Ganz oben rangiert der 2,0-Liter-Turbovierzylinder mit 207 PS im Polo GTI. Allerdings ist seine Produktion im Dezember 2025 ausgelaufen, ihn wird also der neue ID. Polo GTI unmittelbar beerben.
Preise: ID. Polo startet teurer, relativiert sich aber
VW hat das Versprechen eines "25.000-Euro-Stromers" zwar gegeben, doch die Realität im Konfigurator sieht zum Marktstart (Mai 2026) anders aus: Das 24.995-Euro-Modell (mit kleinem 37-kWh-Akku und 116 PS) wird erst im Sommer 2026 nachgereicht. Wer jetzt bestellt, landet beim ID. Polo Life mit 211 PS und 52-kWh-Batterie für 33.795 €.
Der günstigste Verbrenner-Polo mit 80 PS kostet in Deutschland neu 20.135 Euro. Mit 116 PS und DSG (der ID. Polo hat stets eine Automatik) liegt der bisherige Polo schon bei knapp 28.000 Euro. Also über dem Basis-ID. Polo. Die aktuell angebotene 211-PS-Variante müsste man leistungsbedingt mit dem nicht mehr lieferbaren Polo GTI vergleichen. Dieser lag zuletzt bei knapp 36.000 Euro, spezielles GTI-Zubehör inklusive. Trotzdem relativiert auch das den auf auf den ersten Blick hohen Preis des ID. Polo.
Aber: Wer nur auf den Preis schaut, wird aktuell enttäuscht. Solange die Basisversion für 25.000 Euro nicht lieferbar ist, bleibt der elektrische Polo ein teures Vergnügen, das sich preislich sogar mit seinem größeren Bruder, dem ID.3 Neo, beißt.
Der ID. Polo ist technisch der bessere "Polo". Er zieht mehr (1.200 kg), bietet mehr Stauraum (441 l) und fährt deutlich agiler. Zwei Punkte sprechen dennoch für den bisherigen Polo: Er bietet mehr Reichweite und ist als Jahres- oder Gebrauchtwagen in großen Mengen günstig auf dem Markt verfügbar. Für Sparfüchse bleibt der klassische Verbrenner-Polo vorerst die wirtschaftlichere Wahl.








