Mit dem vollelektrischen Audi A4 sollte wollte Audi eigentlich beweisen, dass die Plattform der nächsten Generation bei den Stromern der Zukunft ganz vorne mitspielen kann. Stattdessen hinkt der Zeitplan in der Entwicklung schon jetzt hinterher.
Der A4 e-tron wird laut Audi-Vorstandschef Gernot Döllner nun frühestens im März 2029 in Produktion gehen. Die Verzögerung hängt direkt mit technischen Problemen bei der Scalable Systems Platform (SSP) zusammen, Volkswagens nächster Elektroauto-Architektur. Damit verschiebt sich die anlaufende Produktion um rund neun Monate gegenüber dem Mitte-2028-Ziel, das Döllner selbst im Oktober 2025 genannt hatte.
Was ändert sich beim Zeitplan des A4 e-tron?
Laut Insidern, auf die sich Handelsblatt beruft, könnte sich der Termin jedoch noch weiter nach hinten verschieben als der jetzt anvisierte März 2029. Die Rede ist von Ende April oder Anfang Mai 2029. Technikvorstand Rouven Mohr hatte kurz zuvor noch betont, es gebe "keinen Korrekturbedarf" beim Produktionsdatum - unmittelbar bevor die Ingolstädter es korrigierten.
Döllner beschreibt die Verschiebung als normale Reibung in der Entwicklung und nicht als grundsätzliche Neubewertung des Fahrzeugs selbst. Mit einem vom Concept C inspirierten Design ist der A4 e-tron weiterhin als Limousine und Avant geplant. Außerdem soll er nach wie vor zu den ersten Fahrzeugen gehören, die auf Audis neuer Plattform entstehen - in welchem Jahr auch immer er letztlich startet.
Das Kernproblem sei laut Handelsblatt die Entscheidung von Volkswagen, das Bordnetz der SSP von den üblichen 12 Volt auf 48 Volt umzustellen, nachdem die Entwicklung bereits angelaufen war. Diese einzelne Änderung zog sich durch die Entwicklungsarbeit im gesamten Konzern und bei den Zulieferern - und kostete Monate, die niemand eingeplant hatte.
Es ist die zweite Verschiebung in Folge für eine Baureihe, die erst vor Kurzem zurückgekehrt ist. Der A4 mit Verbrennungsmotor lief 2024 aus und machte dem neuen A5 Platz. Döllner hatte versprochen, dass die Rückkehr des A4 als elektrisches SSP-Modell frühestens 2028 erfolgen werde.
Warum sich VWs SSP-Plattform weiter verzögert
Die SSP ist keine neue Idee. Volkswagen kündigte sie im Juli 2021 als künftigen Nachfolger sowohl der MEB-Plattform an, auf der Modelle wie der Q4 e-tron basieren, als auch der 800-Volt-PPE-Architektur, die im A6 e-tron und Q6 e-tron zum Einsatz kommt. Fünf Jahre später ist noch kein einziges SSP-Fahrzeug in Serie gegangen.
Handelsblatt berichtet, dass der tatsächliche Start der SSP mit dem neuen Zeitfenster im Frühjahr 2029 rund drei Jahre hinter VWs ursprünglichem Ziel für 2026 liegt. Die Wolfsburger hatten zudem den Umfang der Plattform reduziert: Statt acht geplanter Varianten soll es nur noch vier geben. Das Unternehmen beschreibt diese Bündelung als strategischen Schritt, nicht als defensive Maßnahme.
Auch andere von der SSP abhängige Modelle sind von der Verschiebung betroffen. Die vollelektrischen Golf und T-Roc könnten sich bis ins Jahr 2030 verzögern. VW spricht bei SSP-Modellen, die mit Technik des US-Partners Rivian entstehen, inzwischen nur noch von einem Start "ab Ende des Jahrzehnts".
In der Praxis bedeutet das: Audis Elektroautos auf MEB- und PPE-Basis sind nicht mehr nur die Brücke zur SSP. Sie müssen den Rest des Jahrzehnts überstehen. Kunden, die einen elektrischen Mittelklasse-Audi in Betracht gezogen haben, werden also entweder deutlich länger warten müssen oder, und das ist viel drastischer für Audi und den VW-Konzern, sich woanders umsehen.
Motor1 hat Audi um eine zusätzliche Stellungnahme gebeten und wird diesen Artikel aktualisieren, sobald das Unternehmen antwortet.








