Der Camping-Boom ist ungebrochen und die Nachfrage nach flexiblen Fahrzeugen, die sowohl im Alltag als auch auf Reisen überzeugen, steigt stetig. Volkswagen hat diesen Trend erkannt und bietet jetzt eine interessante Alternative zum beliebten California: den Multivan mit Gute-Nacht-Paket. Wir haben den aufgerüsteten VW Bus getestet und verraten, ob er das Zeug zum Teilzeit-Camper hat.
Das Gute-Nacht-Paket | Schlafen | Motor/Antrieb | Interieur | Preise | Fazit
Das Gute-Nacht-Paket
Das Herzstück des Gute-Nacht-Pakets im neuen VW T7 Multivan ist zweifellos das Bett. Mit einer Länge von 2,02 Metern und einer Breite von 1,21 Metern bietet es ausreichend Platz für zwei Personen. Der Aufbau ist denkbar einfach: Das Bett, bestehend aus Lattenrost und Matratze, ruht auf Bolzen, die fest mit der Karosserie verbunden sind. So lässt es sich sowohl über die umgeklappte zweite und dritte Sitzreihe ausbreiten als auch bei komplett ausgebauten Sitzen montieren, um zusätzlichen Stauraum unter der Liegefläche zu gewinnen.

Der Umbau beginnt mit dem Lösen der hinteren Spanngurte. Danach lassen sich die Sitze durch Ziehen an den Schlaufen leicht umklappen. Danach zieht man die in drei Teile gefaltete Liegefläche nach vorne, klappt die Füße aus und klickt sie ein.
So entsteht eine bequeme Liegefläche, während im zusammengeklappten Zustand fünf Sitzplätze erhalten bleiben. Außerdem lässt sich das Bettgestell samt Matratze komplett herausnehmen, so dass der Multivan im Handumdrehen wieder zum geräumigen Familienvan mit sieben Sitzplätzen wird.
Guter Schlafkomfort und frische Luft
Im Test überzeugte das Bett dank des vollwertigen Lattenrosts und der zweilagigen Matratze mit einem angenehmen Liegekomfort. Die Matratze ist schön fest, aber nicht zu hart und bietet auch für zwei Personen eine ausreichende Breite. Für angenehme Dunkelheit sorgen die mitgelieferten Verdunkelungen, passend zugeschnittene Textillappen - teilweise mit extra Metallverstrebungen - welche sich mithilfe der Magneten im Saum leicht anbringen lassen.
Für die notwendige Frischluftzufuhr gibt es für die vorderen Seitenscheiben Kunststoffeinsätze mit integriertem Insektenschutz. Einfach auf die halb heruntergelassene Scheibe aufstecken und mit etwas Fingerspitzengefühl das elektrische Seitenfenster wieder hochfahren. Schön ist auch das optionale Panorama-Glasdach, durch das man nachts vor dem Einschlafen den Sternenhimmel beobachten kann. Und wenn man die Augen schließen will, lässt sich das Glasdach schnell und einfach verdunkeln.
Im Vergleich zum VW California bleibt der Multivan mit Gute-Nacht-Paket ein flexibler Kompromiss. Er eignet sich hervorragend für Wochenendtrips oder als Basis für den individuellen Ausbau, kann aber den Komfort eines echten Wohnmobils (wie etwa der Sunlight Cliff 540 im Test) nicht ganz ersetzen und hat auch kein Aufstelldach. Dafür punktet der Multivan mit besserer Alltagstauglichkeit und ist serienmäßig mit sieben Sitzplätzen ausgestattet.
Die California-Modelle bieten dagegen nur maximal sechs Sitzplätze im California Beach, fünf Sitzplätze im Beach Tour und Beach Camper oder sogar nur vier Sitzplätze im Coast und Ocean - die beiden letzteren dafür mit vollwertiger Küchenzeile und Kühlschrank.
Motor/Antrieb
Unser Testwagen war mit dem 2.0 TDI mit 150 PS und 7-Gang-DSG ausgestattet. Der Vierzylinder-Diesel überzeugt mit kultiviertem Lauf und ausreichend Durchzugskraft. Von 0 auf 100 km/h geht es in 13,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 190 km/h. Im Alltag fühlt sich der Multivan allerdings deutlich spritziger an, als es die Zahlen vermuten lassen.
Auf der Autobahn zeigt sich der Multivan dank des ausgewogenen, komfortablen Fahrwerks und der guten Geräuschdämmung von seiner besten Seite und bleibt auch bei Tempo 130 angenehm leise. Der Verbrauch pendelte sich im Test bei durchschnittlich 7,8 Liter auf 100 Kilometer ein, was für ein Fahrzeug dieser Größe ein ordentlicher Wert ist.
Das Siebengang-DSG harmoniert gut mit dem Diesel und schaltet meist unmerklich. Nur gelegentlich, vor allem beim Anfahren an Steigungen, wirkt es etwas zögerlich. Die Lenkung ist präzise, wenn auch etwas synthetisch, und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl.
Interieur
Das Cockpit ist modern gestaltet und erinnert stark an Golf und Co. Klar, schließlich basiert auch der T7 auf der MQB-Plattform. Das digitale Kombiinstrument ist übersichtlich, der große Touchscreen in der Mittelkonsole reagiert schnell. Die Verarbeitungsqualität ist durchweg gut, auch wenn einige Hartplastikoberflächen an die Nutzfahrzeugherkunft erinnern und die Lautstärke- und Temperaturregelung dank unbeleuchteter Bedienelemente noch ein Graus ist.

Die Platzverhältnisse sind großzügig. In der ersten Reihe sitzt man bequem und hat einen guten Überblick. Die Einzelsitze in der zweiten und dritten Reihe lassen sich verschieben, verkehrt herum umbauen oder ganz herausnehmen. Ein pfiffiges Detail sind die zahlreichen USB-C-Anschlüsse (zwei im Cockpit und vier weitere im Fond), die das Leben mit der digitalisierten Familie erleichtern, sowie der über die gesamte Länge des Multivan verschiebbare Multifunktionstisch. Im ausgefahrenen Zustand dient er gleichzeitig als praktische Armlehne - auch wenn der Testwagen dann meckert und will, dass man ihn wieder einklappt.
Preise
Der VW T7 Multivan startet in der Basisversion bei knapp über 53.000 Euro, unser Testwagen mit 150-PS-Diesel, langem Überhang (der Radstand ist beim T7 immer gleich), gehobener Ausstattung, der Anhängerkupplung mit Gespannstabilisierung und noch einigen weiteren Extras liegt knapp über der 75.000-Euro-Marke. Das Gute-Nacht-Paket in der Grundvariante kostet noch einmal 2.867,90 Euro, für weitere 487,90 Euro gibt es einen faltbaren Campingtisch mit zwei Klappstühlen.
Mit knapp über 61.000 Euro ist der Schlummer-Multivan in der getesteten Life-Ausstattung ohne Extras damit minimal günstiger als ein vergleichbarer California Beach, der bei knapp 63.000 Euro startet.
Fazit: 8/10
Letztlich ist das Gesamtpaket eine gelungene Mischung aus Familienvan und Mini-Camper, ideal für alle, die gelegentlich campen wollen, ohne auf Alltagstauglichkeit zu verzichten. Er bietet mehr Flexibilität als ein vollwertiges Wohnmobil und den nötigen Komfort für spontane Übernachtungen (das kann auch der Dacia Duster mit Sleep-Pack) muss dafür aber Abstriche beim Camping-Komfort hinnehmen.
Für Festival-Camper und alle, die einen günstigen Einstieg in die Campingwelt suchen, ist er eine gute Option. Wer jedoch häufiger und länger unterwegs ist, wird mit dem VW California, einem Konkurrenten wie dem Crosscamp Flex oder einem Campervan wie den facegelifteten VW Grand Californias oder dem Ford Transit Nugget vermutlich glücklicher.








