Omoda 9 PHEV (2026) im Test: Braucht es noch einen Chinesen?

Die Marke des Chery-Konzerns startet auf dem deutschen Markt im Tayron-Format. Lohnt sich der Kauf?

Motor1.com Deutschland: Auto-Tests, Auto-News und Analysen

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Irgendwie klingt der Markenname wie früher die Suche von Tante Gertrud nach Waschmittel: Omo da? Doch geht es nach der Marke aus dem chinesischen Chery-Konzern, dann soll uns witzelnden Deutschen bald das Lachen vergehen. Den Anfang macht nach einigen Ankündigungen jetzt endlich der Omoda 9 als Plug-in-Hybrid.

Der Omoda 9 PHEV ist ein mittelgroßes SUV im D-Segment im Format eines VW Tayron und stellt aktuell das Flaggschiffmodell der Marke Omoda & Jaecoo in Deutschland dar.

Omoda 9 PHEV (2026) im Test

An Selbstbewusstsein mangelt es jedenfalls nicht: "Deutsche Autofahrer stellen zu Recht hohe Ansprüche - an Sicherheit, an Reichweite und an Verlässlichkeit im Alltag. Der OMODA 9 PHEV wurde nicht nur für diesen Markt homologiert, sondern aktiv auf ihn abgestimmt.", sagt Peter Matkin, Chief Engineer and CTO des europäischen Entwicklungszentrums in Raunheim.

Schnelle Daten Omoda 9 PHEV (2026)
Antrieb  Vierzylinder-Turbobenziner, 1.499 ccm plus Elektromotor
Getriebe Dreigang-Hybridgetriebe
Leistung 395 kW (537 PS) Systemleistung
Drehmoment 650 Nm Systemleistung
Kofferraumvolumen 471 - 1.783 Liter
Preis 52.900 Euro

Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit


Karosserie/Design

Mit einer Länge von 4.775 mm, einer Breite von 1.920 mm und einer Höhe von 1.671 mm bietet der Omoda 9 Platz für fünf Personen. Die Anhängelast liegt bei bis zu 1.500 kg gebremst. Der Wendekreis wird mit 11,5 Metern angegeben. 

Optisch wirkt einiges vertraut: Hier typisch China, dort ein Hauch von Kia. Nichts, was nachhaltig hängenbleibt, aber auch kein Anschlag auf die Augen. Unter dem Strich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ein klarer Minuspunkt sind die ausfahrenden Türgriffe. In China ist man bereits dabei, das zu verbieten, auch wir präferieren feste Bügelgriffe. 

Innenraum

Hier bietet der Omoda 9 das, was man bei 4,77 Meter auch erwarten darf: viel Platz, speziell im Fond. Interessant: Den Beifahrersitz kann man vom Fond aus verschieben. An Mercedes erinnert die elektrische Sitzverstellung in Sitzform in den Türen. Und zwar auch hinten! 

Das Kofferraumvolumen beträgt 471 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.783 Liter erweitern. PHEV-bedingt ist der Ladeboden aber relativ hoch.

Im wertig gemachten Innenraum dominiert ein durchgehendes Curved-Display mit einer Gesamtgröße von 24,6 Zoll, ergänzt durch ein Head-up-Display. Die Bedienung erfolgt über Touchflächen (leider auch am Lenkrad), physische Bedienelemente und Sprachsteuerung. Auffallend ist die hohe Mittelkonsole, den Arm freut es immerhin.

Zur Serienausstattung gehören unter anderem Ledersitze, ein Sony-Soundsystem aber auch ein umfangreiches Fahrerassistenzsystem auf Level-2-Niveau mit Kamera-, Radar- und Ultraschallsensorik sowie acht Airbags. Übersetzt heißt das: Big Omoda is watching you. Zwei Sekunden zu unaufmerksam? Bimmel! Zart über der Mittellinie? Ping! Die ganze Armada persönlich anzupassen, dauert leider etwas. 

Antrieb/Fahreindrücke

Das Antriebssystem des Omoda 9 PHEV basiert auf einem sogenannten Super-Hybrid-Konzept aus dem Chery-Konzern. Es umfasst einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 105 kW (143 PS) sowie insgesamt drei Elektromotoren. Zwei dieser Maschinen sind an der Vorderachse, eine an der Hinterachse positioniert. Die Systemleistung beträgt satte 395 kW gleich 537 PS.

Der elektrische Antrieb übernimmt in vielen Fahrsituationen die Hauptarbeit, während der Verbrennungsmotor je nach Lastzustand unterstützend eingreift oder als Generator zur Stromerzeugung dient. Die Kraftübertragung erfolgt über ein 3-Gang-DHT-Hybridgetriebe.

Die Hochvoltbatterie hat eine Kapazität von 34,5 kWh und ermöglicht eine elektrische Reichweite von bis zu 145 Kilometern nach WLTP. Die kombinierte Gesamtreichweite liegt bei bis zu 1.100 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 65 kW Gleichstrom, wobei ein Ladehub von 30 auf 80 Prozent laut Omoda unter optimalen Bedingungen in etwa 25 Minuten erfolgen kann. Wechselstromladen ist mit bis zu 6,6 kW möglich. 

Das Fahrwerk verfügt über eine unabhängige Hinterradaufhängung und ein adaptives Dämpfersystem (CDC), das die Dämpfkraft kontinuierlich an Fahrzustand und Untergrund anpasst. Zusätzlich stehen mehrere Fahrmodi zur Verfügung, darunter Eco, Normal, Sport sowie Programme für unterschiedliche Untergründe. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 4,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 180 km/h begrenzt.

Wie fährt sich der Newcomer in der Praxis? Der HEV-Modus gibt sich auf der Autobahn laufruhig und kräftig. Den bei manch Hybridtechnik üblichen "Gummiband-Effekt" hat Omoda auch durch das 3-Gang-Getriebe weitestgehend vermieden, nur unter Volllast wird der Wagen kurzzeitig lauter. Gut gefallen hat uns der Federungskomfort mit den verbauten 20-Zöllern. 

Verbrauch/Preis

Der kombinierte Verbrauch wird mit 1,6 l/100 km und 19,5 kWh/100 km angegeben, bei entladener Batterie mit 6,9 l/100 km. Wir kamen auf ein Mittel von exakt sechs Liter.

Der Omoda 9 PHEV startet in Deutschland zu einem Einstiegspreis von 52.900 Euro, einziges Extra ist die Metallic-Lackierung für 890 Euro. Vor diesem Hintergrund relativiert sich auch der Preis, zumal mit Blick auf die Konkurrenz. Zum Vergleich: Der günstigste VW Tayron mit Plug-in-Hybrid liegt neu bei 54.975 Euro.  

Die Markteinführung erfolgt parallel zum Aufbau eines Händler- und Servicenetzes. 100 Standorte sind bis Ende 2026 geplant, final sollen es rund 240 sein. Erreichbarkeit: maximal 30 Minuten Anfahrt. Hinsichtlich Service und Ersatzteile versucht Omoda/Jaecoo mögliche Zweifel zu zerstreuen. Nach Angaben des Herstellers wird die Ersatzteilversorgung über ein Zentrallager in Rheinland-Pfalz organisiert, wobei Kuehne+Nagel als Logistikpartner eingebunden ist.

Ziel ist es, die Handelspartner innerhalb Deutschlands bei Bedarf innerhalb von 24 Stunden mit einem Großteil der benötigten Komponenten zu versorgen. Die Verfügbarkeit wird mit 99 Prozent der Ersatzteile angegeben, einschließlich Hochvoltbatterien.

Flankiert wird die Markteinführung durch ein umfassendes Garantie- und Servicepaket, das auf eine langfristige Nutzung ausgelegt ist. Für das Gesamtfahrzeug gilt eine Garantie von sieben Jahren oder bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Für die elektrischen Antriebskomponenten und den Energiespeicher wird eine separate Garantie von acht Jahren beziehungsweise bis zu 160.000 Kilometern gewährt.

Ergänzend dazu umfasst das Paket eine dreijährige Lackgarantie sowie eine zwölfjährige Garantie gegen Durchrostung der Karosserie von innen nach außen. Darüber hinaus ist für die ersten drei Jahre beziehungsweise bis zu 80.000 Kilometer eine europaweite Mobilitätsgarantie Bestandteil des Angebots. Diese beinhaltet im Bedarfsfall telefonische Unterstützung, Pannenhilfe vor Ort sowie Abschleppleistungen.

Im Fall von Garantiereparaturen, die eine Dauer von mehr als vier Stunden überschreiten, stellt der jeweilige Handelspartner ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Die beschriebenen Leistungen sind Teil eines Gesamtkonzepts, das neben der technischen Absicherung des Fahrzeugs auch die kontinuierliche Einsatzfähigkeit im Alltag gewährleisten soll.

Fazit:

Für eine Bepunktung war unser erster Ausflug im Omoda 9 PHEV noch zu kurz. Festhalten lässt sich aber: Grobe Schnitzer leistet sich das SUV nicht, auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Vieles hängt nun vom Aufbau des Händlernetzes ab. Zudem muss die neue Marke für Bekanntheit werben. Einige erinnern sich noch an die Daewoo-Werbespots vor 30 Jahren ... 

© Motor1.com
Autor: Roland Hildebrandt