ZF stellt den EVbeat vor, eine Konzeptstudie auf Basis des Porsche Taycan. An diesem Beispiel will der Friedrichshafener Zulieferer zeigen, wie kompakt und effizient ein Elektroantrieb der Zukunft sein kann. Zudem soll ein von ZF entwickeltes Thermomanagement die reale Reichweite bei Kälte um bis zu einem Drittel steigern.
Der Antrieb mit der Bezeichnung EVSys800 besteht wie üblich aus Elektromotor, Getriebe und Leistungselektronik (hier mit Siliciumcarbid-Technik). Der Elektromotor an der Hinterachse kommt anders als beim Serien-Taycan ohne Seltene Erden aus. Die Spitzenleistung des E-Motors an der Hinterachse liegt bei 275 kW - und die Dauerleistung liegt mit 206 kW nur rund ein Viertel niedriger. Zum Vergleich: Porsche nennt für den Basis-Taycan mit Heckantrieb im Allgemeinen 240 kW als Maximalleistung (obwohl mit aktivierter Launch Control kurzzeitig bis zu 350 kW erreicht werden).

Das Rad-Drehmoment an der Hinterachse des EVbeat liegt laut ZF bei 5.200 Newtonmetern - Porsche gibt für den Taycan bis zu 5.5550 Nm an. Die Besonderheit des ZF-Antriebs liegt jedoch in der Drehmomentdichte: Sie liegt bei 70 Nm pro Kilogramm Antriebsgewicht.
Durch die von ZF patentierte "Braided-Winding"-Wicklung des E-Motors und das kompakte Getriebe ist der Antrieb fünf Zentimeter weniger breit. Der Antrieb wird koaxial eingebaut, also direkt auf der Achse, was Platz spart. Außerdem ist der Antrieb mit einem Gesamtgewicht von nur 74 Kilo rund ein Drittel leichter als ein vergleichbarer Serienantrieb von ZF. Zur Kühlung umfließt Öl direkt die Kupferstäbe des Motors - das soll die Performance bei gleichem Gewicht und Einbauraum deutlich erhöhen.

Auch beim Wechselrichter wurde eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Bauraum, Gewicht und Nachhaltigkeit erzielt. Das Getriebe überträgt die Antriebskraft der E-Maschine über zwei Planetensätze. Sie erzeugen nicht nur die gewünschte Achsübersetzung, sondern übernehmen auch die Differenzialfunktion. Im Vergleich zu gängigen Offset-Konzepten, bei denen sich An- und Abtriebswelle nicht auf einer Linie befinden, sinken bei der koaxialen Lösung Gewicht und Bauraumbedarf. Die ersten Technologien des neuen ZF-Antriebs sollen 2026 verfügbar sein.

ZF hat für den EVbeat auch erstmals ein komplettes Thermomanagement entwickelt. Dabei steuert eine zentralen Einheit drei Kühlkreisläufe. Für einen wird statt fluorhaltiger Verbindungen normales Propan verwendet. Die anderen beiden Kältemittelkreisläufe (einer für den Motor, der andere für Leistungs- und Ladeelektronik) nutzen wie üblich frostgeschütztes Wasser. Insgesamt soll die Winter-Reichweite durch dieses Thermomanagement-System um bis zu einem Drittel steigen. Die verbesserte Kühlperformance macht auch die hohe Dauerleistung der E-Maschine möglich.
Auch auf die Antriebssoftware ist ZF stolz. Sie sorgt dafür, dass der Motor stets bei der optimalen Temperatur arbeitet: Bei niedrigem Tempo und hohem Drehmomentbedarf liegt diese sehr niedrig, bei hohen Geschwindigkeiten und niedrigem Drehmomentbedarf stellen hohe Temperaturen kein Problem dar. Da sich die Temperaturen aber nicht in Sekundenschnelle einstellen lassen, regelt die ZF-Software diese vorausschauend ein. Dabei lernt das System aus dem Verhalten der Person am Steuer. Wird zum Beispiel ein Kurzstreckenbetrieb erkannt, werden Klimatisierung und Systemkühlung reduziert.








